Storytime: Zu laut beim Sex

Frau stöhnt

Egal ob Bettgeschichten, Abenteuer im Auslandssemester oder feucht-fröhliche Jugendsünden: Wir teilen einfach alles mit euch. In diesem Format plaudern die ZEITjUNG-Autor*innen munter aus dem Nähkästchen und geben tiefe Einblicke in ihr Leben weit weg von der Laptop-Tastatur. Macht euch gefasst auf unsere lustigsten, peinlichsten und erotischsten Erlebnisse!

Wir alle lieben doch hellhörige Wände. Man hört die grottige Musik aus der Anlage von nebenan, den Staubsauger in der anderen Nachbarswohnung und jeden Schritt von dem Trampel oben drüber. Mein Freund wohnt in einem derart hellhörigen Gebäude und auch wir werden rund um die Uhr mit Geräuschen jeglicher Art beglückt – naja, zumindest fast. Von Stöhnen, Schlägen und Ähnlichem bleiben wir verschont, denn keine*r seiner Nachbar*innen scheint regelmäßig Sex zu haben.

Überraschung: Wir halt schon. Und wie das eben so ist, wenn beide ausschlafen können, im Home-Office arbeiten und generell eher Nachteulen sind, kann es dann schon mal etwas später werden. Wir waren also leidenschaftlich bei der Sache, meines Erachtens nach aber nicht unbedingt lauter als normalerweise. Als wir fertig waren und etwas später schlafen gehen wollten, schaute mein Freund nochmal auf sein Handy, um für den nächsten Tag einen Wecker auf 11 Uhr zu stellen (ein Luxus, ich weiß!).

Ich sah, wie sich ein neuer Ausdruck auf sein Gesicht legte: eine Mischung aus Genervtheit, schlechtem Gewissen und Amüsiertheit. Seine Nachbarin von unten hatte ihm auf WhatsApp geschrieben: „Könntet ihr eure sexuellen Aktivitäten bitte so ausüben, dass ich nicht jede Nacht davon wach werde?“

Wir haben noch eine Weile über diese Nachricht geredet, bevor wir letztendlich wirklich schlafen gegangen sind, ohne uns irgendetwas Böses zu denken – bis es am nächsten Morgen Sturm klingelte. Um ungefähr 7:30 Uhr.

Mein Freund sprang ruckartig auf, rannte zur Tür und nahm den Hörer ab: „Hallo?“

Keine Reaktion. Genervt kam er zurück ins Bett, legte sich wieder neben mich und wir schliefen weiter – bis es etwa eine halbe Stunde später erneut an der Tür klingelte.

Same procedure as last time: Er schreckte hoch, ging zur Tür, nahm den Hörer ab und sprach diesmal sogar mit jemandem:

„Ja. Ja, ist in Ordnung“, hörte ich ihn sagen.

„Wer war das jetzt schon wieder?“, fragte ich, als er zurück ins Bett kam. 

Es war die Post, die ihm Bescheid geben wollte, dass sie ein kleines Paket in den Briefkasten gesteckt haben, und dass dieses Paket jetzt ein winziges Stück rausschaut. Ich habe noch nie einen deutscheren Grund für eine Störung so früh am Morgen gehört.

Irgendwie gelang es uns, uns auch noch ein zweites Mal rumzudrehen und wieder einzuschlafen – bis es erneut etwa eine halbe Stunde später zum dritten Mal an der Tür klingelte.