Fütterer is(s)t anders: Macht Soja Männerbrüste?

Ein Mann vor einer bunten Wand, der skeptisch schaut

Elina Fütterer ist Ökotrophologin, Yoga-Lehrerin und Surfer Girl. In ihrer Kolumne schreibt sie über die wichtigste Hauptsache der Welt: Essen. Genuss ist ein Muss – ohne dabei Gesundheit, Nachhaltigkeit und Ethik außer Acht zu lassen. Elina nimmt euch mit auf ihre kulinarische Reise. 

Es zerstört den Regenwald und ist ungesund – Soja hat ein schlechtes Image. Vorbehalte gegenüber der Pflanze gibt es viele. Besonders beliebt: Soja enthält hormonähnliche Stoffe, die unfruchtbar machen und das Brustwachstum anregen. Von Männern höre ich oft, dass das der Grund ist, warum sie sich gegen eine vegane Ernährung entscheiden. Abgesehen davon, dass man sich auch ohne Soja vegan ernähren kann, konnte ich ihre Zweifel an der Bohne lange nachvollziehen. In seinen Hormonhaushalt möchte schließlich niemand eingreifen. Und wie heftig wäre es bitte, wenn einem plötzlich Brüste wachsen würden, nur weil man täglich Tofu isst? Ziemlich heftig. Also, welchen Einfluss haben hormonähnliche Stoffe in Soja auf den Körper?

Östrogen vs. Phytoöstrogen

Eine berechtigte Frage. Östrogene können nämlich durchaus negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben. Als endokrine Disruptoren sind sie u.a. an der Entstehung von Brust- und Prostatakrebs und der Abnahme der Spermienkonzentration beteiligt.

In Sojaprodukten sind allerdings keine richtigen Östrogene, also weibliche Sexualhormone, enthalten, sondern Phytoöstrogene. Sie gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen und besitzen zwar eine strukturelle Ähnlichkeit mit Östrogenen, zählen aus chemischer Sicht aber nicht zu den weiblichen Sexualhormonen. Phytoöstrogene haben unter anderem antioxidative, antikanzerogene und cholesterinsenkende Eigenschaften.

Phytoöstrogene sind viel schwächer als körpereigene Östrogene. Im Vergleich zu Östradiol ist ihre Wirkung zwischen 100 bis 10.000 Mal geringer. Somit müssten wir täglich wirklich Berge an Tofu essen, um den Hormonhaushalt zu beeinflussen. Der tägliche Verzehr von drei oder mehr Portionen Soja (eine Portion ist z.B. 80-120g Tofu oder 200-250ml Sojamilch) führt also nicht zu einer neuen Körbchengröße oder zur Senkung des Testosteronspiegels (Quelle: Vegan-Klischee ade von Niko Rittenau).

Konsum von Soja unbedenklich

Verschiedenste internationale Organisationen wie die American Cancer Society oder die British Dietetic Association sind sich darüber einig, dass der Konsum von Sojaprodukten vor hormonsensitiven Krebsarten schützen kann. Grund dafür: die enthaltenen Phytoöstrogene, wie etwa Isoflavone. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung vermeldet, „dass die Aufnahme von Isaflavonen im Rahmen einer normalen Soja-Kost bei üblichen Verzehrmengen nach dem gegenwärtig wissenschaftlichen Kenntnisstand als unbedenklich angesehen werden kann.“

Neben meinem Ökotrophologie-Studium und der Ausbildung zur Journalistin habe ich auch als Flugbegleiterin die Welt unsicher gemacht. Neugierig, abenteuerlustig und immer hungrig: Auf der Suche nach der perfekten Welle und der besten Açai-Bowl futterte ich mich schon durch mehr als 80 Länder.