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Wahre Freundschaft zeigt sich nicht in den guten, sondern in den schlechten Zeiten.  Eine mittlerweile überkomme und floskelhafte These? Vielleicht. Doch in jeder Floskel steckt auch ein Fünkchen Wahrheit, denn am Ende zählen nicht die Personen, mit denen wir den meisten Spaß hatten, sondern die, die uns aufgefangen haben, als wir drauf und dran waren, die Balance zu verlieren. Und auch diese Beziehung zu „Freunden“, mit denen wir laut Facebook unsere „schönste Zeit“ erlebt haben, bleibt uns irgendwann als eine einzige Farce in Erinnerung.

 

Was ist das Leben wert ohne Freundschaft?

 

Natürlich brauchen wir sie alle für ein wirklich erfülltes Leben; diese Freunde, mit denen wir am besten feiern, lachen oder weinen können: „Freunde sind das, was uns ausmacht“ drückte es der Harvard-Professor Nicholas A. Christakis einmal treffend aus. Aber woran erkennen wir wahre Freundschaft? Und wie merken wir, dass wir gerade dabei sind, sie zu verlieren?

Als amerikanische Forscher sich bemühten, das herauszufinden, waren sie sich von Beginn an einig, dass innige freundschaftliche Beziehungen nicht an hunderten Facebook-Freunden gemessen werden sollten.  Auch wenn sich unser Kommunikationsverhalten in den letzten Jahren rapide geändert hat – von echten Freunden haben wir zumindest die Handynummer. Ein Blick auf die Anrufstatistik oder den Chatnachrichten-Speicher unserer Smartphones gibt also den quantitativ besten Hinweis darauf, mit wie vielen Personen wir wie häufig in Kontakt stehen. Für ihre Studie werteten die Forscher deshalb ein Jahr lang die Telefondaten von über drei Millionen Kunden eines europäischen Telefonunternehmens aus – neben dem mobilen Austausch wurde auch der Kontakt übers Festnetztelefon erfasst.

 

In unseren Zwanzigern sind wir am beliebtesten

 

Die Ergebnisse zeigen, dass es vor allem von unserem Geschlecht und Alter abhängt, wie intensiv wir Kontakte pflegen. In unseren Zwanzigern arbeiten wir am aktivsten an unserem persönlichen, sozialen Netzwerk: Die Zahl unserer Sozialkontakte steigt in dieser Zeit um fast 20 Personen pro Monat. Erst, wenn wir die 30 erreicht haben, werden wir fauler, was das Kontakthalten angeht. Die untersuchten Probanden zwischen 30 und 40 Jahren meldeten sich nur noch bei rund 15 Personen regelmäßig: Die eigene Familiengründung rückt zu dieser Zeit immer mehr in den Fokus. Die Kurve an regelmäßigen Sozialkontakten fällt also bis Mitte Vierzig, stagniert dann aber bis zum 50. Lebensjahr bei durchschnittlich 13 Smartphone-Kontakten. Die Forscher erläutern, dass die Probanden mittleren Alters nach der abgeschlossenen Familienplanung zwar wieder mehr kommunizieren, jedoch ohne neue Freunde zu finden. Sie versuchen nicht mehr oberflächlich mit möglichst vielen Leuten befreundet zu sein, sondern wichtigen Kontakt zu einem engen Kreis ausgewählter Freunde zu halten.

 

Männer pflegen ihre Kontakte anders als Frauen

 

Neben dem Alter ist auch die unterschiedliche Kontaktpflege von Mann und Frau interessant. Männer sind vor allem in ihren Zwanzigern darauf aus, so viele soziale Kontakte wie möglich zu „sammeln“. Gesellschaftliche Beliebtheit verschafft ihnen heiß ersehnte Anerkennung –  junge Frauen sind da nicht so aktiv. Ist die gemeinhin bekannte Annahme vom „kommunikativeren“ Geschlecht also nur ein Klischee? Nicht ganz, denn spätestens ab dem 40. Lebensjahr haben Frauen die Männer wieder überholt: Vor allem der Austausch mit jüngeren Familienmitgliedern läuft den Forschern zufolge deutlich häufiger über die Mütter.

Natürlich kommt selbst den engsten, freundschaftlichen Beziehungen irgendwann das Leben dazwischen: Es kann immer passieren, dass Freundschaften neben der Familienplanung einschlafen. Wichtig ist nur, dass sie daran nicht zu Bruch gehen und nahtlos wieder aufgenommen werden können – und genau das machte wahre Freundschaft doch aus.

 

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Bildquelle: Cole Hutson unter CC 0 Lizenz