Warum sich ein kritischer Blick auf die Serie „You“ lohnt

Netflix You

Was gibst du jeden Tag preis?

Schwierige Kombination für ein so ernstes Thema. Lässt man die Charakterdarstellung von Täter und Opfer aber für einen Moment bei Seite, kann man der Serie auch etwas Positives abgewinnen. Sie zeigt nämlich, wie wir selbst, bewusst oder unbewusst, mit unserer Privatsphäre umgehen. Man könnte meinen, dass die Kritik an Facebook & Co. nichts Neues sei und doch jedes Kind wisse, dass man nicht ein Foto seiner Haustür auf Instagram posten sollte. Fakt ist aber, dass wir tagtäglich vollkommen freiwillig Daten von uns preisgeben, die zwar nicht unbedingt in Stalking-Fällen resultieren müssen, aber dennoch zumindest bedenklich stimmen. Dafür muss man nicht mal eine (übertriebene) Beck sein, die ihre Online-Profile mit #happiness und #blessedlife füttert oder permanent Einblick in ihre Wohnung gewährt. Ohne es zu bemerken, hinterlassen wir in der Öffentlichkeit Spuren, von denen wir nicht ansatzweise wissen, in welche Hände sie gelangen. Als ich letztens in der Metro gesehen habe, wie ein Mann heimlich bei einer fremden Frau auf dem Handy mitlas, während sie überhaupt nichts davon mitbekam, da lief mir doch ein kleiner Schauer über den Rücken. Wenn wir all unsere elektronischen Fingerabdrücke sichtbar machen und auf einen Haufen werfen könnten, würde sich unsere Einstellung zur eigenen Privatsphäre dann ändern?

Folge ZEITjUNG auf FacebookTwitter und Instagram!

Bildquelle: Netflix Media

In meinen Kolumnen finden alltägliche Dinge, Erfahrungen und Geschichten, Reisefetzen und Zitate, Neologismen und vom Aussterben bedrohte Wörter ein Zuhause. Gesammelt mithilfe der unterschiedlichsten Koordinaten, erlebt in ganz schön vielen Akten, mitgenommen jetzt und vorerst nach Madrid. Hier bin ich (frei)beruflich ins kalte Wasser gesprungen und jongliere seitdem mit Sprachen und Texten. Aber die Hummeln im Hintern, die bleiben vielleicht für immer.