Politischer Friseurbesuch: „Tratsch & Tacheles“ im Interview

Hadnet Tesfai und Tarik Tesfu von „Tratsch&Tacheles“

Seit Dezember versorgen uns Hadnet Tesfai, Tarik Tesfu und ihr Team von Studio Bummens mit saftigem Tratsch. Vor allem wenn die Wahrheit sich unter einem Berg von sexistischen und rassistischen Narrativen verbirgt, machen sich die zwei Moderator*innen umso eifriger daran, die Boulevardpresse in ihre Schranken zu weisen und die wirklich wichtigen Themen möglichst frei von Vorurteilen aufzubereiten. Ihr Podcast Tratsch & Tacheles bewegt sich dabei irgendwo zwischen einem höchst informativen Friseurbesuch und einem schillernden Politmagazin. Tratsch ist nämlich immer auch politisch, wenn man etwas genauer hinschaut. Heute erscheint die erste Folge der zweiten Staffel und das Besondere daran: Ab jetzt gibt es nicht mehr nur alle zwei Wochen, sondern jeden Mittwoch eine neue Folge Tratsch & Tacheles. Wir haben mit Tarik und Hadnet über die Boulevardpresse, politischen Tratsch, Wunschgäste und die Sterne gesprochen.

ZEITjUNG: Ihr kommt gerade aus der ersten Aufnahme für Staffel Zwei. Wie war’s?

Tarik: Wir kommen ganz frisch von der Bühne, haben noch ein Handtuch um, wie man das eben hat, wenn man gerade eine Show gehostet hat.

Hadnet: Natürlich schwitzt aber keine*r von uns beiden, weil wir nicht schwitzen.

Tarik: Ich schwitz schon ein bisschen, es war eine heiße Folge.

Seid ihr denn zufrieden?

T: Es war grandios. Wir sagen nach jeder Aufzeichnung: Das ist die beste, die wir jemals hatten, aber bei der stimmt das auch. Ein toller Staffelstart zur zweiten Staffel. Ich bin happy.

H: Ich bin auch sehr happy. Es war toll, hat Spaß gemacht, war richtig witzig. Aber ja das stimmt, nach jeder Folge sagen wir, es war so lustig, es war noch nie so gut.

Wird sich die zweite Staffel von der ersten unterscheiden?

T: Wir hatten am Ende der ersten Staffel gesagt Bye Bye Boulevard, denn wir haben keine Lust mehr, uns komplett von der Boulevardpresse Themen diktieren zu lassen. Nach einer Staffel haben wir gemerkt, die Kacke ist bei denen am Dampfen und die wird auch weiter dampfen und die wird auch nicht weniger dampfen, wenn wir die ganze Zeit darüber reden. Wir wollten und möchten uns davon lösen. Natürlich werden wir auch weiterhin über die Boulevardpresse sprechen, aber noch mehr über die Themen, auf die wir so richtig Lust haben.

H: Natürlich ist das aber auch nur ein Versuch sich davon zu lösen. Wir tun es ein Stück weit, aber das Problem ist, dass diese Narrative, die von der Boulevardpresse aufgegriffen werden, sich überall in der Gesellschaft, aber auch überall in der übrigen Berichterstattung spüren und erspüren lassen. Selbst wenn man sagt: Okay diese ganz toxische Scheiße, die gebe ich mir jetzt nicht mehr, wirst du dann bei vermeintlich seriösen Blättern mit exakt den gleichen Sachen konfrontiert.

Wo holt ihr euch dann eure Infos her?

H: Wir haben uns zwar von der boulevardesken Berichterstattung gelöst, aber das heißt ja nicht, dass wir nicht weiterhin auch Medien und Meldungen konsumieren. Und dann ist es auch ganz interessant zu sehen, wo und wie werden die aufbereitet. Da ist auffällig, dass diese ganzen Narrative, ob’s jetzt Sexismus ist oder was auch immer, anderswo auch vorhanden sind. Ich will nicht mal sagen in abgemilderter Form. Die Recherche hat sich also gar nicht geändert.

Ihr seid aber sowieso schon von Anfang an ganz anders an das Thema Tratsch rangegangen. Worauf sollte man denn achten? How to Tratsch?

T: Beim Tratschen ist es wie bei allen anderen Sachen auch. Egal wann und wie ich mit Menschen spreche, sollte ich auf meine Sprache achten und das ist unabhängig von Tratsch. Was für Wörter benutze ich, wie benutze ich sie. Tratsch ist ja einfach ein lockeres Gespräch, aber eben oft ein lockeres Gespräch über Menschen, die nicht Teil des Gespräches sind. Wenn ich über andere spreche, dann muss ich mir die Frage stellen: Was wäre, wenn ich diese Person wäre? Wie möchte ich, dass über mich gesprochen wird. Es gibt keine Tratsch-Polizei, wir alle sagen mal problematische Sachen, aber die Frage ist, wie gehen wir damit um. Das sollte man einfach überall hinterfragen und dann kann man tratschen, bis die Säue kommen, wie man so schön sagt.

H: Wir sagen natürlich auch manchmal problematische Dinge, nicht öffentlich, da achten wir schon drauf, aber wir haben uns bestimmt auch mal im Ton vergriffen. Die Frage ist, wie tragen wir das dann nach außen, also wie tragen wir das in die Kommentarspalte. Wobei fühlen wir uns wohl? Ist diese DM wirklich nötig? Es gibt da schon einen Unterschied, ist das ein privates Gespräch unter zwei Freunden oder etwas Lautstarkes, Öffentliches. Und natürlich gibt es auch Grenzen, die immer gelten, vor allem nach unten. Die öffentliche Meinung ist im Boulevard auch eine Kraft geworden und die eigene Rolle darin darf man nicht unterschätzen.

Autor: Auf Kreta aufgewachsen – Kartoffel mit viel Knoblauch. Mindestens einmal im Jahr ans Meer. Rap, täglich. Sneaker, unbedingt in weiß. Bücher in rauen Mengen. Gin Tonic und Pfeffi. Pizza im Bett und GoT. Philosophieren, auch nüchtern. Sparwitze.