Fütterer is(s)t anders: Warum Ernährung keine persönliche Entscheidung ist

Eine Frau beißt in ein Sandwich

Elina Fütterer ist Ökotrophologin, Yoga-Lehrerin und Surfer Girl. In ihrer Kolumne schreibt sie über die wichtigste Hauptsache der Welt: Essen. Genuss ist ein Muss – ohne dabei Gesundheit, Nachhaltigkeit und Ethik außer Acht zu lassen. Elina nimmt euch mit auf ihre kulinarische Reise. 

Argumente und Ausreden, um das Essen von tierischen Produkten zu rechtfertigen, gibt es viele. Die häufigste ist allerdings, dass Ernährung eine persönliche Entscheidung ist. À la „Leben und leben lassen“ werden Diskussionen gerne mal im Keim erstickt, bevor man sich ernsthaft über die Vor- und Nachteile einer veganen Ernährung austauschen kann. Aber ist das Essen und damit auch das Töten und Quälen von Tieren wirklich eine persönliche Entscheidung?

I do me, you do you

„Respektiere meine Meinung. Ich lasse dich dein Ding machen, lass mich also auch mein Ding machen.“ Auf jeden Fall. Ich bin großer Fan von „You do you“. Lange Zeit habe ich das auch selbst immer gesagt, um einfach in Ruhe gelassen zu werden und keine blöden Kommentare über meine Ernährung kassieren zu müssen. Mittlerweile denke ich anders darüber. Denn die Entscheidung, Tiere auszubeuten, geht weiter über „sein eigenes Ding zu machen“ hinaus.

Ob ich meine Haare grün oder lila färbe, ist absolut mein eigenes Ding. Mit der Entscheidung, Tiere zu essen, bestimme ich allerdings über das Leben von anderen Lebewesen und darüber, ob sie leben können oder sterben müssen. Ich finde das nicht mehr ganz so persönlich, sondern egoistisch und falsch.

„Mich interessieren Tiere nicht und es ist mir egal, dass sie leiden

Auch dieses Argument höre ich ab und zu als Rechtfertigung dafür, Tierprodukte zu essen. Und muss sagen: Fair enough. Du scheinst ein herzloses ********* zu sein. Aber: Die Entscheidung geht weit über deine persönlichen Ansichten von Moral hinaus. Denn auch wenn es dich nicht interessiert, dass du für Tierleid verantwortlich bist, haben deine Entscheidungen einen enormen Einfluss auf die Umwelt, da massenhaft Ressourcen verbraucht werden: Für den Anbau von Tierfutter werden beispielsweise riesige Flächen an Regenwald zerstört und Nutztiere produzieren Treibhausgase, die die Klimakrise verschärfen. Und das hat nicht nur einen riesigen Impact auf unseren Planeten, sondern beeinflusst auch das Leben von Millionen von Menschen, die von den Auswirkungen betroffen sind.

Wir reden hier übrigens nicht von einem kleinen Fischerdorf auf einer abgeschiedenen Insel, das zum Überleben auf das Fangen von Fischen angewiesen ist. Wir reden von unserer Wohlstandsgesellschaft, in der es schlicht und einfach nicht notwendig ist, Fleisch und andere tierische Produkte zu essen.

Neben meinem Ökotrophologie-Studium und der Ausbildung zur Journalistin habe ich auch als Flugbegleiterin die Welt unsicher gemacht. Neugierig, abenteuerlustig und immer hungrig: Auf der Suche nach der perfekten Welle und der besten Açai-Bowl futterte ich mich schon durch mehr als 80 Länder.