Der mühevolle Weg ins Berufsleben: Teufelskreis aus Bezahlung und Erfahrung

Nach dem Studium beginnt für viele mit dem Berufseinstieg das geregelte Leben, inklusive festem Arbeitsplatz und regelmäßigem Gehalt. So zumindest ist das Ziel. Doch um dahin zu kommen, wird weitaus mehr verlangt als einfach nur ein guter Abschluss.  

Mit 25 Jahren und erfolgreichem Master in der Tasche, scheint einem die Welt offen zu stehen. Die Noten waren gut, dein Pflichtpraktikum hat dich noch mehr überzeugt von deinem Berufsziel und du blickst mit Vorfreude auf deinen ersten festen Arbeitsvertrag – nicht in irgendeinem Nebenjob, um dein WG-Zimmer zu finanzieren, sondern als Arbeitnehmer mit fester Stelle und angemessener Bezahlung. Spätestens aber der Blick auf die Stellenausschreibungen des Wunscharbeitsplatzes bringt dich schnell zurück auf den Boden der Tatsachen. So einfach funktioniert das nämlich nicht, die Anforderungen sind weitaus höher: “Notwendig sind mindestens mehrere Langzeit-Praktika, sowie erste Berufserfahrung innerhalb der Branche.”  

Na toll! Wie soll man die denn bitte vorweisen!? Die klassische Studienzeit sieht folgendermaßen aus: Fünf Jahre lang studierst du, zuerst den Bachelor danach den Master. Innerhalb des Studiums hast du neben den unzähligen Studienleistungen, Prüfungen und Projekten auch erfolgreich ein sechs-wöchiges Praktikum untergeschoben. Um dir das Leben in der Studenten-WG finanzieren zu können, gehst du nebenher in einer Bar kellnern – Bafög allein reicht nämlich nicht. Mit Beendigung des Studiums in Regelstudienzeit endet schlagartig sogar diese finanzielle Unterstützung, das Semesterticket fällt weg und du bist auf dich alleine gestellt. Wo bitte sollte man da jetzt weitere monatelange Praktika einbauen und Berufserfahrung sammeln? Genau das hat man doch jetzt – nach dem Studium – vor.  

Neben der zeitlichen Knappheit, ist es vor allem die finanzielle Not, welche es so schwer macht die Anforderungen zu erfüllen. Sucht man ein geeignetes Praktikum, sind diese in den allermeisten Fällen unbezahlt oder höchstens mit einer Aufwandsentschädigung ausgeschrieben. Das bedeutet in der Realität, dass neben einem Vollzeit-Praktikum weiterhin ein Nebenjob nötig ist um sich zu finanzieren. Arbeitgeber nutzen die Möglichkeit des Praktikums nicht selten als kostengünstige Arbeitskraft mit 40 Stunden pro Woche. Dafür bieten sie großzügig ein gutes Arbeitsklima und viele Erfahrungen. Das ist natürlich wichtig, aber hilft mir auch nicht die Stromkosten zu bezahlen. Besonders absurd wird es dann, wenn sogar Praktika gefordert sind, um ein Praktikum zu machen. 

Fußballnerd mit Faible für ein gepflegtes Pils, zwischen Dorfkneipe und Strandbar, zwischen Heimatliebe und Reiselust, zwischen Familie und WG, zwischen Döner und Frutti di Mare, zwischen Instagram und Süddeutsche und zwischen Schlager und Deutschrap.