Unistart ins Präsenzsemester: Wer ist hier planlos?

Uni im Ausnahmezustand

Es gibt Momente, in denen kannst du nichts tun, außer zu lachen. Laut. Nicht, weil sie so unglaublich lustig sind, sondern weil du keine andere Chance hast. Und, Kinder, lasst euch eins sagen, ich habe in der vergangenen Woche Krämpfe in den Mundwinkeln gehabt vor lauter Grinsen.

Meine Universität hat sich (wie viele andere in NRW auch) erst in den letzten Wochen dazu entschlossen, die Lehre wieder auf Präsenz umzustellen. Das ist neu. Denn eigentlich hatte damit keine*r von uns so wirklich gerechnet. Nach Diskussionen um Impfquoten, Maskenpflicht und Abstandsregelungen waren meine Kommiliton*innen und ich felsenfest davon ausgegangen, dass niemand Bock auf Präsenzunterricht hat. Wir nicht, und die Lehrenden schon gar nicht. Und so waren viele Mitstudierende nicht einmal umgezogen. Warum auch? Wir hatten den Master online begonnen, für das eine Semester noch eine Wohnung in NRW suchen? Wohl kaum!

Doch die Verantwortlichen hatten andere Pläne und so explodierte mein Posteingang kurz vor Semesterbeginn aufgrund von Mails, die uns erklärten, dass wir am 15. Oktober alle in unseren Hörsälen zu erscheinen hätten. In den WhatsApp-Gruppen brach Panik aus. Auf den letzten Drücker wurden Wohnungen und Nebenjobs gesucht. Umzüge mussten gestemmt werden, WG-Zimmer untervermietet. Ich schaute mich nach Bahnverbindungen um und stellte mit Schrecken fest, dass ich in Zukunft mindestens 1,5 Stunden zur Uni brauchen würde. Ach, NRW, du Wunder der öffentlichen Verkehrsmittel!

Ein holpriger Start

Nicht nur uns machte die plötzliche Entscheidungsfreudigkeit zu schaffen. Auch die Dozierenden schienen überrascht. Ganze Module entfielen oder mussten neu besetzt werden, weil die Lehrenden selbst wohl nicht in der Stadt wohnten und auf Online-Unterricht gesetzt hatten. Mein Stundenplan durchlief eine Metamorphose der Seminarplanung und zum Schluss war keine Veranstaltung mehr dort, wo ich sie zunächst vermutet hatte.

Doch auch das war nun überstanden und nach dem ersten Schock freute ich mich sogar ein wenig darau, neue Leute kennenzulernen. Meine erste Veranstaltung für dieses Semester sollte um 10:30 Uhr beginnen. Dazu kamen 1,5 Stunden Anfahrt und ein Puffer von 30 Minuten. Schließlich war ich noch nie am Campus gewesen und mein Orientierungssinn ließ zu wünschen übrig.

An der Universität angekommen fand ich mich in einer Mischung aus Festival und Schnitzeljagd wieder. Die einen waren offensichtlich froh, sich endlich wieder in die Arme fallen zu können und liefen grinsend und kuschelnd über das Gelände. Die anderen starrten hilflos abwechselnd auf Gebäudepläne, Google Maps oder in die Luft. Ich gehörte zu Gruppe 2.

Dorfkind und Wunschgroßstädterin. Veganerin mit Vollmilchschokoladen-Problem. Indie-Fan mit Schlager-Playlist. Frühaufsteherin mit Nachtschwärmersyndrom. Pragmatikerin mit dem Kopf in den Wolken. Unterm Strich: Genauso verloren in meinem Lebensentwurf, wie es meiner Generation immer nachgesagt wird.