The Billion Dollar Code: Wie zwei Berliner Google Earth möglich machten

Wohin reisen die meisten Menschen als erstes, wenn sie die ganze Welt virtuell besuchen könnten? Richtig, nach Hause! Und das war auch schon im Jahr 1994 so, ganze elf Jahre bevor Google Earth überhaupt auf den Markt kam. Am 7. Oktober erscheint die aus vier Folgen bestehende Serie „The Billion Dollar Code“ auf Netflix und erzählt die wahre Geschichte zweier unsichtbarer Berliner, welche von dem Tech-Giganten aus den USA um ihre Erfindung gebracht wurden. 

Die beiden Freunde Juri (Marius Ahrendt / Mišel Maticevic) und Carsten (Leonard Schleicher / Mark Waschke) lernen sich in der Zeit nach der Wiedervereinigung auf einer Party kennen und merken sofort, dass sie auf einer Wellenlänge sind. Nicht nur lieben sie beide Döner, lesen die gleichen Bücher wie beispielsweise „Snow Crash“ von Neal Stephenson oder „Neuromancer“ von William Gibson, sie teilen auch eine Vision: Was, wenn es möglich wäre, virtuell an jeden beliebigen Ort der Welt zu reisen?

Gemeinsam gründen die beiden Berliner ein kleines Team aus Studenten und Computer-Nerds, das den Traum mithilfe von Satelitendaten und dem Internet in die Realität umsetzen soll. Essentiell für den Erfolg sind dabei ein eigenes Programm und ein Algorithmus, der die großen Datenmengen für die Computer der Vorjahrtausendwende schaffbar machen soll. Unter dem Namen „Terra Vision“ stellen die beiden Visionäre das Ergebnis im Jahr 1994 auf einer Technik-Messe in Kyoto vor und werden schnell zu einer der Hauptattraktionen. 

Doch der Höhenflug hält nicht ewig und als Google Earth 2005 erstmals online geht und unsere Art zu leben und zu reisen für immer verändert, erkennen Juri und Carsten Parallelen. Zu viele Parallelen. Hat das milliardenschwere Unternehmen Google ihren Algorithmus geklaut? Ein historischer Rechtsstreit um Anerkennung und Gerechtigkeit beginnt. 

Juri (links) und Carsten (rechts) gehören zu den charismatischsten Nerds im Netflix-Universum (Bild: The Billion Dollar Code)

Spannung in zwei Zeitebenen 

„The Billion Dollar Code“ wird in zwei verschiedenen Zeitebenen erzählt. Zum einen wären da die beiden Jung-Berliner Carsten und Juri, die mit einer gesunden Portion Verträumtheit und Naivität zwischen Bildschirm und Party-Meile von Deutschlands Hauptstadt in den Jahren nach dem Mauerfall hin- und herwechseln.

Auf der anderen Seite folgt die Geschichte den inzwischen erwachsenen Juri und Carsten, die sich im Rechtsstreit mit Google der harten Realität eines Multi-Millionen-Dollar-Prozesses gegenübersehen. Die künstlerische Entscheidung, die Geschichte auf zwei Zeitebenen zu erzählen, sorgt für Spannung und ist gelungen umgesetzt, da sie wie Zahnräder ineinandergreifen und nicht parallel im lufleeren Raum verlaufen. Allerdings können die plötzlichen Wechsel auch manchmal aus der sonst so gelungenen Atmosphäre reißen. 

Fußballfan mit musikalischer Dauerbeschallung, wenn nicht gerade selbst am Klavier oder der Gitarre. Eigentlich ein geselliger Typ, der aktuell aber auch seine Liebe für Bücher und exzessiven Netflix-Konsum entdeckt.