Eine Webseite stellt unfassbare Benimmregeln für schwule Wiesn-Besucher auf

Oktoberfest-Bild

Das Oktoberfest in München ist das größte Volksfest der Welt und, wie alle wissen, geht es dort zu dieser Zeit etwas volkstümlicher und traditioneller zu, als den Rest des Jahres. Trachtenjacken, Lederhosen, Dirndl und Bierkrüge sieht man an jeder Ecke der Stadt. Ist ja auch völlig in Ordnung. Das ist bayrische Kultur, die einmal im Jahr über alle Maße ausgelebt wird. Doch dann gibt es eben auch Leute, die Traditionen und Kultur nutzen, um gegen bestimmte Gruppen zu sticheln. Die Betreiber der Seite „Oktoberfestportal.de“ zum Beispiel. Auf der Seite wurden nämlich Tipps und Verhaltensregeln für homosexuelle Wiesn-Besucher aufgelistet.

Äh, was bitte? Was die sexuelle Orientierung mit dem Verhalten auf dem Oktoberfest zu tun hat, verstehen wir nicht so wirklich. Doch liest man sich die „Tipps für schwule Wiesn-Gänger“ genauer durch, so merkt man schnell, was für ein Mensch hier vor der Tastatur saß. „Generell gilt eine gewisse Zurückhaltung auf der Wiesn. Nicht jeder Besucher des Oktoberfest ist so tolerant, dass er sich über schwule Männerpaare freuen kann.“ What the Fuck? Das so eine Aussage im 21. Jahrhundert überhaupt noch ungestraft möglich ist, hätten wir nicht gedacht. Anstatt sich für eine tolerante Wiesn einzusetzen, sprechen die Betreiber hier alle Homosexuellen an, sich bitteschön zurückzuhalten, damit keine Konflikte entstehen.

 

Knutschende Frauen sind ok

 

Hier hat jemand alles verdreht, was es zu verdrehen gibt und so viel nicht verstanden. In diesem einen Satz steckt eine doppelte Diskriminierung. Einmal sollten sich schwule Männer an die Vorstellungen homophober Wiesn-Besucher anpassen, zusätzlich suggeriert diese Aussage, dass knutschende Frauen, dann doch okay wären. Damit hätten nämlich viele heterosexuelle Männer kein Problem. Igitt! Hier läuft offensichtlich einiges falsch.

Anstatt sich nämlich auf Seiten der Oktoberfest-Besucher für Toleranz und Gleichberechtigung einzusetzen, wendet sich der Betreiber der Seite, der Verein „Freunde des Münchner Oktoberfestes“, an die Falschen. Homosexuelle Menschen sollen „Augen und Ohren offen halten“ und aufpassen, ob sie für Gesprächsstoff sorgen. Auch darüber kann man einfach nur den Kopf schütteln. Das ist so krank, dass wir echt gerne wüssten, wer sich so einen Bullshit ausgedacht hat. Diese sogenannten Tipps sind einfach voll daneben und, obwohl wir eigentlich meinen könnten, die deutsche Gesellschaft wäre so langsam im 21. Jahrhundert angekommen, gelten im konservativen Bayern wohl doch noch andere Werte.

 

Toleranz im Bierzelt

 

Dieser Artikel ist auch ein gutes Beispiel dafür, dass die Ehe für alle zwar per Gesetz verabschiedet wurde, in den Köpfen und im Bewusstsein der Menschen aber noch nicht angekommen zu sein scheint. Im Weiteren führen sie aus, dass das Bierzelt „jedenfalls nicht der richtige Ort sei, um den Menschen Begriffe wie Toleranz und Gleichberechtigung zu erklären.“ Wieso nicht? Irgendwo muss doch ein Gespräch darüber anfangen. Wenn es sich anbietet, warum nicht einfach im Bierzelt. Ein Austausch muss ja nicht immer dramatisch, mit Geschrei und Handgreiflichkeiten gleichgesetzt werden. Man kann sich auch locker und spaßig über Toleranz unterhalten.

Doch nicht nur wir sind der Meinung, dass die „Tipps“ voll von Diskriminierungen stecken, sondern auch Münchens Grünen-Chefin Gudrun Lux und Bundestagsabgeordneter Volker Beck. Sie machten in einem Brief an Münchens Oberbürgermeister, Dieter Reiter, ihrem Unverständnis ebenso Luft: „Die Wiesn ist ein großes ausgelassenes Fest. Da sollen alle Menschen mitfeiern können, ohne sich verleugnen zu müssen. Die Landeshauptstadt muss sich da ganz aktiv einklinken und alles tun, dass es eine sichere und freie Wiesn für alle gibt“.

Wichtig ist allerdings, zu bedenken, dass es sich beim Oktoberfestportal um eine private Seite handelt, die nichts mit der Stadt München zu tun hat. Dennoch fehlen uns bei so viel Unverständnis und Homophobie einfach nur die Worte.