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Social Media: Plötzlich sind wir alle Politik-Junkies

Keiner entgeht dem unendlichen Nachrichtenstrom auf sozialen Netzwerken. Warum wir uns plötzlich alle mit Politik auskennen und was daran gefährlich sein könnte.

Opportunistisch, prinzipientreu und – vor allem – politikverdrossen. Das sind wir, die Generation Y. Was zunächst klingt wie gängige Vorurteile unserer Pionier-Generation, haben auch zahlreiche Studien etablierter Soziologen und Soziologinnen bewiesen. Ist da also tatsächlich etwas dran?

Ja, wir gehen nicht mehr auf die Barrikaden, um uns gegen rechte Ministerpräsidenten aufzulehnen oder  in Scharen für den Atomausstieg zu demonstrieren. Doch ist das tatsächlich ein Zeichen für Politikverdrossenheit und nicht viel mehr die Folge eines gesellschaftlichen Wandels, für den wir rein gar nichts können? Denn wie so vieles verlagert sich aktuelle auch die politische Aktivität– von offline zu online. Vielleicht gab es eine Zeit, in der das allgemeine politische Interesse zu wünschen übrig blieb –spätestens mit der Etablierung sozialer Netzwerke hat sich das definitiv geändert.

 

Heute kennt sich jeder mit allem aus

 

Denn wer auf Facebook, Twitter und Co. aktiv ist, kann sich ihm kaum entziehen – dem schier endlosen Nachrichtenstrom, wenn man durch seinen Feed scrollt. Und auch diejenigen, die mit Politik tatsächlich nichts am Hut haben und ahnungslos ihren Stars folgen wollen, werden auf deren Accounts früher oder später mit politischen Themen konfrontiert. Die Meinung von prominenten Personen wird uns immer beeinflussen – bewusst oder unterbewusst. Und plötzlich haben wir alle zu allem eine Meinung und müssen unseren Senf dazugeben – einfach, weil wir’s können.

 

Wahlkampf findet heute online statt

 

Deshalb haben natürlich auch viele Politiker soziale Netzwerke als das Wundermittel für Wahlkampfzwecke erkannt. Nur hier tummeln sich Unmengen an jungen Wählern, die mit nur einem wirkungsvollen Tweet oder Facebook-Post angesprochen und direkt beeinflusst werden können.

Und die US-Wahl im Jahr 2012 war ein Paradebeispiel dafür, dass soziale Netzwerke mit die wichtigsten politischen Empfehlungs- und Kommunikationsmedien geworden sind: Eine amerikanische Studie bestätigte, dass sich im Vorfeld der Wahl fast ein Viertel der Befragten mit ihren Facebook-Freunden und Twitter-Followern über die Frage austauschte, wen sie wählen sollten. Weitere 30 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, dass sie in sozialen Netzwerken von Freunden oder Familienmitgliedern dazu angeregt worden waren, entweder Barack Obama oder Mitt Romney zu wählen. Obama führte wochenlang einen erfolgreichen Online-Wahlkampf – und das zahlte sich am Ende aus.

 

Facebook-Nutzung und Wahlbeteiligung steigen

 

Soziale Netzwerke bieten eine nie dagewesene Diskussionsplattform, endlosen, virtuellen Raum für aktuelle Politiknachrichten und eine Form der Überbrückung der Distanz zwischen Politikern und Volk. Die breite Masse ist dem politischem Geschehen näher als je zuvor: Dafür liefert auch die wachsende Wahlbeteiligung der letzten zehn Jahre den Beweis, die sich komplementär zu der steigenden Anzahl an Facebook-Nutzern verhält.

Natürlich muss das nichts heißen; die gestiegene Wahlbeteiligung bei den Landtagswahlen könnte sich beispielsweise auch auf die Flüchtlingskrise zurückführen lassen. Außerdem sind die Nichtwähler in allen drei Bundesländern noch immer unangefochtene Spitze.

Virtuelles, politisches Engagement ist gut – kann aber auch gefährlich sein. Spezialisten warnen vor der sogenannten „Schein-Partizipation“ – manche Leute verfallen möglicherweise der Illusion, es reiche, sich per Mausklick zu engagieren. Aber wer wirklich etwas verändern will, sollte auch mal vom Sofa aufstehen.

 

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Bildquelle: kaboompics.com unter CC 0 Lizenz

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