Warum ich froh bin, in einer toxischen Beziehung gewesen zu sein

dunkelhaarige Frau mit Hand im Haar sitzt auf einem Bett, im Hintergrund sitzt eine andere Frau von der Kamera abgewandt

Wir alle treffen immer wieder Entscheidungen, die uns im Nachhinein schleierhaft erscheinen. Vor allem in der Liebe lassen wir uns manchmal auf Dinge ein, die uns mehr weh- als guttun. Trotzdem nehmen wir aus allen Erlebnissen Erfahrungen mit, die uns zu dem machen, was wir heute sind. Und mit ein bisschen Optimismus finden wir auch immer etwas Gutes an diesen Erfahrungen. Toxische Beziehungen können unglaublich schmerzhaft sein, und das, was wir dort erleben, ist schwer zu verarbeiten. Dennoch – oder gerade deswegen –  gibt es einige Erkenntnisse, die eine toxische Beziehung zu einer wichtigen Erfahrung für mich gemacht haben.

 

Was genau ist eine toxische Beziehung?

Wer sich in einer toxischen Beziehung befindet, verknüpft mit dieser mehr negative als positive Gefühle. Diese Art von Partnerschaft basiert auf Manipulation und raubt Energie. Sie lässt einen schlecht statt gut fühlen. Oft geht mit einer toxischen Beziehung emotionale Abhängigkeit oder sogar psychischer Missbrauch einher.
Du fragst dich, warum in aller Welt ich froh bin, diesen ganzen verrückten toxischen Beziehungsscheiß erlebt zu haben? Ich habe einiges über andere gelernt – und über mich.

1

Du bist dir selbst am nächsten

Gerade Menschen mit einem leicht oder stark ausgeprägten Helfersyndrom laufen Gefahr, sich in toxische Beziehungen hineinzubegeben. Dadurch verliert man allerdings den Fokus auf das, was im Leben für sich selbst wichtig ist. Die Erkenntnisse die man nach toxischen Beziehungen gewinnt, können dabei helfen, sich wieder mehr auf sich selbst zu konzentrieren und die wesentlichen Dinge im Leben zu erkennen, nämlich, dass nur du selbst diejenige*derjenige bist, der*die dein Leben zum Positiven verändern kann.

2

Freunde sind das Wichtigste

Wer am Anfang einer Beziehung ist, hat oft wenig Zeit für andere Dinge, inklusive Freundschaften. Dabei achten genau diese Menschen darauf, dass es dir gut geht und sprechen mit dir über deine Probleme. Oft erkennen sie früher als man selbst, wenn eine Beziehung mehr negative als positive Auswirkungen hat. Und gerade, wenn man aus einer toxischen Beziehung kommt, braucht man Freunde, die für einen da sind.

3

Man muss nicht immer der*die Starke sein

Niemand ist unfehlbar. Und keiner ist immer super selbstbewusst, klar, bestimmt und weiß immer genau was er*sie will. Und das ist vollkommen okay so. Niemand muss immer stark sein und eigentlich sollte in so einem Moment in einer Beziehung der*die andere als Stütze da sein. Allerdings ist es wichtig, dass eben nicht immer nur der eine Part die Stütze ist, sondern beide mal Schwäche zeigen dürfen. Und auch mal derjenige*diejenige zu sein, der*die Hilfe braucht, muss erlernt werden.

4

Communication is key!

Reden, reden, reden. Sag, wenn dir etwas gefällt, sprich an, wenn du dich unwohl fühlst oder etwas nicht möchtest. Kommunikation macht alles viel einfacher. Und führt dazu, dass man nicht nur seine Wünsche und Gefühle mit dem*der Partner*in abgleicht, sondern auch sich selbst reflektiert. Und je mehr Kommunikation geschieht, desto weniger läuft man Gefahr, wieder in einer toxischen Beziehung zu landen.

