Buchtipp: Lass sie doch reden!

People-pleaser, Schleimer und Heuchler. So nennen wir die Menschen, die anderen Menschen um jeden Preis gefallen möchten. Dass das ein Urinstinkt des Menschen ist und wie wir endlich verstehen, dass wir verdammt nochmal nicht jeder oder jedem gefallen können, darüber schreibt Gabriel Palacios in seinem neuen Buch, das am 1. März 2021 erscheint.

Die Grundrisse der Psyche 

Gabriel Palacios ist Hypnosetherapeut und erlebt täglich die Ängste seiner Klient*innen. Sie haben die Angst, nicht dazuzugehören und ausgeschlossen zu werden. In 22 Kapiteln und 176 Seiten erklärt der Autor, woher diese Angst vor dem Nicht-Gefallen kommt und wie wir sie überwinden können. „Lass sie doch reden – Wie dir egal wird, was andere von dir denken“ ist also kein Roman, den man verschlingt, sondern ein Sachbuch, das wir in Portionen inhalieren sollten. Denn Palacio schreibt für die Leser*innen keine leeren Worthülsen auf, sondern gibt ihnen das Handbuch zur Befreiung sozialer Zwänge. Nach den meisten Kapiteln gibt es dafür Stichpunkte und Glaubenssätze, die man sich durchlesen kann und dann versucht in den Alltag einzubauen. 

Dabei werden menschliche Verhaltensmuster und Gehirnstrukturen fachlich erklärt. Und so versteht man schnell: Es liegt wohl in der Natur des Menschen, dass man nicht jede*n mögen kann und muss. Palacio erklärt fachlich z. B. die Grundängste des Menschen, Gruppenbildungen und Mobbing. So kann man das Gelesene ohne Umschweife auf das eigene Leben beziehen. Das emotionale eigene Leben wird damit in einen größeren Kontext gestellt und es folgt die aufschlussreiche Einsicht: Alle Menschen wollen gefallen und können das natürlich nicht allen. Die Gründe dafür sind vielschichtig und werden im Buch in verschiedene Kategorien eingeteilt. Und auch hier kann man als Leser*in mitgehen. Eine Person erinnert uns schon von vorne herein an den Ex? Schwierige Startbedingungen für den freundlichen Mann an der Bahn. Die neue Arbeitskollegin ist laut und exzentrisch, sie macht uns Angst, engt uns ein und wir lassen es sie spüren. Palacio zeigt die tiefen, unterbewussten Vorgänge auf, die der Natur des Menschen geschuldet sind und schreit mit jedem Wort des Buches heraus: Es ist okay, nicht gemocht zu werden, begreife das. Dann gibt es noch Passagen, in denen die Leser*innen dazu angehalten werden, etwas laut vorzusagen oder etwas in die Praxis umzusetzen, was hilfreich sein kann, damit aus einem Buch eine reale Hilfe im Leben wird. 

Gefallen wollen ist menschlich

Palacios „Lass sie doch reden!“ ist eine sachliche Hommage an das Ich-Sein in einer Welt, in der wir anderen so gerne gefallen möchten. Man lernt über viele Kapitel in unterschiedlichen Bereichen hinzu und kann so verstehen, warum Mitmenschen so handeln wie sie handeln. Das kann beruhigen und ein Freispruch für alle schlechten Begegnungen sein. Warum wurde ich eiskalt abserviert? Warum spricht er mit allen außer mit mir? Warum liebt die Chefin meinen Kollegen, aber mich nicht? Es sind die Fragen, die eigentlich keinen Sinn ergeben. Wir tun viel und sind nett, das reicht nur leider nicht. Palacio untermalt es deutlicher: Wir müssen gelassener damit umgehen, „was andere Menschen von uns denken, über uns reden und über uns urteilen.“ Und „Lass sie doch reden!“* ist dafür ein guter Leitfaden mit vielschichtigen Informationen zum menschlichen Unterbewusstsein. 

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Bildquelle: Pexels, Ullstein; CCO-Lizenz

Als Kölnerin liebe ich jedes bunte, tratschige oder politische Thema. Daneben findet man mich auf der Yogamatte oder in der nächsten Eckkneipe, immer im Gespräch mit anderen Menschen.