Foto Bhargavi Joshi Printed Violation Gewalt Frauen

Inzwischen findet man online einige Reden von starken Frauen bei den Oscars oder Golden Globes zum Thema #metoo. Das ist gut, denn da stehen Frauen auf und inspirieren damit wieder andere Frauen, aufzustehen, zu erzählen und zu helfen. Auf einer Bühne von dieser Größe erreichen sie natürlich auch unglaublich viele Menschen. Aber es gibt auch andere Möglichkeiten, Aufmerksamkeit für dieses wichtige Thema zu schaffen.

Zum Beispiel mit Fotos. Denn Fotografie ist ein Medium, das auf der ganzen Welt, unabhängig von Sprache und Kultur, verstanden wird. Und genau das will die kanadische Fotografin Bhargavi Joshi erreichen. Sie tritt mit ihrer Kunst für Frauen auf der ganzen Welt ein, denn ihrer Meinung nach findet Ungerechtigkeit ihnen gegenüber überall statt. In ihrer Fotoserie „Printied Violation“ stellt sie Frauen und die Gewalt an ihnen in den Fokus, um zu inspirieren und dagegen vorzugehen.

Wir haben ihr einige Fragen zu ihrer Fotoserie gestellt.

 

ZEITjUNG: Was hat dich zu dieser Serie inspiriert?

Bhargavi: Ich habe in verschiedenen Städten in Canada, den USA und Indien gelebt und dabei sehr früh bemerkt, dass die Schwierigkeiten, denen Frauen begegnen, sich nicht auf Ländergrenzen, Rasse, Alter oder religöse Hintergründe beschränken. Weltweit leiden Frauen unter Ungerechtigkeit und Gewalt, nicht nur in Dritte-Welt-Ländern. Ich wollte eine Fotoserie kreieren, die geographische und politische Grenzen überschreitet und den Fokus auf die wirklichen Probleme von Frauen richtet. Starke Fotos, die Leute dazu zwingen, innezuhalten und nachzudenken. Wir wollen mit diesen Fotos eine Konversation starten, die die Gesellschaft bisher vermeidet. Wir hoffen, es wird Menschen dazu inspirieren, gegen Ungerechtigkeit vorzugehen, Opfern zu helfen und Männer sowie Frauen aufzuklären.

 

Was macht ein gutes Foto für dich aus?

Ein gutes Foto hinterlässt Erinnerungen in unseren Köpfen. Es kann einprägsam sein, weil es visuell auffällt, eine starke Emotion hervorruft oder uns auf irgendeine Art bewegt. Ein tolles Foto schafft all das zusammen.

 

Wieso sind alle Personen in deiner Serie komplett weiß?

Die Frauen sind weiß angemalt, um den Fokus weg von körperlichen Eigenschaften, Rasse oder Kultur hin zu der Tatsache zu lenken, dass sie alle Frauen sind. Weiß wird außerdem mit Reinheit assoziiert – ein Begriff, mit dem sich Frauen in vielen Kulturen zwangsweise identifizieren. Außerdem erinnern sie auf den Fotos an Porzellanfiguren, denn in unserer Gesellschaft werden Frauen als zerbrechlich und schwach angesehen. Es wurde alltägliche Kleidung aus dem Leben von Frauen gewählt, um aufzuzeigen, dass die Probleme nicht nur in Dritte-Welt-Ländern bestehen. Die Klamotten wurden mit Verbandmull drapiert. Das steht für das Einbinden der Wunden, die unsere Gesellschaft unerbittlich zu verschleiern versucht, anstatt gegen die Ungerechtigkeit vorzugehen. Die schwarzen Abdrücke und Bänder sollen zeigen, wie Kulturen den Schmerz, den sie Frauen zufügen, komplett missachten.

 

Kannst du uns etwas über den Entstehungsprozess dieser Fotoserie erzählen?

Für diese Serie habe ich ein Jahr gebraucht. Nachdem ich das Konzept entwickelt hatte, wollte ich eine talentierte Crew ausschließlich aus Frauen an Bord bekommen, die leidenschaftlich dabei sind, eine positive Veränderung in die Welt zu bringen. Ich dachte, umso mehr positive Energie ich in den Prozess bekomme, desto mehr würde es dabei helfen, diese positive Energie nach außen zu bringen, um wiederum eine positive Veränderung zu erreichen. Es hat einige Zeit gebraucht, sie zu finden. Aber als ich es dann geschafft hatte, brachte jede Frau ihr Können und ihre Kreativität mit ein. Sie waren wundervoll.

 

Die #metoo-Bewegung wird nach wie vor debattiert. Siehst du einen Unterschied, wie die Gesellschaft Frauen behandelt? Besonders, weil du eine lange Zeit in Amerika und Indien verbracht hast?

Die #metoo-Bewegung ist wichtig für unsere Geschichte (obwohl es sie nur in wenigen Ländern gibt), weil Frauen ausnahmsweise zugehört wird. Frauen fühlen sich endlich sicher genug, um hervorzutreten und ihre Geschichte zu erzählen und auf Gerechtigkeit zu hoffen. Es ist großartig, dass Frauen weiterkommen können und ernst genommen werden. Es ist jedoch traurig, dass die meisten der Angeklagten ihr Leben einfach weiterleben werden, ohne den Preis für ihre Tat zu zahlen.

Ich denke, die Debatte kommt vor allem auf, wenn unehrliche Frauen die Bewegung dazu benutzen, ihre persönliche Rache gegen Unschuldige zu verüben. Aber es wird immer Ausnahmen geben und leider lenken sie die Aufmerksamkeit weg von den wirklichen Opfern, die auf Gerechtigkeit hoffen. Auch traurig ist, dass die #metoo-Bewegung in Ländern wie Indien, wo es eine stark patriarchale Gesellschaft gibt und die sexistische Bevölkerung überwiegt, keinen Unterschied machen wird. Vielleicht irgendwann, aber nicht bald. Frauen in Indien werden noch viele Jahre weiterhin unter Ungerechtigkeit leiden.

 

Printied Violation Bhargavi Joshi Foto Missbrauch

Printied Violation Bhargavi Joshi Foto Missbrauch