Sex sells: Sind attraktive Menschen wirklich erfolgreicher?

Frau steht vor einem Spiegel

Egal ob im Bewerbungsgespräch, auf der Tagung oder in der Uni, wer schön ist, hat es häufig leichter. Aber warum ist das so? Und wieso konzentrieren wir uns eher auf interessante Gesichter als auf tatsächliche Leistungen?

Luca steht vor dem Spiegel in seinem Schlafzimmer, auf dem Bett ein riesiger Haufen aus Hosen, Hemden und T-Shirts. Seine Füße stecken in den neuen weißen Sneakers, er wuschelt sich durch die Haare, dann schaut er auf die Uhr. „Verdammt! Hab ich jetzt echt eine Dreiviertelstunde gebraucht, um mich für ein Outfit zu entscheiden?“ Hektisch streicht er über die Ärmel seines weißen Hemdes, wirft einen letzten Blick in den Spiegel und rennt raus zum Wagen. Um 18 Uhr sind er und seine Freundin mit ihren Eltern verabredet. Das erste Treffen, da muss alles passen. Schließlich gibt es keine zweite Chance für einen ersten Eindruck. Luca springt in den Wagen, die Ziffern auf dem Armaturenbrett zeigen 17:46 Uhr. Das wird verdammt knapp.

So wie Luca geht es wohl vielen von uns. Das erste Date, der Vortrag in der Uni, die Hochzeit des besten Freundes und schon ist unser Selbstbewusstsein wie weggefegt. In solchen Situationen wird uns peinlich bewusst, wie viel Einfluss unser Aussehen auf die Sympathie unseres Gegenübers haben kann. Denn im Gegensatz zu dem oft zitierten Sprichwort „Schönheit liegt im Auge des Betrachters“ fanden Forscher bereits im Jahr 1990 heraus, dass Schönheit keineswegs subjektiv ist. Tatsächlich wird uns allen das, was wir als attraktiv ansehen, durch unser soziales Umfeld mitgegeben. So werden uns nicht nur langfristige Ideale wie eine sportlich-schlanke Figur, sondern auch kurzfristige Trends wie Kim Kardashians Sanduhrfigur vorgelebt. Wir wollen, was wir sehen.

Dass das Aussehen eines Menschen in Sekundenschnelle über Erfolg oder Scheitern entscheiden kann, verdeutlichen auch Erkenntnisse aus der Kognitionspsychologie. Diese beweisen, dass das Denken in Kategorien für uns notwendig ist, damit unser Gehirn nicht bereits durch die reine Menge an Informationen überfordert wird, die es Tag für Tag auswerten muss. Oder anders ausgedrückt: Wir müssen Menschen in Windeseile in Schubladen einordnen können, damit unser Gehirn weiterhin schnell arbeiten kann. Das Problem dabei ist jedoch, dass Menschen, die einmal in so einer Schublade stecken, dort nur schwer wieder herauskommen. Diese Prozesse laufen zu großen Teilen unterbewusst ab, wir können sie also nur begrenzt kontrollieren. Da reichen schon oft Erfahrungen, die wir mit ähnlich aussehenden Personen gemacht haben, aus. Habe ich beispielsweise in der Grundschule immer mit dem Mädchen mit den roten Haaren gespielt, werde ich rothaarigen Frauen auch später erstmal freundlich und offen begegnen.

Dies beginnt bereits bei Säuglingen. So stellte die US-amerikanische Psychologin Rita Freedmann fest, dass attraktive Babys mehr Zuneigung erhalten. Sie werden von ihren Müttern im Durchschnitt öfter geküsst, auf den Arm genommen und berührt. Die Kinder sind dadurch oft zufriedener, ruhiger und werden auch vom Umfeld als angenehmer empfunden. Sie bekommen mehr Aufmerksamkeit, wodurch sie ein größeres Maß an Förderung erhalten. Hübsche Kinder sind somit oft bereits bei der Einschulung „schlauer“ – aber nicht, weil sie einen höheren IQ haben, sondern weil sie von ihren Eltern mehr unterstützt wurden.

Dorfkind und Wunschgroßstädterin. Veganerin mit Vollmilchschokoladen-Problem. Indie-Fan mit Schlager-Playlist. Frühaufsteherin mit Nachtschwärmersyndrom. Pragmatikerin mit dem Kopf in den Wolken. Unterm Strich: Genauso verloren in meinem Lebensentwurf, wie es meiner Generation immer nachgesagt wird.