Doom-Scrolling: Wenn Nachrichten mehr schaden als helfen

Doom-Scrolling: Ein Teufelskreislauf. Bild: Pexels

Schaut man aktuell Nachrichten oder scrollt durch den Instagram-Feed, zeichnet sich ein düsteres Bild ab, das unweigerlich die Frage mit sich bringt, wo es mit der Menschheit und der Erde noch hingehen soll, wenn es so weiter geht. Und dennoch kann man einfach nicht damit aufhören, sich immer weiter durch die alarmierenden Nachrichten zu klicken. Ein Phänomen, das einen Namen hat: Doom-Scrolling. 

Der Drang nach Informationen

Es ist schon verrückt, seit März 2020 erleben wir in Deutschland ein Auf und Ab mit dem Coronavirus. Während ich im Sommer kaum daran denke, die Zahlen komplett aus den Augen verliere, sind es vor allem Herbst, Winter und Frühling, in denen ich kaum Lust habe, mich um 20 Uhr vor den Fernseher zu zwingen, um wie ein „anständiger“ Bürger Nachrichten zu schauen. Und dennoch, irgendetwas hat mich gerade im Frühling und Winter 2020 immer wieder recherchieren lassen. Damit meine ich nicht die sich immer ändernden Regelungen und ob ich denn nun meinen Cocktail und Churros bei meinem Lieblingsmexikaner genießen darf, das sind durchaus wichtige Informationen. Aber muss ich – bei aller Solidarität und Nachbarliebe – wissen, wie die aktuellen Corona-Zahlen in unseren europäischen Nachbarländern sind? Muss ich wissen, wie die Zahlen sich täglich in Deutschland verändern? Versteht mich nicht falsch, ein bisschen sollte man sich natürlich informieren, aber in diesem Maße? Anfang 2020 war mein erster Griff nach dem Aufwachen zu meinem Handy, um die neuesten Informationen des Robert-Koch-Instituts abzurufen. 

Rückblickend muss man sagen, dass das vielleicht ein bisschen extrem und ganz bestimmt nicht gesund war. Gerade in einer Zeit, in der Deutschland in einen Lockdown ging und es dementsprechend wenige Ablenkungsmöglichkeiten gab. 

Doch selbst in den letzten Wochen verspüre ich immer wieder den Drang, in alte Muster zu verfallen, dabei sollte ich es doch besser wissen. Aber warum?

Doom-Scrolling eingeordnet 

Gegenüber deutschlandfunkkultur.de ordnet Moritz Petzold, Psychologe an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Charité in Berlin, das Phänomen ein. Zu Beginn einer solchen Ausnahmesituation regelmäßig nach Informationen zu suchen, sei völlig normal. Zudem sei es auch normal in Gefahrensituationen die Aufmerksamkeit eher auf die bedrohlichen Dinge zu legen. Gerade hier liegt aber das Problem – es kann sich zu einem Teufelskreis entwickeln. 

Fußballfan mit musikalischer Dauerbeschallung, wenn nicht gerade selbst am Klavier oder der Gitarre. Eigentlich ein geselliger Typ, der aktuell aber auch seine Liebe für Bücher und exzessiven Netflix-Konsum entdeckt.