Studie: Wir brauchen mehr Spätis!

Ein Späti – das ist ein Wortkunstwerk wie “Treff”, “Stüberl” oder “Hansi’s Eck”. Das ist ein Kiosk, mit einem Verkäufer, der in tiefstem Dialekt dreckige Witze reißt. Das ist ein aufdringlich modriger Geruch. Das ist Kaffee, aufgebrüht mit Wurstwasser. Das ist das Wegbier zum Club. Das ist ein unerwartet verstörendes Gespräch mit einem Fremden. Ein Späti – das ist alles, was ein Mensch braucht. Jemals.

Was wir schon lange propagiert und betrunken auf den Straßen deutscher Kleinstädte skandiert haben, bestätigt nun auch eine Studie. Zwei Architekturstudenten aus Detmold haben die Kioske Deutschlands genauer betrachtet und, wie Spiegel Online zusammenfasst, festgestellt: Der Späti ist mehr als nur ein Ort des Konsums. In der Anonymität der Stadt strahlt er das behagliche Gefühl von Gemeinschaft aus. Darüber hinaus würden viele Besucher die WLAN-Verbindung neben dem Zeitschriftenregal oder die Heizpilze am Ausgabefenster schätzen.

 

Der Späti ist vom Aussterben bedroht

 

Was man an den Spätis verbessern könnte? Nichts. Außer die Dichte natürlich. Denn mit nur 38.000 Filialen in ganz Deutschland, die die European Business School zählt, wird der Kiosk in den meisten deutschen Städten noch immer schmerzlich vermisst. Jeden Suff aufs Neue. Allein Berlin, Hamburg und der Ruhrpott können sich im Überfluss suhlen.

Die Zukunftsaussichten für Spätis sind nicht gerade erwärmend. Es ist gut möglich, dass der klassische Späti bald ganz verschwunden sein wird. Grund dafür laut Spiegel Online: “Moderne Supermärkte sind inzwischen auch oft bis 24 Uhr geöffnet – und bieten Dosenbier und Flachmänner viel günstiger an. Dazu kommen Tankstellen und Imbisse, die ihr Kerngeschäft stark erweiterten und mittlerweile mit dem Verkauf von Kaffee, Schokoriegeln und Zigaretten gute Umsätze machen.”

Ein Horrorszenario. Doch vielleicht ist die Studie der Detmolder Studenten ein Anstoß für Besserung. Schließlich sollte es auch im Interesse der Städte liegen, eine Oase der Geselligkeit und des gepflegten Dosenbiers zu erhalten. Und der dreckigen Witze in tiefstem Dialekt.

 

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Bildquelle: Glasseyes View unter CC BY-SA 2.0

Redakteurin vom Dienst: Ich bin ein klassisches Opfer der Orientierungslosigkeit nach dem Studium. Noch bezeichnender: Bachelorette der Medienwissenschaften. Erfülle auch sonst - mit ungewolltem Schneid - viele nervige Klischees meiner Generation. Habe eigentlich immer Angst, möchte mich gerne selbstverwirklichen, am liebsten kreativ sein, mich mit Lifestyle, Subkulturen und Musik auskennen. Bin jedoch zuversichtlich, diese Klischees nach meinem Praktikum bei ZEITjUNG.de zu überwinden, wirklich Bescheid zu wissen und einen lässigeren Beschreibungstext verfassen zu können.