AlltagBeziehungFrauenFreundeFreundschaftKonfliktLebenMänner

Wenn schon streiten, dann richtig!

Streit ist wichtig und gut geführte Konflikte machen nicht nur dich, sondern auch die Beziehung zu deinem Gegenüber um einiges stärker!

Von Janin Istenits

Wenn es in einer Beziehung oder Freundschaft kracht, dann läuft etwas gehörig falsch – glaubst du wirklich daran? Dann müssen wir dich eines besseres belehren, denn Konflikte sind völlig normal, gehören einfach dazu und müssen von Zeit zu Zeit sein. Dabei solltest du nur beachten, dass die Auseinandersetzung richtig ausgetragen wird. Kein Sorge, dabei helfen wir dir und wir haben auch kräftige Unterstützung dabei: von Psychologen, Beziehungsberatern und Buchautoren, die wirklich Ahnung von Konflikten haben.

 

Die Beziehung zu unseren Mitmenschen

 

Bereits in den ersten Jahren unseres Lebens wird uns eines ziemlich schnell klar: die Beziehung zu unseren Mitmenschen ist essentiell, prägt unsere Persönlichkeit und trägt dazu bei, dass wir glücklich sind – oder eben nicht. Belege für diese Behauptung lieferten erst 2013 Forscher der renommierten Harvard University, die sich schon seit über 80 Jahren mit den Themen Glück, soziale Beziehungen und Lebenszufriedenheit auseinandersetzen. Das Ergebnis der Studie zeigte, dass für unser Wohlergehen vor allem eines wichtig ist: soziale Kontakte.
Freunde, der Partner oder die Partnerin begleiten uns durch gute und durch schlechte Zeiten. Mit einigen von ihnen durchleben wir die ganze Schulzeit, andere werden zu wichtigen Begleitern in der Uni oder am ersten Arbeitsplatz und manche begleiten uns über ganze Jahrzehnte durch unser Leben. Soziale Beziehungen sind wichtig für jeden Menschen und tragen dazu bei, dass wir uns weiterentwickeln, wichtige Erfahrungen machen und wachsen – das eben auch durch Konfliktsituationen, vor denen sich viele Menschen insgeheim fürchten.

 

Stabile Beziehungen brauchen Abwechslung

 

Noch immer sind viele Menschen der Meinung, dass Konflikte nur Schaden anrichten und die Distanz zu geliebten Personen zwangsläufig vergrößern. Beziehungen zu unseren Mitmenschen können aber nicht immer harmonisch ablaufen, erst lebendige Auseinandersetzungen und ehrliche Meinungsverschiedenheiten tragen dazu bei, dass aus richtig guten Freunden beste Freunde werden, die uns ein Leben lang begleiten. Dasselbe gilt für eine Partnerschaft: Wer immer Ja und Amen sagt und Angst vor einem Konflikt hat, verleugnet sich selbst und kommt so ganz bestimmt nicht weiter – denn woher soll der Partner denn wissen, dass dir etwas gegen den Strich geht, wenn du nicht den Mund aufmachst?

Das bestätigt auch Felicitas Heyne, eine der bekanntesten Psychologinnen Deutschlands: “Menschen bleiben in Freundschaften und Partnerschaften immer noch eigenständige Individuen mit persönlichen Vorlieben und Abneigungen. Manchmal stimmt man eben nicht zu hundert Prozent miteinander überein. Dann immer nur um des lieben Friedens willen nachzugeben ist natürlich ungesund.” Heyne, die sich als erfolgreiche Autorin in ihren Büchern häufig mit der Liebe auseinandersetzt, meint sogar, dass sich Paare eher gegenseitig langweilen, wenn sie ständig einer Meinung sind: “Ein gewisses Maß an Spannung und Distanz zueinander halten auch die Erotik der Partnerschaft und das Interesse aneinander wach.”

