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Annemarie, 26, sitzt im Vorstand eines katholischen Jugendverbands

Wie ist die Sicht eines jungen Menschen auf die eigene Religion, die in der Gesellschaft einen immer schlimmeren Ruf anzunehmen scheint?

Unzählige Fälle sexualisierter Gewalt, Vertuschung von Finanzen und ein Oberhaupt, das Homosexualität als psychische Krankheit sieht: die katholische Kirche hat keinen allzu guten Ruf, und macht normalerweise eher mit negativen als mit positiven Schlagzeilen auf sich aufmerksam. Ihr Image? Veraltet, konservativ und antiprogressiv. Annemarie zeigt, dass es auch anders geht. Die 26-Jährige sitzt im Vorstand des Jugendverbands BDKJ München und betreibt Bildungsarbeit für junge Menschen. Ein Gespräch über Wertvorstellungen, das Zölibat und die Ehe für alle.

 

ZEITjUNG: Warum bist du im BDKJ?
Annemarie Eckardt: Das Politische hat mich sehr gereizt, immerhin gibt es in München 30.000 junge katholische Menschen, und ich finde es schön, Teil der Lobby und Vertretung für gute Kinder- und Jugendarbeit zu sein.

Was machst du da genau?
Als politische Vertretung arbeite ich mit anderen Verbänden zusammen. Wir sorgen dafür, dass Stimmen von jungen Menschen innerhalb der Kirche gehört werden, politische Bildungs- und Projektarbeit gehört auch dazu. Und politisch heißt bei uns nicht, dass wir nur irgendwelche Parteien hypen, die das Wort „Christen“ im Namen haben. Wir engagieren uns zudem klar gegen rechts. Diese Position überrascht relativ viele (grinst).

War der Glaube schon immer in dir drin oder hat dich etwas Bestimmtes darauf gebracht?
Ich bin gewissermaßen damit aufgewachsen, meine Mutter ist katholisch und auch ehrenamtlich aktiv gewesen. Ich musste nicht jeden Sonntag in die Kirche, aber ein Mal im Monat sollte schon sein. Meine Mutter war nicht streng gläubig, aber es war ihr wichtig, das habe ich natürlich gemerkt. Ich wurde nie zu irgendetwas gezwungen. Ich habe oft mit der Kirche gehadert, aber vieles versteht man erst mit der Zeit. Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie mich zu nichts gedrängt haben. Sonst hätte ich wahrscheinlich aus Prinzip nein gesagt (lacht).

Wie übst du deinen Glauben aus – abgesehen von deiner Tätigkeit beim BDKJ?
Ich bin noch Lektorin und Kommunionspenderin, und habe mal die Ausbildung zur Wortgottesleiterin gemacht. Für mich ist der Glaube aber etwas, das mir überall begegnet – eine Grundeinstellung zum Leben. Der Glaube gibt mir das Gefühl, dass sich irgendwann alles finden wird, und ich mit allem ausgestattet bin, um mich meinen Herausforderungen zu stellen. Wenn ich merke, dass mir mein Leben gerade zu viel wird, mag ich auch die ganz starren Rituale ziemlich gern. Das gibt mir Sicherheit, und daraus ergeben sich Grundwerte, wie Respekt und Wertschätzung anderen Menschen gegenüber.

Ist das auch der Grund warum du dich für Geflüchtete engagierst?
Ja. Aber die Aufgabe hat eher mich gefunden als ich sie. Meine Haltung dem Thema gegenüber war eindeutig – es war mir völlig klar, dass wir keine Menschen im Mittelmeer ertrinken lassen sollten, und dass wir niemanden, der Hilfe braucht, aus unserem Land verweisen sollten, nur weil wir dann ein bisschen von unserem Reichtum abgeben müssen. Aber aktiv habe ich am Anfang ehrlich gesagt nicht viel in dem Bereich gemacht. Jetzt mache ich das beruflich und bin mir sicher, dass ich auch selbst etwas beitragen und bewirken kann.

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