Fütterer is(s)t anders: Vegane Ernährung = Mangelernährung?

Eine vegane Bowl

Elina Fütterer ist Ökotrophologin, Yoga-Lehrerin und Surfer Girl. In ihrer Kolumne schreibt sie über die wichtigste Hauptsache der Welt: Essen. Genuss ist ein Muss – ohne dabei Gesundheit, Nachhaltigkeit und Ethik außer Acht zu lassen. Elina nimmt euch mit auf ihre kulinarische Reise. 

„Vegane Ernährung? Ich denke da ja an: Mangelerscheinungen.“ Meine Kollegin im Erste-Hilfe-Kurs beäugt erst kritisch den Inhalt meiner Tupperdose (Porridge mit Zimt, Banane und Nussbutter) und mustert mich anschließend vom Pferdeschwanz bis zu den Zehenspitzen. Dass ich nur zwei Stunden geschlafen habe und Augenringe bis zum Kinn habe, hilft in der Situation leider nicht. Sie schüttelt den Kopf, beißt beherzt in ihr Käse-Schinken-Croissant und nuschelt: „Das kann ja nicht gesund sein.“ Ich bin eindeutig zu müde, um zu diskutieren. Also verdrehe ich innerlich die Augen, überhöre den Kommentar und löffele stumm weiter meinen Frühstücksbrei. Wir schreiben das Jahr 2021 – und noch immer sind Situationen wie diese keine Seltenheit. Das Gerücht, vegane Ernährung sei ungesund und führe früher oder später zu einem Nährstoffmangel, hält sich hartnäckig. 

Kritische Nährstoffe in der veganen Ernährung

Damals hat eigentlich nur gefehlt, dass mich meine Kollegin gemäß den Erste-Hilfe-Maßnahmen in die stabile Seitenlage bringt und mir eine Portion Sauerstoff verabreicht, damit ich wieder zu Kräften komme. Oder am besten gleich ein blutiges Steak, als Therapiemaßnahme sozusagen. Da ist schließlich Eisen drin. Und Eiweiß! 

Wie auch der Kommentar meiner Kollegin sind andere Sprüche oft zwar gut gemeint, oft aber auch absolut unnötig und unreflektiert. „Woher kriegst du denn dein Protein?“

„Aber in Milch ist doch Kalzium?!“ „Mach das mit diesem vegan lieber nicht zu lange.“

Ich finde: Wer Kommentare über die Ernährung von anderen macht, sollte sich wie so oft erstmal an die eigene Nase fassen. Und sich informieren, bevor er*sie darüber urteilt.

Auch ohne Fleisch, Fisch und Milch ist es möglich ohne Nährstoffmangel über die Runden zu kommen. Ich ernähre mich seit acht Jahren vegan – und lebe immer noch. Tatsächlich bin ich kerngesund und meine Blutwerte sind eins A. Dennoch gibt es in der veganen Ernährung (wie auch in einer Ernährung mit Fleisch!) ein paar Vitamine und Nährstoffe, die man im Auge behalten sollte. Wer über Jahre hinweg täglich fröhlich Pommes und Tofuwurst futtert, darf sich natürlich nicht wundern, wenn ihm nach einiger Zeit ein paar Nährstoffe fehlen. Das gilt auch für alle Fleischliebhaber*innen, die mit den Begriffen Pak Choi oder Macadamia nichts anfangen können. Einseitige Ernährung ist niemals gesund – egal ob mit oder ohne Fleisch, Fisch, Milch und Eiern. 

Neben meinem Ökotrophologie-Studium und der Ausbildung zur Journalistin habe ich auch als Flugbegleiterin die Welt unsicher gemacht. Neugierig, abenteuerlustig und immer hungrig: Auf der Suche nach der perfekten Welle und der besten Açai-Bowl futterte ich mich schon durch mehr als 80 Länder.