Spoiler Wars: Wie spricht man über Filme, ohne sie für andere zu versauen?

Star Wars Kino Premiere Fan The Last Yedi Film

Immer im Dezember, wenn die Tage kürzer, kälter und dunkler werden, kommt er. Jedes Jahr auf´s neue warten Millionen Menschen sehnsüchtig auf ihn. Am Donnerstag war es dann endlich so weit! Ich habe mich ins Gedrängel geworfen und mir, gespannt wie ein Regenschirm, den neuen Star Wars Film für euch angesehen.

Allerdings fühle ich mich, als würde ich den schwersten Artikel meines Lebens schreiben. Wie soll ich über etwas berichten, dass für mich eine Religion, eine Lebensart ist? Wie kann ich euch sagen, was ich gesehen habe, ohne zu verraten, was ich gesehen habe? Lasst euch gesagt sein, es ist sicher nicht leicht ein Jedi zu sein, aber es ist auch nicht leicht Autorin zu sein.

 

Fan vom anderen Stern

 

Schon als kleines Mädchen infizierte mich der Star Wars Virus. Damals gab es die Filme, die lange vor meiner Zeit gedreht wurden, noch auf VHS-Kassetten. Solange der Kassettenrekorder (wer nicht weiß was das ist: hier) also nicht den Geist aufgab, konnte ich problemlos davon träumen, Prinzessin Leia zu sein. Ich kenne alle Figuren, alle Galaxien, alle Raumstationen und alle klugen Sprüche von Yoda. Zu Star Wars trage ich grundsätzlich meine R2-D2 Leggings und meinen Sturmtruppler-Ring.

 

Martial-Arts trifft Superheldenblockbuster?

 

Man kann mir also nicht mehr viel beibringen und dennoch überrascht mich jeder neue Star Wars Film. Jedes Mal sitzen die 3D-Brillen ein bisschen enger, werden die Laser ein bisschen lauter und die Dialoge ein bisschen länger. Immer gibt es neue Charaktere, emotionale Zwiespälte, Kampfformationen und neue Fragen. Nach jedem der zweieinhalbstündigen Filme befinde ich mich beim Abspann in einer Art Schockstarre, bin verliebt in einen neuen Droiden oder wische mir leise die Tränen aus dem Gesicht. Doch dieses Mal war alles anders.

 

Du kannst nicht alles haben…

 

… aber immer alles erwarten. Als ich mich auf den Weg ins Kino machte, in der Schlange an meiner Leggings rumfummelte und heimlich Gummibärchen in den Saal schmuggelte, erwartete ich vom neuen Meisterwerk J.J. Abrams vor allem eines: Gänsehaut und eine Entscheidung von Luke Skywalker (wer sich nicht mehr daran erinnern kann klickt bitte hier). Was ich bekam war vor allem eines: ein Genre-Mix aus einer anderen Galaxie. Wer schon den ersten Teil der vor zwei Jahren gestarteten neuen Trilogie gesehen hat weiß, dass Abrams seinen Charakteren gern ein loses Mundwerk verleiht und hier und da den ein oder anderen Witz über einen schlecht verständlichen Kylo Ren macht. Doch dieses Mal kommt man sich vor wie in einer Weltraumkomödie.

 

Alte Freunde und neue Bekannte (oder andersrum)

 

Bereitet euch auf neue und alte Gesichter vor! Genau dann, wenn ihr es am wenigsten erwartet, springt euch ein alter Bekannter vor die 3D Brille. Unzählige, schnell wechselnde Bilder und tiefgründige Gespräche später, weiß man eigentlich dann auch nicht mehr genau wo man ist, für wen man ist, wer man selber ist und ob man jetzt lachen oder weinen soll. Wäre da nicht immer wieder das liebliche Piepsen von BB8 gewesen, ich hätte mich wohl in meinem Kinosessel verloren.

 

Unter´m Strich?

 

Star Wars bleibt Star Wars bleibt Star Wars. Im Endeffekt können die Regisseure sich austoben so viel sie wollen, die Massen (und vor allem waschechte Fans wie ich) werden wohl niemals der Premiere fernbleiben. Ich werde auch zum nächsten, dem vorerst letzten Teil der Trilogie, meine R2D2 Leggings aus dem Schrank holen und mich mit 600 Menschen in einen klimatisierten Kinosaal quetschen. Dann habt hoffentlich auch ihr „The Last Yedi“ gesehen und ich kann endlich schreiben worum es gestern ging.

Bis dahin: Möge die Macht mit euch sein.

Autorin: Ich bin Teilzeitpoetin mit Vollzeitmensch-Potential. Als gebürtige Berlinerin zog es mich einst in die schöne Alpenrepublik Österreich. Wien machte mich zur Anthropologin und ich machte Wien zur zweiten Heimat. Die Liebe zum geschriebenen Wort kam vermutlich mit mir auf die Welt, vor über 20 aber noch nicht ganz 30 Jahren. Als überzeugte Europäerin entstehen meine Kolumnen und Texte derzeit in der schottischem Hauptstadt Edinburgh.