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Stellungswechsel: So holst du das Beste aus einem One-Night-Stand heraus

Unsere Sex-Kolumnistin Nadine Kroll erklärt, wie du schlechten Sex bei One-Night-Stands vermeidest und worauf du sonst noch achten solltest.

Sex und Feminismus, das passt nicht zusammen? Doch, wie unsere Kolumne „Stellungswechsel“ beweist. Nadine Kroll befasst sich mit den Fragen, die junge Menschen und speziell Frauen, die gerade ihre Sexualität entdecken, ganz besonders beschäftigen. Es geht um gesellschaftlichen Wandel, Selbstbestimmtheit, neugewonnene Freiheiten, Frauenrechte und natürlich ums Ficken, kurz: um sexpositiven Feminismus und darum, dass sich niemand für seinen Körper oder seine Vorlieben schämen muss.

One-Night-Stands können richtig viel Spaß machen – aber auch total in die Hose gehen (pun intended). Damit euch letzteres in Zukunft hoffentlich erspart bleibt, habe ich vier Tipps für euch, wie ihr das Beste aus flüchtigen sexuellen Kontakten herausholen könnt.

 

Kommunikation

 

Du denkst vielleicht, es sei klar, dass es sich um eine einmalige sexuelle Begegnung ohne das Ziel einer weiteren Bekanntschaft oder Partnerschaft handele, weil ihr euch auf Tinder oder beim Feiern in einem Club kennengelernt habt, was aber nicht heißen muss, dass dein Gegenüber es genauso sieht. Es ist in jedem Fall besser, vorher anzusprechen, dass es sich für einen selbst um eine kurzes Stelldichein ohne Zukunft handelt, als erst im Anschluss zu erklären, dass es nie mehr war und nie mehr werden wird als das. Erwartungen und auch Ängste vorher zu thematisieren ist in jedem Fall besser, als die Nachsicht zu haben und erspart allen Beteiligten Stress und unnötige Verletzungen.

 

Verhütung

 

Keine Frage: Verhütung ist immer wichtig. Ganz besonders aber bei One-Night-Stands. Während eine Schwangerschaft in festen Partnerschaften vielleicht nicht ganz so dramatisch ist, weil man früher oder später sowieso gemeinsam Kinder haben wollte, ist es bei einem One-Night-Stand, dessen Namen man vielleicht schon nicht mehr weiß, wenn man die Schwangerschaft zum ersten Mal bemerkt, eine absolute Katastrophe. Zumindest im ersten Moment. Aber nicht nur eine ungewollte Mutter- oder Vaterschaft ist etwas, das man bei einem einmaligen sexuellen Erlebnis tunlichst vermeiden sollte, sondern auch Geschlechtskrankheiten. Mit der Frage „Du nimmst doch die Pille, oder?“ ist also nicht alles geklärt. Kondome sind bei One-Night-Stands eine Pflicht, ohne die wirklich gar nichts laufen sollte. Also los zur nächsten Tankstelle oder zum Spätkauf des Vertrauens, auch wenn es bereits mitten in der Nacht und die Lust aufeinander wirklich groß ist.

 

Sex

 

Eigentlich sollte es klar sein, muss aber dennoch immer wieder betont werden: auch bei One-Night-Stands ist Consent oberstes Gebot! Kein Einverständnis, kein Sex! Das gilt auch für einzelne sexuelle Handlungen. Vielleicht sagt dein Gegenüber zwar „Ja!“ zu Geschlechtsverkehr mit Penetration, nicht aber zu Oralsex? Dann ist das so! Da gibt es auch nichts daran zu rütteln, auch nicht mit Überredungskunst! Die meisten schlechten One-Night-Stands hatte ich nicht etwa wegen irgendwelcher peinlicher Sexpannen, bei denen irgendjemand versehentlich gefurzt hat oder sich übergeben musste, sondern weil versucht wurde, mich zu Dingen zu drängen, die ich eigentlich nicht wollte – zum Beispiel von Typen, die ich gerade mal zwei Stunden kannte, geleckt werden. Ich liebe es, mit der Zunge befriedigt zu werden, aber wenn Menschen es machen, die ich erst kurz vorher auf einer Party aufgerissen habe, ist es für mich immer unangenehm und macht mir keinen Spaß. Auch dann nicht, wenn es sich um selbsternannte Oralsex-Experten handelte.