5

Es gibt nicht nur Täter*in und Opfer

Durch schlechte Erfahrungen schärft sich der Blick. Man erkennt Muster schneller und kann bestimmte Charakterzüge schneller einschätzen. Das ist einerseits schade, weil eine gewisse Unschuld bei der Partnerwahl verloren geht, andererseits schützt es einen auch davor, bestimmte Fehler wieder zu begehen. Diese Muster existieren aber nicht nur bei anderen Menschen, sondern auch bei einem selbst. Wenn man bestimmte negative Verhaltensweisen von sich kennt, ist es leichter, sie bewusst zu umgehen. Man bestimmt selbst, auf welche Personen man sich einlässt. Und nur weil eine Person auf den ersten Blick vielleicht nicht besonders spannend wirkt, muss das nicht heißen, dass sie langweilig ist. Vielleicht gibt gerade  diese Ruhe einer Beziehung Stabilität und Beständigkeit. Jede*r sollte seine Schubladen überdenken, in die er*sie Menschen allein durch den ersten Eindruck steckt. Still heißt nicht automatisch langweilig und ein Alpha-Tier muss nicht zwingend ein*e gute*r Partner*in sein.

6

Niemand wird als Arschloch geboren

Toxisches und manipulatives Verhalten kommt nicht von irgendwoher. Meistens agieren Personen, die sich toxisch verhalten, gar nicht absichtlich manipulativ. Es geht ihnen selbst schlecht, wenn sie sehen, wie andere durch sie leiden. Sie haben nur in der Vergangenheit mit Dingen zu kämpfen gehabt, durch die sie lernten, dass eine solche Verhaltensweise für sie nützlich ist. Das heißt aber nicht automatisch, dass sie schlechte Menschen sind.

7

Hass bringt nichts

Die Person zu hassen, die einem so viel psychischen Schmerz zugefügt hat, bringt niemanden weiter. Im Gegenteil, es kann sogar kontraproduktiv sein, da die eigenen Gedanken nicht nach vorne zum Positiven gelenkt werden, sondern in den negativen Erlebnissen der Vergangenheit verweilen. Ein guter Tipp ist, sich stattdessen auf sich selbst und die Dinge, die einen glücklich machen zu konzentrieren. Optimismus is the way to go!

8

Aussehen ist nicht alles

Es wird einem ja immer wieder gesagt, dass Aussehen nicht alles ist. Das Mantra mit den inneren Werten stimmt allerdings wirklich. Der erste Eindruck mag toll sein oder ganz furchtbar, am Ende zählt dann doch, ob man mit der Person stundenlang lachen oder sich mit guten Gesprächen die Nächte um die Ohren schlagen kann. Und wenn man alt und faltig ist, schert sich auch keiner mehr um das Aussehen, aber gut unterhalten können will man sich doch. Und bevor ihr nächstes Mal bei Tinder gedankenlos nach links wischt, lest euch doch die Infos nochmal genauer durch.

9

Leidenschaft ist nicht gleich Liebe

Wer schon einmal leidenschaftlich verliebt war, kennt diese Momente wahrscheinlich. Auf der einen Seite kann man nicht ohne die Person und erlebt eine unglaublich intensive Zeit mit ihr, auf der anderen Seite streitet man, bis die Fetzen fliegen und vielleicht auch mal der ein oder andere Gegenstand. Es gibt entweder unglaublich positive oder unglaublich negative Gefühle. Allerdings gibt es einen Unterschied zwischen emotionaler Abhängigkeit und einer gesunden Beziehung, die für beide bereichernd ist. Nur weil starke Gefühle im Spiel sind bedeutet das nicht, dass diese Person automatisch gut für einen ist. Um eine Beziehung auf lange Sicht am Laufen zu halten, braucht es allerdings Ausgeglichenheit, durch die man immer wieder zu sich selbst finden kann. Nur dann kann sich eine tiefe Verbundenheit und Liebe entwickeln, die diese erste Verliebtheit überdauert.

 

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Bildquelle: Unsplash, Pexels CCO-Lizenz

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