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Studium: Ich werd‘ mal Scheinstudent!

Billiges Essen in der Mensa, günstig U-Bahn fahren und preiswert ins Kino: Als Student spart man sich eine Menge Geld. Das lockt auch Faker an.

Das wilde Studentenleben ist nicht nur abenteuerlich, sondern auch ganz schön billig: Krankenversicherung, Nahverkehr und kulturelle Einrichtungen bieten Studenten profitable Vergünstigungen an. Die sollen es jedem ermöglichen, sich auf sein Studium zu konzentrieren – weil man dadurch so viel einspart, dass man eigentlich nicht mehr arbeiten muss, so die Theorie. Zumindest in München oder Hamburg scheint diese Idee zwar ziemlich weit von der Realität entfernt zu sein. Trotzdem ist es nett, für wenig Geld ins Theater gehen zu können und verbilligt Bus zu fahren. Miete, Ernährung und Handyrechnung reißen sowieso jeden Monat ein riesiges Loch in den Geldbeutel, da hat man sich ein wenig Rabatt doch verdient.

Das finden auch Scheinstudenten. Sie haben zwar noch keinen Hörsaal von innen gesehen, studieren aber im achten Semester an der Uni – zumindest auf dem Papier. Denn nach dem Wegfall der Studiengebühren lohnt sich ein Fake-Studium wieder. Verglichen mit einem Semesterbeitrag von rund 100 Euro können sich die Ermäßigungen nämlich wirklich sehen lassen. Ein Beispiel: Für eine Monatsfahrkarte im gesamten Beförderungsraum Münchens berappt man als Normalbürger stolze 150 Euro. Das sogenannte Semesterticket für Studenten hat den selben Preis; allerdings gilt es eben auch für ein ganzes Semester.

 

Mehr Schein- als richtige Studenten

 

Dass der Wegfall der Studiengebühren tatsächlich zu einer höheren Anzahl von Scheinstudenten führt, ist einfach nachzuweisen. Als in Baden-Württemberg 2012 die Gebühren abgeschafft wurden, entdeckten an der Freiburger Uni auf einmal 167 Personen ihr tief gehendes Interesse für das Fach „Katholisch-Theologische Studien“. Komisch eigentlich, 2011 hatten sich nur 28 Leute dafür eingeschrieben…

Typischerweise wählen Scheinstudenten die klassischen, NC-freien Studiengänge. Ägyptologie, Philosophie und eben Theologie führen das Ranking der scheinstudentenüberfluteten Studienfächer an. Anderes Beispiel aus Bonn: Von rund 500 eingeschriebenen Erstsemestern für den Bachelor „Geodäsie und Geoinformation“ tauchten nur rund 200 tatsächlich auf. Ob die anderen 300 sich wohl doch spontan den „Katholisch-Theologischen Studien“ zuwenden wollten? Man weiß es nicht.

 

Doch Betrug oder nur ein schlauer Trick?

 

Die Beweggründe sind eindeutig – aber gilt ein Scheinstudium denn nicht als Betrug? „Man könnte schon argumentieren, dass Scheinstudenten dem Staat schaden“, sagt Tatjana Hörnle, Professorin für Strafrecht an der Humboldt Universität zu Berlin. Schließlich werde ein ungenutzter Studienplatz finanziert. Außerdem bekommen Studierende Kindergeld, monatlich rund 200 Euro. Eine für den Tatbestand „Betrug“ notwendige finanzielle Schädigung liege also vor. Entspannter sieht das Christian Birnbaum, Anwalt für Hochschulrecht: „Juristisch gesehen passiert da nicht viel.“ Außerdem garantiere ja niemand bei der Immatrikulation, alle Vorlesungen und Seminare zu besuchen.

Verhindern lassen sich Scheinstudenten sowieso nicht. Zwar kann man ermitteln, ob und wie lange jemand keine Leistungen durch Hausarbeiten oder Prüfungen erbracht hat. Exmatrikuliert wird aber deswegen noch lange niemand. Immerhin können auch Krankheit oder persönliche Probleme verhindern, dass jemand zur Klausur antritt. Grundsätzlich ist ein Scheinstudium also okay – so lange man keinen Studienplatz beansprucht, den jemand anderes gerne hätte. Und hey, vielleicht liegt eure Zukunft ja doch zufällig im Bereich der Geodäsie?

 

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Bildquelle: Jodie C unter CC BY-ND 2.0

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