Alexander HonnoldExtremFilmFree SoloKletternOscarSport

Free Solo-Kletterer Alex Honnold: „Natürlich denke ich über den Tod nach“

Oscar-Gewinner Alexander Honnold im Gespräch über das Leben, seine große Leidenschaft und den Tod.

Meine Zehen ziehen sich zusammen, meine Arme beginnen zu zittern und meinen Körper durchströmt eine ungewohnte Mischung aus Adrenalin, Angst und Respekt. Respekt vor gerade einmal zwei Metern Höhe, die sich zwischen mir und dem sicheren Boden befinden. Respekt vor kleinen an eine Wand geschraubten Griffen. Respekt vor den zig anderen Leuten, die sich mit mir in einer Halle befinden und sich geschickt Routen hochkämpfen. Ich bin das aller erste Mal in meinem Leben Bouldern.

Schon nach dem ersten Mal hat mich das Fieber gepackt, und ich bin nun regelmäßig Teil dieser zig Menschen, die an Routen feilen – immer mit dem Wissen, der Boden unter mir ist „nur“ zwei Meter entfernt und ich kann mich jederzeit auf eine weiche Matte fallen lassen, die mich auffangen würde.

 

2307 Höhenmeter, knapp vier Stunden – keine Sicherheit

Alexander Honnold hingegen hat keinen gepolsterten Boden unter sich. Wenn er fällt, würde dies seinen Tod bedeuten. Der Extrem-Sportler darf einfach nicht fallen. Denn er klettert Felswände hoch, die unbezwingbar scheinen. Keine Griffe. Keine Matten. Und auch kein Seil, das ihn auffängt, wenn er ins Straucheln gerät. Free Solo nennt sich diese Art des Kletterns. Und Free Solo heißt der Film, der den Weg zur Besteigung des El Capitan dokumentiert. Alexander Honnold stellt sich damit einer Herausforderung, die noch kein Kletterer vor ihm gewagt hat: 2307 Höhenmeter, knapp vier Stunden – keine Sicherheit. Was ihn nach oben bringt, ist nur das Vertrauen in sich selbst, das Wissen, dass er nur das macht was er sich auch zu traut und nur das was er kann.

Noch am selben Tag, an dem ich selbst das erste mal eine Wand hochgeklettert bin, schaue ich mir den Film an und wünsche mir währenddessen einerseits, dass diese Doku nie endet und ich mehr über diesen gefühlt verrückten Menschen erfahre, und andererseits sehne ich mich und jeder andere im Kinosaal danach, dass es endlich aufhört. Dass er endlich oben ankommt. Denn kommt er oben an, dann bedeutet das, dass er lebt. Während wir Zuschauer das Gefühl, das Honnold durchströmt, nur erahnen können, beschreibt er dieses im Interview mit ZEITjUNG wie folgt:

 

ZEITjUNG: Was ging dir durch den Kopf, als du mit der Free Solo-Besteigung des El Capitan begonnen hast?
Alex: Um ehrlich zu sein: nicht wirklich viel. Klar, war ich ein bisschen nervös, aber das Denken war vor allem Teil der zwei Jahre Vorbereitung. Am Tag der Besteigung zählte nur das Tun.

Und was war dann dein erster Gedanke, als du oben angekommen bist und es geschafft hast?
Das ist schwierig in Worte zu fassen: Absolute Befriedigung und Glück – man muss aber dazu sagen, dass die letzten Meter der Strecke bereits einfacher sind. Schon da habe ich gefeiert – innerlich, für mich. Als ich dann oben ankam, war es schön, dass die Filmcrew da war. Das Team hat so viel Anstrengung in dieses Projekt gesteckt. Zwei Jahre lang waren wir zusammen. Es war, als würden mich Freunde empfangen.

Hast du denn die Filmcrew auch während des Aufstiegs bemerkt?
Ich habe während des Aufstiegs sogar mit ihnen gesprochen. Klar, ich wusste, dass sie da sind. Das hat aber nicht gestört. Es fühlte sich an, als würde ich für mich klettern und dennoch ist jemand da, um sich mit mir zu freuen.

Die Filmcrew stand extrem unter Druck, hast du diesen Druck auch verspürt?
Nein, die Crew war unglaublich. Sie bauten keinerlei Druck auf. Sie haben meine Entwicklung dokumentiert und sie nicht beeinflusst.
Aber man selbst macht sich einen gewissen Druck, schließlich weiß man, dass mehr Leute zuschauen. Allerdings brauchte ich diesen Druck auch, ich wollte diese Free Solo-Besteigung seit Jahren. Die Leute, die mich auf meinem Weg begleitet haben, waren in gewisser Weise der Grund endlich los zu legen.

Kommentare

Sag was dazu

Das könnte Dich auch interessieren