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Intime Fotografie: „Paran is pregnant“

Der Fotograf Tomas Engel begleitet eine schwangere Frau und kreiert so ehrliche Bilder, wie man sie nur selten sieht.

Ein wallendes Kleid, ein glückliches Grinsen und ein liebevolles Kugelbauch halten – so sind sie, die typischen Schwangerschaftsbilder. Oder so stellt man sie sich zumindest vor. Ganz anders, wenn eine schwangere Frau vor Tomas Engels Kamera steht. Der Fotograf lichtet Schwangere so ehrlich und intim ab, wie du es selten gesehen hast. Ein starker Blick, ein wachsender Bauch und sehr viel ehrliches Blut (solltest du dieses nicht sehen können, dann solltest du nach dem Interview aufhören zu lesen und dir die Bilder nicht anzuschauen – aber dann verpasst du was). Wie es zu der Bilderreihe mit der werdenden Mama Paran kam und was sie ihm bedeuten, hat Tomas Engel im Interview mit ZEITjUNG verraten.

ZEITjUNG: Du begleitest Paran während ihrer Schwangerschaft. Wieso hast du dich dafür entschieden?

Tomas Engel: So direkt dafür entschieden habe ich mich gar nicht. Paran ist eine Freundin von mir und als sie ankündigte, dass sie schwanger ist, kam das Thema auf mich zu. Nach den ersten Aufnahmen habe ich sofort gemerkt: Ich weiß noch nicht was es wird, aber es wird was. Die Bestätigung dafür kam, als das Bild der Geburt, auf dem man die Plazenta sieht, auf Instagram gesperrt wurde – ich verstehe das wirklich nicht. Das Bild ist so stark und so natürlich. Außerdem steckt so viel drin. Im unteren Teil des Bildes hat man den archaischen Menschen, die Brutalität der Natur, der Geburt und oben im Bild telefoniert Paran und verkörpert so den modernen Menschen. Unten ist sie quasi noch verkabelt mit der Nabelschnur und oben wireless mit ihrem iPhone. Eine Geburt ist einfach eine Extremsituation. Man ist dabei und fragt sich die ganze Zeit: Ist das noch normal? Stirbt da jemand? Wir leben normalerweise wie in Watte verpackt, so etwas Krasses erleben wir sonst nicht und das finde ich das Faszinierende.

Schwangerschaft und Geburt: Das sind Bereiche, die häufig beschönigt werden und viel über Klischees erzählt wird. Selten geht es dabei knallhart ehrlich zu. Wie habt ihr euch den Themen genähert ohne den Kitsch von Mutterglück zu bedienen?

Wir haben beide sofort gesagt, das darf auf keinen Fall so aussehen wie beim Vorstadtfotografen. Deshalb ist auch Parans Blick so stringent. Als wüsste sie gar nicht, was mit ihr passiert. Das geht vielen Frauen in der Schwangerschaft tatsächlich so. Diese normalen Geburtsbilder haben mit der Realität, also meiner Realität nichts gemein. Ich fand es wichtig, Paran nicht in ihrer Weiblichkeit darzustellen. Oder besser dieser Lieblichkeit, die Frauen oft anhängt. Eine Geburt hat nichts mit Lieblichkeit zu tun. Die Reihe ist auch noch nicht abgeschlossen.

Wie geht die Bilderreihe denn weiter?

Paran will noch ein zweites Kind und ich hoffe, dass ich da dann auch wieder dabei bin. Ich spinne Reihen oft weiter. Ich weiß nicht, ob ich je gedacht habe, dass ein Projekt abgeschlossen war – nein, ich habe noch nie etwas abgeschlossen.

Wie gehst du denn beim Fotografieren vor und was ist das Faszinierende daran Menschen zu fotografieren?

Fotografie ist ein Trieb für mich. Ich denke gar nicht so viel darüber nach, sondern ich habe einfach Lust darauf. Wenn ich Menschen fotografiere, dann ist es schön, wenn ein gewisser Blick entsteht. Das sind meist recht gesteuerte Situationen und das ist spannend. Außerdem portraitiert man sich ja auch oft selbst, wenn man andere Menschen portraitiert. Vermutlich kann ich das eigentlich so gar nicht sagen, da würden mir jetzt sehr viele Fotografen widersprechen.

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Bildquelle: © Tomas Engel

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