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5 Fragen, 5 Antworten: Wie werden wir beim Sex offener, Katja Lewina?

Orgasmus-Talk: Autorin Katja Lewina lebt in einer offenen Beziehung. Am 18. Februar erscheint ihr Buch „Sie hat Bock“. Uns gibt sie Tipps für mehr sexuelles Selbstbewusstsein.

Interview mit Katja Lewina, von Elena Berchermeier

Sexualität scheint oftmals noch ein Tabu zu sein. Wie werden wir beim Sprechen lockerer?

Was ich total empfehlen kann und mir selbst mal zum Geburtstag geschenkt habe: Ich habe mir fünf Freundinnen zum Orgasmus-Talk nach Hause eingeladen. Männer mussten draußen bleiben. Und dann haben wir darüber geredet, wie wir kommen und was für Unsicherheiten wir haben. Sich solche Räume bewusst zu schaffen ist nicht nur ein guter Anfang, um offener zu sprechen. Man profitiert auch von den Erfahrungen der anderen und kann von ihnen lernen. Das ist so viel wert. Letztens habe ich gesehen, dass es in Berlin einen Vulva-Stammtisch gibt – einfach nur großartig!

Wieso glaubst du, können solche Gesprächsrunden so wichtig sein?

Es ist doch oft so: Wenn du ein Teenie bist und deine Sexualität gerade entdeckst, dann redest du noch viel mit deinen Freundinnen und fragst ‚Wie ist das bei euch so, wie macht ihr das denn?‘. Aber je mehr Sex du hast, je mehr Partner*innen ins Spiel kommen, je älter du wirst, desto weniger Austausch gibt es. Man bespricht höchstens mit dem*der Partner*in noch irgendwelche Details, aber mit Freundinnen redet man kaum noch.

Was würdest du Frauen raten, die ihre eigene Sexualität mehr ausleben möchten?

Das Wichtigste ist, dass du anfängst, dich mit dir selber auseinanderzusetzen und genau wahrzunehmen, was du eigentlich willst. Und damit meine ich nicht, irgendwelche Checklisten mit Fesselspielchen oder Sexpartys abzugehen, sondern dich selbst beim Sex – und auch sonst natürlich – zu beobachten: was sich gut anfühlt, welche Fantasien und Impulse du hast, wo du berührt werden möchtest und was für Typen Mensch dich anmachen. Du musst gar nicht sofort ins Ausleben gehen. Erstmal ist das eine Wahrnehmungsfrage – und oft auch ziemlich überraschend. Weil die meisten von uns ganz unbewusst in Mustern feststecken, die sich irgendwann bewährt haben oder in die wir hineinsozialisiert wurden. Wenn man die mal hinterfragt, kann sich durchaus rausstellen: Hey, ich will eigentlich ganz was anderes! Banal, aber wahr: Ganz wichtig ist auch, es sich selber zu machen.

Und zwar nicht, indem man sich vor einen Porno hockt und den Vibrator anschmeißt, damit man nach 30 Sekunden kommt. Klar, das hat auch seine Berechtigung, manchmal will man einfach Druck abbauen. Aber wenn man echten Zugang zu seinem Körper finden will, sollte man sich ihm ganz bewusst zuwenden und sich nicht durch Bilder ablenken lassen. Ganz wichtig finde ich: Hände benutzen! Dann spürt man sehr viel mehr, was man da eigentlich macht und wo es sich am besten anfühlt. Das kann einem kein Stück Plastik ersetzen.

Wie begegnest du Menschen, die dich für deine offene Sexualität verurteilen?

Als mein Mann und ich unsere Beziehung geöffnet haben, war ich total euphorisiert davon, dass das wirklich geht: Eine glückliche Beziehung führen und trotzdem Sex mit anderen haben. Das habe ich dann auch wirklich allen in unserem Bekanntenkreis erzählt, wie man das halt macht, wenn man was Neues, Tolles entdeckt hat. Bei vielen Frauen kam das aber gar nicht so gut an, plötzlich nahmen sie mich als Konkurrenz wahr. Denen musste ich dann erklären, dass ich es gar nicht auf ihre Männer abgesehen habe. Online waren es dann aber vor allem Männer, die die Slutshaming-Tour fuhren. Mit denen diskutiere ich aber gar nicht erst.

Mal ganz konkret gefragt: Wie reagierst du, wenn dich Leute verurteilen oder beleidigen?

Im echten Leben beleidigt einen ja niemand offen. Es passiert eher unterschwellig, dass man spürt: Irgendetwas stimmt hier nicht. In dem Moment, in dem ich das Gefühl habe, irgendwer wertet mich ab oder denkt etwas Schlechtes über mich, ist das Beste, was ich machen kann, es anzusprechen. Die meisten Menschen schaffen es ja irgendwann zu begreifen, dass es nicht ihr Bier ist und nichts mit ihnen zu tun hat, wie ich meine Sexualität lebe. Und wenn das mal nicht klappt, dann muss man sich mit so einem Menschen vielleicht auch nicht so wahnsinnig viel abgeben.

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Bildquelle: Unsplash, CCO-Lizenz

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