FeierGeburtstagSelbstliebe

Feier dich selbst! – Warum Geburtstage ein perfekter Anlass für mehr Selbstliebe sind

Wir feiern uns viel zu selten selbst. Sind Geburtstage da nicht der perfekte Anlass? Einen Tag lang nur tun, was wir wollen, und ein bisschen Magie spüren.

Ich höre ein Glöckchen, das mich wecken und gleichzeitig nach unten holen soll. Aber eigentlich bin ich schon mindestens eine Stunde wach und ziemlich müde, weil mich die Aufregung nicht hat schlafen lassen. Anziehen würde jetzt viel zu lange dauern. Also stolpere ich im Schlafanzug und ungewaschen die Treppe hinunter und bevor ich die letzte Stufe erreicht habe, beginnen mir bekannte Stimmen einen ungewollt mehrstimmigen Gesang. Verschämt, aber mit klopfendem Herzen und Kribbeln im Bauch vom Anblick der Geschenke stehe ich im Türrahmen. Während der Umarmungen meiner Eltern und Geschwister erschiele ich auf dem Tisch meinen Lieblingskuchen. Abends liege ich dann mit einem wehmütigen Gefühl, dass der Tag schon wieder vorbei ist, und gleichzeitig Freude über die Geschenke im Bett.

So sah mein Geburtstag vor gut 15 Jahren aus. In diesen 24 Stunden waren so viele Gefühle gepackt. So viel Magie. Und auch heute bedeutet er mir noch unglaublich viel. Am liebsten hätte ich ständig Geburtstag. Allerdings habe ich das Gefühl, diese Begeisterung teilen nicht viele mit mir. Der Zauber von Geburtstagen scheint für viele mit jedem Lebensjahr mehr zu verschwinden. Doch wieso eigentlich? Ist der Geburtstag nicht der einzige Tag, an dem wir uns mit Erlaubnis egoistisch aufführen und so richtig schön selbst feiern können?

 

Wo ist die Magie hin?

 

Auf der Suche nach einem passenden Titelbild für diesen Text stoße ich fast ausschließlich auf Fotos von Kindern, die zwischen Torten und Geschenken sitzen und denen die pure Freude ins Gesicht geschrieben steht. Es sieht so aus, als könnten und dürften wir das gar nicht mehr. Als könnte man uns keinerlei Gefühl mehr am Gesicht ablesen, wenn wir an unserem Tag zwischen Torten und Geschenken sitzen.

Ich suche Gründe, warum man uns Erwachsene selten so sieht. Ist alles weniger zauberhaft und mehr realistisch, weil unser Geburtstagsmorgen nicht mehr so aussieht, da wir nicht mehr zuhause wohnen? Und wir alles selber machen müssen anstatt uns den ganzen Tag an gedeckte Tische zu setzen? Und die Geschenke häufig keine Überraschungen mehr sind, weil wir sie mit aussuchen? Oder etwa, weil die Zahlen in Luftballonform, die unsere Freunde mitbringen, immer höher werden? Auch wenn das für viele die Gründe sein könnten, möchte ich sie nicht gelten lassen. Ich will die Magie behalten, will sie konservieren in einem Geschenkkarton.

Ich will Aufregung, Liebe, ungebremste Freude, ungefiltertes Glück. An diesem Tag nehme ich mir heraus, nur Schönes zu fühlen und zu tanzen und zu springen. Ich verdränge alles, was gerade nicht so läuft. Ich erlaube mir, wieder Kind zu sein. Und jetzt sage ich es selbst schon: Ich will mich wie ein Kind fühlen, weil es nur so möglich scheint, Gefühle ohne Hemmung auszuleben. Vielleicht ist das naiv. Aber dann auch nur einen Tag lang. Danach kann ich meinetwegen wieder ernst und vernünftig und langweilig sein.

 

Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt

 

Wir achten häufig mehr auf die anderen als auf uns selbst. Unsere Bedürfnisse stellen wir automatisch hinter die unserer Liebsten. Schließlich brauchen wir ihre Liebe zum Überleben und tun deshalb alles dafür, um sie uns zu sichern. Aber wir tun das nicht nur aus unserem Drang nach Liebe heraus, sondern auch, weil es erwartet wird. Denn wer sich selbst etwas wert ist, wird schnell als egoistisch bezeichnet. Wie schwer es uns fällt, zu sagen, dass wir uns richtig gut finden, oder dass wir uns gar selbst feiern. Wer sich das traut, ist mutig. Das ist Mut heute. Dabei wird ganz vergessen, dass der einzige Mensch, mit dem wir es ein ganzes Leben lang 24/7 aushalten müssen, wir selbst sind.

Wenn wir also schon einen Anlass dafür brauchen, einmal das durchzusetzen, was wir wollen, sollten wir ihn auch nutzen. An meinem Geburtstag kann ich mir alle meine lieben Menschen zu mir wünschen. Ich kann all das kochen, was ich essen will, und keiner ist mir böse, wenn es ihm nicht schmeckt. Ich kann meine Lieblingsmusik über die Lautsprecher dröhnen lassen, meine Lieblingsspiele spielen, meine Lieblingsgetränke anbieten. An meinem Geburtstag kann ich alles verlangen, was mich glücklich macht. An meinem Geburtstag mache ich mir die Welt, wie sie mir gefällt.

 

Geschenkbox voller Magie

 

Ich bin dafür, dass es keinen Mut mehr brauchen sollte, um sich selbst zu feiern. Geburtstage sind da ein guter Einstieg, eine gute Übung. Also stehe ich an meinem Geburtstagsmorgen wieder mit Herzklopfen und Bauchkribbeln auf und freue mich ungebremst auf all die Magie, die der Tag für mich bereithält. Und dann fang ich sie ein, die Magie, und stecke sie in eine Geschenkbox. Damit ich sie weiterschenken kann, wann immer sie jemand braucht, der sich mal ein bisschen mehr feiern sollte.

 

Auch nice: Von der Fähigkeit allein zu sein – und warum wir sie alle nötig haben

 

Folge ZEITjUNG auf FacebookTwitter und Instagram!

Bildquelle: Unsplash unter CC0 Lizenz

Kommentare

  1. Du hast mich mit Deinen Zeilen über Geburtstag und speziell Deinem nachdenklich gemacht. Wenn ich zurückblicke, war ich immer nur für andere da, auch für Dich und mir schien mein Ehrentag unwichtig zu sein. Das Fest soll immer nur den anderen gefallen – und ich?
    Fast immer mit Stress verbunden aber auch mit Freude, meine Familie und Freunde wieder zu sehen. Aber wie gesagt, das nächste Mal werde ich mich selbst feiern, wer weiß wie lange noch?
    Und dann schicke ich auch Luftballons in den Himmel und zwar so viele wie ich an Jahren zähle. LG Gro0mama

    Großmama / Antworten

Sag was dazu

Das könnte Dich auch interessieren