Warum wir den ganzen Tag darauf warten, glücklich zu sein

Snow in the hair

Von Lennart Zech

 

Eigentlich geht es doch nur darum, glücklich zu sein: Doch wie soll man das schaffen, wenn man permanent unter Zeitdruck und von Arbeit ausgelöstem Stress steht? Arbeiten ist schon lange nicht mehr nur Arbeiten, sondern Alltag. Es gibt einfach unendlich viele Dinge, die erledigt werden müssen. Neben einer mindestens 30 Stunden Arbeitswoche, kommen viel zu viele Dinge, die sich zeitlich nicht unterbringen lassen. Es besteht also die akute Gefahr, dass der doch irgendwo selbstproduzierte Stress, das Glücklichsein einschränkt. Doch es gibt Wege, um dies zu verändern. Vielleicht sind sie individuell, vielleicht sind sie das höchste Gut.

Der Morgen: aufstehen. Es ist Winter, es ist noch kein einziger Sonnenstrahl zu sehen, der den Morgen versüßen könnte. Egal. Smoothie-Time. Frische Früchte, Haferflocken, Magerquak und Wasser bringen jeden in Schwung. Und ist außerdem gesund. Da man nach dem Studium und als Arbeitsmarkt-Jüngling neben Praktika noch zwei Nebenjobs hat, müssen schnell noch ein paar Mails beantwortet werden. Den Smoothie gibt’s nebenbei. Wie zeitsparend.

Dann geht’s zur Bahn. Natürlich ist man auf die Bahn angewiesen, denn nur durch sie kann man in der Gesellschaft mithalten. Und in diesen 30 Minuten U-Bahn- und Tram-Fahren, müssen Nachrichten gelesen und Meinungen gebildet werden. Gerade in der globalisierten medialen Welt muss der Mensch Nachrichten verschlingen, um das Gefühl von Informiertheit und Intelligenz zu haben. So wird auch die Bahn zu einem Ort gefüllt von Hektik und Schnelligkeit. Doch man kann sich entziehen. Warum nicht einfach mal nur aus dem U-Bahn-Fenster schauen? In die Dunkelheit. In einen der wenigen Orte ohne permanente Reizüberflutung. Auch die ausgebildete Kinesilologin Marion Fleischmann sagt gegenüber ZEITjUNG, dass es reicht, nur fünf Minuten durchzuatmen und an nichts zu denken, um mehr Entspannung in sich aufzunehmen. „Im Endeffekt geht es nur um die Balance zwischen Körper, Geist und Seele.“

 

Minuten der Freiheit und des Denkens

 

Angekommen auf Arbeit: Im Großraumbüro telefoniert der eine, der andere ruft quer durch den Raum zum Nächsten und so weichen die Gedanken immer wieder von der eigenen Tätigkeit ab. Was da hilft, ist ganz klar – tropische Regenwaldgeräusche. Entweder fürs ganze Büro, oder nur über Kopfhörer.

Die Pause: Wenn die Hektik nun also einen Teil des eh schon viel zu kurzen Tages einnimmt, muss das Nutzen der Pausen von besonderer Intensivität sein. Es sind die Minuten der Freiheit und des Denkens. Zeit für einen planlosen Spaziergang. Denn nur so kann es eine Besinnung auf die grundlegenden Abstraktheiten der alltäglichen Dinge geben. Besinnung auf Freundlichkeit, wenn nicht sogar Liebe. Denn wenn man den Menschen in seiner Umgebung Liebe gibt, dann kommt auch Liebe zurück. Und das macht einfach tiefenglücklich. Und darum geht’s ja schließlich.

 

Dem Bauchgefühl folgen

 

Klar, alle sind nach einem neun Stunden Arbeitstag dann völlig geschafft. Doch wieso nicht einfach mal die fünf U-Bahn Stationen laufen? Sich entschleunigen. Aus dem Menschenstrom in die Freiheit zwischen den Straßen und Häusern der Stadt. Und dann das Smartphone in der Tasche lassen und einfach der Intuition folgen. „Wir müssen wieder mehr unserem Bauchgefühl folgen, um wirklich glücklich zu sein. Der Mensch hat allein schon dadurch Stress, dass er lebt“, sagt Marion Fleischmann.

Zuhause angekommen wollte man dann doch eigentlich noch Sport machen. Das nagt wiederrum an der tickenden Uhr. Doch: Warum sollte man dazu ins Fitnessstudio? Erstens: Man spart sich zeitlich schon den Hin-und Rückweg, wenn man sich für das Homeworkout entscheidet und außerdem: Von einem Monatsbeitrag kann man sich ein Set Hanteln kaufen, welches man auch mit 96 Jahren noch nutzen kann. Und eine Bierbank findet sich schon irgendwo.

 

Selbstdarstellung als Viert-Job

 

Und während man dann also seine gezielten Muskeltrainingssätze macht, organisiert man sein soziales Netzwerk-Auftreten. Denn das ist mittlerweile genauso wichtig für die Arbeitswelt, wie die Arbeitswelt an sich. Darstellung auf Facebook. Flickr. Twitter. Instagram, Xing, WordPress lassen sich nicht vermeiden. Quasi der Viert-Job dann. Ein zeitfressendes, süchtig machendes Unterfangen. „Gerade durch das Alles-Mitkriegen-Wollen geraten wir unter Stress“, weiß auch Marion Fleischmann. Also versucht der aktuelle Mensch einen so individuellen Social-Media-Eindruck zu machen, dass er gar nicht bemerkt, wie sehr er sich die gleichschwimmende Masse anpasst.

Und dann, nach einem zeitsparenden kreativen Workout und diversen Abendaktivitäten geht man ins Bett. Und genau dann müsste die Zeit kommen, in der das lebensrasende Individuum Zeit hat, um glücklich zu sein. Doch das funktioniert nicht. Denn es muss bereits an die To-Do-Liste gedacht werden, die schon für den nächsten Tag ausgearbeitet wurde. Doch Entspannung ist auch in solchen Situationen zu finden. Wenn man also das Gefühl hat, alles ist zu viel, sieht man sich schöne Bilder an. Nicht auf dem Handy, sondern an der Wand. Sie machen das Leben bunt und kreativ. Denn Kunst ist Leben. Und Leben ist Kunst. Außerdem bringen schöne Bilder auch Erinnerungen – und somit Entspannung. Tiefer in Gedanken versinkend, sind Gedanken dann nicht mehr nur Worte der Erinnerungen, sondern Gefühle der Momente. Und wenn man die Augen langsam schließt, merkt man, dass man fliegt.

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Bildquelle:  unter CC 0 Lizenz