Frag Oma Maria: Wie gehe ich mit der Angst vor dem Älterwerden um?

Woher wissen wir, dass es Liebe ist? Was ist wichtig für eine lange Freundschaft? Und wie finden wir heraus, was wir wirklich wollen? Das Leben ist voller Fragen. Fragen, die wir unseren Großeltern nur selten stellen. Unsere Autorin spricht mit Senior*innen über das Leben und findet: Wir können viel von ihnen lernen.

Oma Maria (79), wie gehe ich mit der Angst vor dem Älterwerden um?

„Das Älterwerden war für mich gar nicht leicht. Mein Aussehen, meine Haltung und meine gesamte Figur veränderten sich. Das war für mich besonders schlimm, weil ich früher sehr eitel war. Mit den Jahren habe ich schließlich gelernt, mich selbst und all die Veränderungen zu akzeptieren. Ich hatte nie Angst vor dem Älterwerden und das war gut so. Diese Angst ist meistens sowieso unbegründet. Das Alter wird immer als „die Grenze zum Negativen“ gesehen. Das ist doch schade! Es kann doch genauso der Übergang zu einem noch schöneren Teil des Lebens sein. Ich hatte die schönste Zeit zwischen 40 und 60. Das war wahrscheinlich die kreativste Phase meines Lebens. Mir ist plötzlich so vieles leichter gefallen. Ich war lange in der Gastronomie tätig und somit ständig von jungen Menschen umgeben. Mein Mann war 12 Jahre jünger und trotzdem habe ich mich nie „zu alt“ gefühlt. Meine Arbeit und mein Umfeld haben mich glücklich gemacht und das hat mich scheinbar jung gehalten. Als junger Mensch lernt man viel über sich, über andere und über das Leben. Es ist die große Lern- und Kennenlernphase des Lebens. Das Jungsein ist schön und lehrreich, aber es birgt auch viele Anstrengungen und Schwierigkeiten. Alle wollen schneller, höher und weiter kommen, als wäre das Leben ein ständiger Wettbewerb. Die Jugend wird oft verherrlicht und im Nachgang schöner beschrieben, als sie wirklich war. Ich sehe das verstärkt bei den Menschen meiner Generation. Besonders unter Senior*innen gibt es viele, die sich jeden Tag nach ihrer Vergangenheit und ihrer Jugend sehnen. In ihren Augen sind es nur die jungen Jahre, für die es sich zu leben lohnt. Diese Sehnsucht macht die Menschen schrecklich traurig. Ich versuche, ihnen zu helfen, damit sie das Leben auch weiterhin schätzen und die nächsten Jahre nicht in ständiger Traurigkeit und Sehnsucht verbringen. Ängste sind ganz normal, aber sie dürfen nicht überhand nehmen. Die Angst vor dem Älterwerden muss man eben auch irgendwann beiseite schieben. Vielleicht wird alles noch schöner, besser, toller? Wer weiß das schon.“

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Bildquelle: Illustration von Rupert Gruber

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