Sex und Soda: Keine Lust – ist das schlimm?

Paar sitzt auf Bett

In dieser Kolumne schreibt Mila Bach über die prickelnden und weniger prickelnden Momente im Leben. Diesmal geht es um Phasen ohne Sex und ihre Wahrnehmung.

Wir leben in einer sehr sexualisierten Welt. Wer da eigentlich gar keine Lust drauf hat, wird schnell als prüde oder langweilig abgestempelt. Doch das ist falsch! 

Zugegebenermaßen bin ich eher ein Mensch, der oft und viel Lust auf Sex hat. Ich bin neugierig, will viel neues ausprobieren und meckere bei zwei Wochen ohne Sex schon rum. Seit ich mit Sex anfing, war meine längste „Durststrecke“ vielleicht sechs Monate lang. Aber genau hier liegt das Problem – dass in unserer Sprache eine sexlose Zeit als Durststrecke bezeichnet wird. Als wäre Sex wie Wasser und wir könnten ohne ihn nicht lang überleben. Doch es gibt Phasen, da braucht man dieses vermeintliche Lebenselixier nicht. Und es gibt Menschen, die wollen aus bestimmten Gründen wenig Sex oder für eine längere Zeit auch gar keinen. 

Kein Mitleid bitte 

Wir stigmatisieren Leute, die lange keinen Sex haben. Wer über ein Jahr keine Lust hat und sich darüber nicht beschwert, wird auch gerne mal als a-sexuell oder prüde bezeichnet. Beides ist totaler Blödsinn. Ich habe sehr tolle, interessante und wunderschöne Freundinnen, die nach einer Beziehung ein Jahr oder länger keinen Sex hatten. Nicht, weil die Möglichkeiten nicht da gewesen wären, sondern weil sie nicht wollten. Es ist vollkommen in Ordnung, wenn man nicht der Typ für One-Night-Stands oder Affären ist und gerne nur Sex mit Menschen hat, zu denen man auch eine emotionale Bindung hat. Schlimm ist aber, dass sich viele dafür schämen. Wenn man in einer Runde sagt, dass man mehrere Monate keinen Sex hatte, dann hat bestimmt jemand den Mund offen oder jemand anderem rutscht ein mittleidiges „puhh“ heraus. Wir sollten alle darauf achten, so nicht mehr darauf zu reagieren. Es wird ständig dafür plädiert eine offene und freizügige Sexualität zu akzeptieren. Ich hatte auch Probleme damit, wie ich stigmatisiert wurde, wenn ich über meine wechselnden Sexpartner gesprochen habe. Das kommt jedoch besser an, als wenn ich von einer jahrelangen Sexpause erzählen würde. Wenn wir also viel Lust auf Sex akzeptieren, sollten wir auch gar keine Lust darauf als normal ansehen.