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Also gilt es auch hier, miteinander zu kommunizieren. Vor, während und vielleicht sogar nach dem Sex. Wenn man gut miteinander übers Ficken reden kann, dann klappt es auch mit der Umsetzung meistens ganz gut. Zu erwarten, dass das Gegenüber alles gut findet, was man macht, nur weil es bei der Ex-Freundin so toll funktioniert hat, oder zu glauben, man könnte bei einmaligen Stelldicheins weitergehen als normal beim Sex, weil man sich ja sowieso nicht wieder sieht (und am nächsten Tag vielleicht nicht mal mehr erinnert), ist grundlegend falsch. One-Night-Stands müssen nicht wilder, schmutziger und erotischer sein als der Sex in Langzeitbeziehungen. Es ist absolut in Ordnung, mit dem Tinder-Aufriss langsamen Geschlechtsverkehr in Missionarsstellung zu Musik von John Legend zu haben. Um das erste Mal Analsex auszuprobieren, eignet sich so ein ONS allerdings weniger…

 

Verabschiedung

 

Zu einem gelungenen One-Night-Stand gehört auch ein ordentlicher Abschied. Niemand erwartet, dass du bis zum Frühstück bleibst, aber sich mitten in der Nacht hinausschleichen ist nicht die feine englische Art. Auch zu erwarten, dass die Bekanntschaft von letzter Nacht sich selbst zur Tür hinausbefördert, während man ankündigt, nur schnell unter die Dusche zu springen, ist nur bedingt der richtige Weg. Besser ist, dem Fick von letzter Nacht zumindest noch die Möglichkeit zu geben, eine Tasse frisch aufgebrühten Kaffee abzulehnen, bevor man ihm oder ihr mitteilt, dass man ab jetzt gern wieder alleine wäre. Und: Nummern austauschen ist Tabu! Niemand braucht fremde Telefonnummern, wenn er von vornherein weiß, dass man sich eh nie wiedersehen oder auch nur voneinander hören wird. Besser ist, die Sache von vornherein als das zu behandeln, was sie war: einmaliger Sex, aus dem weder eine Freundschaft noch eine Partnerschaft hervorgehen wird.

Wenn ihr diese Tipps beherzigt, kann bei eurem nächsten One-Night-Stand schon fast nichts mehr schiefgehen. Und wenn doch? Nun, dann seid ihr beim darauffolgenden Mal (mit einer anderen Person, versteht sich) besser gewappnet und habt bei der nächsten WG-Party hoffentlich eine lustige, wenn auch vielleicht peinliche Sex-Story zu erzählen!

 

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Nadine Kroll, geboren 1990, studiert Kunstgeschichte in Berlin. Mit 19 Jahren zog sie aus der schwäbischen Provinz in die Hauptstadt und konnte zum ersten Mal ihre Sexualität ausleben. In Blog-Artikeln ließ sie neugierige Leser 2013 erstmals an ihren Erlebnissen teilhaben und legt nun mit ihrem Buch „Stellungswechsel“ umfassend und ungeschminkt Zeugnis von den hellen und den dunklen Seiten ihres Lebens ab.

 

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Bildquelle:  Jan Zhukov via Unsplash unter CC0 Lizenz

Kommentare

  1. Ich würde mir auf jeden Fall immer die Nummer geben lassen, damit man, wenn sich herausstellt, dass mit der Verhütung doch irgendwas schief gelaufen ist, den anderen kontaktieren kann.

    Cantuccini / Antworten

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