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Doku zum Fyre Festival: Die Party, die nie stattfand

Es hätte die beste Party werden sollen. Stattdessen wurde es eine einzige Katastrophe.

Der Traum von Rapper Ja Rule und Unternehmer Billy McFarland ist geplatz: Das Fyre Festival sollte ein luxuriöses Musik-Festival werden, stattdessen wurde es eine Katastrophe, die von Minute zu Minute schlimmer wurde. Das ist die Geschichte, Wahnsinn gegen Genie 1:0.

Achtung! Der Artikel enthält Spoiler zur Netflix-Dokumentation FYRE: The Greatest Party That Never Happened

 

Wie alles begann: Billy und Ja Rule hatten die Fyre Music Booking App entwickelt, die es Privatpersonen erleichtern sollte, Künstler zu buchen, zum Geburtstag zum Beispiel. Um diese App zu promoten, wollten sie ein Festival organisieren – eigentlich eine gute Idee. Billy hatte auch schon einiges an Erfahrung in der Event-Planung gesammelt: Party für Freunde, exklusive Treffen zu Winetastings, Dinner-Partys und und und. Allerdings beschränkten sich diese Veranstaltungen stets auf etwa 60 Personen – nicht auf 6000, was noch ein Problem werden wird.

Aber bleiben wir bei der Person Billy McFarland: Er ist einer der Menschen, die dir einfach alles verkaufen können. Er hat ein Händchen für Geschäfte, einen exklusiven Lifestyle, lebt in einer New Yorker Penthouse-Wohnung und fährt einen Maserati. Und auch für das Fyre Festival scheute er keine Kosten und stellte sich ein Team aus den Besten zusammen, die Crème de la Crème von Grafik, Social Media und Marketing. Was soll da schon schief gehen?

 

Großer Plan, riesiges Desaster

 

Die Planung beginnt: Im Dezember starteten die Vorbereitungen, stattfinden sollte das Festival am letzten April- und am ersten Mai-Wochenende. Was schon für erfahrenste Veranstalter eine heikle Angelegenheit ist, wird für Bill und Ja Rule der berüchtigte Wettlauf gegen die Zeit. Vier Monate lang kämpfen Genie und Wahnsinn miteinander. Aber anstatt mit sinnvollen Entscheidungen gegen die Zeit anzukämpfen, rennt Billy vielmehr mit der Zeit. Alle paar Minuten trifft er eine neue Entscheidung, die nur noch verheerender ist. Man kann zusehen, wie die Planung des Festivals den Bach runtergeht.


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Eines muss man Billy und seinem Team lassen: Ihre Marketing-Strategie ging voll auf. Es war ihr erstes Festival und es war sofort ausverkauft. Sie bezahlen Promis und Influencern irrsinnig hohe Summen an Geld, damit sie Werbung für Fyre machen – und es funktioniert. Unglaublich viele Leute kaufen sich ein überteuertes Ticket für ein Event auf einer Insel, von dem nichts weiter als ein Promofilm existiert.

 

Wenn nichts mehr geht, geht Sex

 

Jetzt geht’s los: Entgegen aller Ratschläge macht McFarland weiter, schließt Verträge in Millionenhöhe und ist ständig auf der verzweifelten Suche nach Investoren und Geld. Billy kann kein Nein akzeptieren und Gegenrede schon gar nicht. Jeden, der an den Plänen zweifelt und Bedenken hat, schließt er vom Team aus. „We’re not a problems-focused group. We’re a solutions-oriented group“, erkärt er. Das absurdeste aller Beispiele für diese Einstellung: Der Zoll verlangt 175.000 Dollar für den Import des bestellten Trinkwassers. Eine Summe, die Billy nicht auftreiben kann. Also bittet er einen Kollegen dem Zollbeamten einen Blowjob zu geben. Noch erschreckender: Der Kollege macht sich wirklich auf den Weg, um genau das zu tun – um das Festival zu retten. Spoiler: Er bekommt das Wasser auch ohne sexuelle Gegenleistung.

Es ist unverständlich, wie Billy weiter auf seine Festival-Idee versessen sein kann, obwohl schon alles dem Untergang geweiht ist: Es gibt zwar Zelte, die so geräumig sind, dass jeder Rock-Im-Park-Besucher nur davon träumen kann. Diese sind aber nichts für Menschen, die dafür bis zu 12.000 Dollar ausgeben und denen eine Villa versprochen wurde. Oder die Armbänder zum bargeldlosen Bezahlen. Es ist keinerlei Infrastruktur dafür vorhanden, um wirklich damit zu zahlen – das Geld, das im Vorfeld auf die Bänder geladen wurde ist also für die Katz. Auf dem Gelände des Festivals: Die versprochenen Musiker tauchten nie auf, die Gäste standen ohne Unterkunft da, die versprochene Verpflegung glich einer Gefängnis-Mahlzeit, genau wie der Zeltplatz und zu allem Übel wurden auch noch unzählige Taschen und Wertgegenstände von Einwohnern gestohlen.

Die wahren Leidtragenden sind aber auch die Bewohner der Insel: Da wäre Maryann Rolle, die auf den Bahamas einen Cateringservice leitet und plötzlich Fyre bewirten soll. Die Gehälter ihrer Mitarbeiter belaufen sich später auf 50.000 Dollar, die sie von ihren eigenen Ersparnissen zahlen musste. Von Fyre erhielt sie keinen Cent. Dass es ihr anfangs zugesichert wurde, spielt für sie keine Rolle mehr. Wenn sie darüber spricht, kommen ihr die Tränen. Mittlerweile gibt es dazu einen Spendenaufruf auf GoFundMe, der in 15 Tagen über 200.000 Dollar erreichte.

 

Betrug sieht nicht mal auf Instagram gut aus

 

Nur das Ziel im Auge hat Billy seine Scheuklappen aufgesetzt und am Ende verschließt er seine Augen endgültig vor der Realität: Denn was er da macht, ist Betrug. Er lässt Leute für etwas zahlen, das es nicht gibt. Alle, die auf ihren Social Media-Kanälen Werbung für das Festival gemacht haben, haben die Posts gelöscht und sich bei ihren Followern entschuldigt.

Von Zielstrebigkeit kann in Billys Fall keine Rede mehr sein. Es zeigt vielmehr, wie weit einen der Größenwahn treiben kann. Den Preis, den er dafür zahlen muss: Billy McFarland sitzt seit Januar für sechs Jahre im Gefängnis, ihm wurde verboten, jemals wieder ein börsennotiertes Unternehmen zu leiten. Inwieweit sich auch die Influencer strafbar gemacht haben, ist noch nicht klar. Seitdem die Dokumentation auf Netflix gestartet ist, wird der Prozess wieder neu aufgerollt.

 

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Bildquelle: John via Flickr unter CC BY-SA 2.0-Lizenz

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