Hassobjekt: Die ewige Suche nach einem verdammten Parkplatz

Hassobjekt Parkplatzsuche

Jeder kennt sie, jeder hasst sie und doch brauchen wir sie wie die Luft zum Atmen: Nervige Klientele und unnütze Gegenstände des Alltags, über die man sich so richtig schön echauffieren kann – da geht es den ZEITjUNG-Autoren nicht anders. Deshalb lassen wir unserer Wut in der Reihe „Hassobjekt“ einfach freien Lauf und geraten überspitzt in Rage. Eins ist sicher: Nichts ist uns heilig und keiner wird verschont. Dieses Mal auf der Abschussliste: Die Parkplatzsuche.

 

Welcher Autofahrer kennt ihn nicht, den erleichternden Moment, wenn man nach der 23. Runde um den Block eine Parklücke entdeckt hat. Endorphin-getränkt, erleichtert und mit einem Grinsen im Gesicht setzt man den Blinker. Die Musik wird ausgemacht oder mindestens um die Hälfte der Lautstärke reduziert, denn mit Beschallung auf den Ohren sieht man nun mal nichts. Es folgt ein Blick in den Rückspiegel – schadenfroh: „Das ist meiner! Ganz allein meiner!“

Der Wagen rollt also langsam nach vorne. Zufriedenheit macht sich breit und zack: da steht er, ein kleiner Smart vorne am vordersten Rand der Lücke, sodass dahinter noch ein zweiter seiner Spezies Platz gefunden hätte. Hat euch – ihr lieben Smart-Fahrer – niemand beigebracht, dass man platzsparend handeln soll: durftet ihr euer Bobby-Car mitten im Esszimmer parken? Durftest DU das?! Nein?! Wieso um alles in der Welt machst du es dann? Hast du es wirklich nötig, so deine Macht zu demonstrieren? Nur weil du klein bist, hast du nicht das Recht dazu auf diese Weise deine fehlende Größe zu kompensieren. Oder noch schlimmer: Motorradfahrer. Diese über-coolen Menschen, die denken sie sind die Größten, indem sie ihr Gefährt am besten gleich quer über zwei Parkplätze abstellen. Ya, ma, ha, das nervt! Hondanke für Nichts! Harley Davidso’n Arsch!

Frustriert wird also der Blinker gelöst. Es folgt ein Blick in den Rückspiegel – schadenfroh grinst der Fahrer hinter mir und denkt sich: „Du nicht! Nicht vor mir!“

 

Die Karawane zieht weiter

 

Weiter geht’s: Runde 24 here we go, bei sommerlichen 27 Grad hat man ja schließlich auch nichts Besseres zu tun. Aber hey, ganz ehrlich: selber Schuld! Hätte ich mein Fahrrad genommen, wär ich schon längst am See – vielleicht sogar mit einem kühlen Radler in der Hand. Das Einzige, das ich so nach wie vor in der Hand halte, ist mein Lenkrad und gelegentlich die Gangschaltung: jederzeit dazu bereit den Rückwärtsgang einzulegen, um jemandem – großzügig wie ich bin – den Weg aus seiner Parklücke heraus frei zu machen. Gesagt, getan. Wieder kann ich mein Glück kaum fassen, doch bevor sich erneut Zufriedenheit breit macht, sehe ich die Lücke: Wie zur Hölle soll da ein Auto rein passen? Sehe ich so aus, als hätte ich immer Lineal und Lupe zur Hand?! Hier ist Millimeterarbeit gefordert. Wen wundert’s, der Wagen daneben hat ja auch die Größe einer Limousine. Klar, braucht man ja auch in der Stadt.

Hin und her, her und hin, ein kurzer Blick in den Rückspiegel – schadenfroh grinst der Fahrer hinter mir (noch immer) und denkt sich: „So nicht! Das schaffst du nie!“
Pressure – die Schlange hinter mir wird länger. Unbekannte werden zur Konkurrenz erklärt. Es entwickeln sich Gefühle gegenüber Personen, die ich nie zuvor gesehen habe, aber ich kann ihn wirklich nicht leiden, den Typen drei Autos hinter mir, der ungeduldig seine Hand aus dem Fenster streckt und auffälliger als notwendig nach Luft schnappt. Gerade so, als wäre er übergeschnappt – vielleicht bin es aber mittlerweile auch ich, die den letzten Nerv verliert. „…mach’s doch besser!“

 

Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen

 

Notgedrungen gebe ich also auf. Niedergeschlagen trete ich Runde 25 an, kurz davor ganz zu resignieren: Ich fahre einfach nach Hause. Aber Moment mal: Als wär’s da nicht das Selbe in Grün. Anwohnerparkplätze sind schließlich genau so selten frei, wie Sitzplätze in Pendler-Zügen. Als Anwohner spart man sich aber immerhin immense Parkgebühren, auf die man nach Minimum 20 Minuten Parkplatzsuche wirklich gerne verzichtet. Apropos Pendler-Züge: Zugfahren wäre natürlich auch eine Alternative gewesen – könnte mir diesbezüglich aber bitte noch jemand verraten wie ich vom Bahnhof am Rande der Welt wieder weg komme?! Okay, das ist ein anderes Thema.

Zurück zur Parkplatzsuche und jetzt mal ernsthaft: Jeder Autofahrer kennt sie doch, diese lästige Suche nach der Nadel im Heuhaufen und obwohl ich ab und zu (ich besitze noch nicht mal ein eigenes Auto) selbst dazu gehöre, also ein Teil dieses Autokorsos bin, stelle ich mir nach Runde 26 wirklich die Frage: Wie viele dieser parkenden Autos parken hier zu Recht? Musste hier jemand ein Regal transportieren, hat der Fahrer des Smarts vielleicht Hüftbeschwerden oder ist der Durchschnitts-Autofahrer einfach nur ziemlich faul. Gerade in der Stadt mit dem Angebot öffentlicher Verkehrsmittel und den – more or less – gut ausgebauten Fahrradwegen, braucht’s doch nicht für jeden Meter einen rollenden Untersatz mit Motor?!

Ich würde fast dafür plädieren, den Motor aus zu machen und wieder mehr zu Fuß zu gehen, aber da war ja was: dafür braucht es erst einmal einen Parkplatz und diese sind gerade in der Stadt wohl eher Mangelware.

 

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Bildquelle: Unsplash unter CC0 Lizenz