 

Konstruktive Gespräche

 

Auch der Diplompsychologe Markus Ernst sieht in der gelegentlichen Auseinandersetzung eine gesunde Abwechslung in sozialen Beziehungen: “Konflikte und unterschiedliche Meinungen in einer Partnerschaft oder Freundschaft sind absolut normal und sogar wichtig”, bestätigt er. Es sei wichtig, sich hin und wieder mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen, ansonsten könnten wir uns gar nicht weiterentwickeln und würden stehenbleiben.
Der Schlüssel zum Erfolg liege allerdings in der Art und Weise, wie Menschen mit Konflikten umgehen, weiß Ernst aus langjähriger Erfahrung: “Meinungsverschiedenheiten können konstruktiv geführt werden, oder auch destruktiv enden, dann wird aus dem Konflikt ein Streit.” Damit die Aussprache mit dem anderen nicht in einem Streit eskaliert, bei dem heftig gebrüllt, mit dem Fuß aufgestampft und womöglich noch geohrfeigt wird, sei ein respektvoller Umgang mit dem anderen eine Grundregel, an die man sich halten muss, um zu einem fairen und positiven Ergebnis zu kommen.

 

Wir wissen es – und rasten gelegentlich doch manchmal aus

 

Fair und konstruktiv streiten – das ist natürlich leichter gesagt als getan, weiß auch Christian Thiel, der seit über 20 Jahren als Berater für Paare und Singles tätig ist und schon viele Diskussionen eskalieren sah: “Formulierungen wie Schatz, wir müssen reden lassen das Adrenalin automatisch hochschießen, der Puls geht über 95 und der Streit ist vorprogrammiert.” Viele Menschen vergessen nämlich im Eifer des Streitgefechts die wichtigsten Grundlagen, etwa die positive Gesprächseröffnung und den Gedanken daran, dass der Streit eigentlich auf ein gutes, für beide Beteiligten zufriedenstellendes Ergebnis abzielen sollte.

Konfliktsituationen haben es leider nun einmal so an sich, dass wir doch impulsiv reagieren und uns keine Zeit nehmen, um vor dem Gespräch zur Ruhe zu kommen. Dann missachtet man schnell die wichtigsten Dinge, die man eigentlich schon im Kindergarten lernt: Verallgemeinerungen à la Du machst immer beziehungsweise Du machst nie stehen neben uralten Geschichten, die zur Verwunderung aller plötzlich wieder ausgegraben werden. Die Normallautstärke wird schnell überschritten, das Geschrei fängt an und schließlich lässt keiner den anderen mehr ausreden – das passiert schneller als man denkt und kann leider auch großen Schaden anrichten.

 

Richtig streiten

 

Die Diplom-Psychologin Berit Brockhausen widmet sich in ihrem Buch “Schöner Streiten” genau dieser Thematik und weiß auch genau, wie solche brenzligen Situationen noch gerettet werden können: “Wenn man bereits in eine Streitfalle getappt ist, kann man immer versuchen, die Situation mit Humor zu entschärfen.” Und natürlich ist es auch wichtig, einen klaren Kopf zu behalten, erklärt Brockhausen: “Beide Gesprächspartner sollten sich wohl fühlen. Daher sollten sie wach und ungestört sein, tief durchatmen und den anderen nicht als Gegner, sondern als Verbündeten sehen.” Wenn du es schaffst, in Konfliktsituationen ruhig zu bleiben, kannst du auch einen klaren Kopf behalten, rationaler über das Gesagte nachdenken und dich in deinen Gegenüber hineinversetzen. Das macht dich stärker und hilft dir dabei, dich weiterzuentwickeln und an jedem Konflikt zu wachsen.

Sollte sich der Puls mal nicht beruhigen, die Stimme dennoch schrill bleiben und dein Herz wie wild schlagen, sind das definitiv Zeichen dafür, die Auseinandersetzung zu verschieben. Ansonsten solltest du jeden Konflikt immer als Chance sehen, tiefe Einblicke in die Sichtweise deines Partners der die deiner Freunde zu gewinnen. Denn Harmonie bleibt nun einmal nicht von selbst bestehen, sondern ist auch ein hartes Stückchen Arbeit, das du in Zukunft hoffentlich gerne in dein persönliches Glück und langlebige Beziehungen zu deinen Mitmenschen investieren wirst!

 

Folge ZEITjUNG auf FacebookTwitter und Instagram!

Titelbild: Pexels/Unsplash unter CC0 Lizenz

Kommentare

Sag was dazu

Das könnte Dich auch interessieren