Hassobjekt: Fahrradfahrer, die sich an jeder Ampel wieder vor dich stellen

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Jeder kennt sie, jeder hasst sie und doch brauchen wir sie wie die Luft zum Atmen: Nervige Klientele und unnütze Gegenstände des Alltags, über die man sich so richtig schön echauffieren kann – da geht es den ZEITjUNG-Autoren nicht anders. Deshalb lassen wir unserer Wut in der Reihe „Hassobjekt“ einfach freien Lauf und geraten überspitzt in Rage. Eins ist sicher: Nichts ist uns heilig und keiner wird verschont. Dieses Mal auf der Abschussliste: langsame Fahrradfahrer, die sich an jeder roten Ampel wieder vor dich stellen.

 

Eigentlich habe ich gerade gar keine Zeit diese Hasstirade zu verfassen. Und das liegt nicht nur an den 21 (EINUNDZWANZIG!!!) Ampeln, die ich auf meinem Weg zur Arbeit überqueren muss und die mich wahnsinnig viel Zeit kosten. Nein, das liegt auch an jenen Fahrradfahrern, die ich zwischen Ampel 2 und 3 das erste mal überholt habe.

Könnte ich mir morgens die Zeit sparen, die drauf geht, um ständig wieder ein geeignetes Schlupfloch zu finden, um nicht von tobenden, rücksichtslosen Autofahren überrollt zu werden, während ich diese lahmarschigen Radler überhole, gäbe es wohlmöglich auch die Chance an Ampel 4-21 mal nicht stehen bleiben zu müssen. Aber wie es das Schicksal des gestressten In-die-Arbeit-Radlers nun mal so will, stehen meist alle Ampeln auf Rot. Und rot sehe ich dann auch, wenn ich ihn oder sie sehe.

Zum 14. Mal an diesem Morgen. Denn ich sehe ihre Rückansicht, beim ersten überholen. Ihr Profil, wenn sie sich an der nächsten Ampel wieder an meinem Drahtesel vorbei drängen und erneut ihre Rückansicht, wenn sie dann vor mir stehen. Sie stehen also vor dir und übersehen – na klar! – auch wenn die Ampel auf Grün schaltet. Doch damit nicht genug: Sie treten in die Pedale. In einer Geschwindigkeit, die du gar nicht fassen kannst. Und zwar nicht, weil sie so schnell sind wie der Wind, sondern weil du neben ihnen Handstände machen und Purzelbäume schlagen könntest. Selbst dabei würdest du sie noch überholen.

 

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Die Zeit läuft

Versteht mich nicht falsch, das hier ist kein Aufruf durch die Straßen zu rasen, ich respektiere wirklich jeden – ich ziehe sogar meinen Hut vor ihnen – der es morgens schafft das Haus derart pünktlich zu verlassen, um in aller Seelenruhe durch die Stadt zu tingeln. Habe ich keine Termine und einen ordentlichen Zeit-Puffer, dann macht es sogar Spaß das Treiben der Stadt zu beobachten, sich die Sonnenstrahlen auf die Nase knallen zu lassen und mit einem Grinser im Gesicht durch die Gassen zu fahren. ABER ich würde NIEMALS auf die Idee kommen, mich an Ampeln, Kreuzungen und an Zebrastreifen vor gestresste Radfahrer zu stellen. Ich würde niemals auch nur daran denken den Bürgersteig dafür zu nutzen, um auch ja die Pole-Position zu ergattern, nur um dann erneut von einer Horde wütender Mitmenschen überholt zu werden. Es ist ja nicht so, dass nur ich hinter ihnen auf das grüne Licht warte. Morgens auf dem Weg zur Arbeit kann es schon mal vorkommen, dass sich eine immens lange Schlange bildet und sie alle haben ein Ziel: Nicht zu spät kommen.

Danke. Für. Nichts.

 

Was denkt ihr euch dabei?

Wahrscheinlich nichts. Vielleicht: Vorne steht’s sich so viel schöner. Vorne, da können alle mein Radl bewundern, das ich mir gerade sündhaft teuer anfertigen lassen habe. Vorne mit dabei sein, ist alles. Fürn Arsch ist es, mehr nicht. Schon kleinen Kindern wird gelernt, dass man sich hinten anstellen muss. Vordrängeln ist uncool und es bringt dir genau eins: Unbeliebtheit. Nach Ampel 8, sprich du wurdest bereits 6 Mal überholt, sollte es dir doch langsam, aber sicher klar sein: Es bringt dir nichts. Langsam, aber sicher sollte doch dein Spezialgebiet sein. Und das ist auch gut so, aber verdammt nochmal: Brems nicht alle andern damit aus. Bitte, sonst krachts. Im wahrsten Sinne des Wortes.

 

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Bildquelle: Unsplash unter CC0 Lizenz

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