In KITZ treffen Welten aufeinander. © Walter Wehner

Interview mit Valerie Huber und Ben Felipe

ZEITjUNG: Als so große Plattform hat Netflix ja eine enorme Verantwortung, was die Darstellung von Vielfalt angeht. Was bedeutet es euch, Teil von KITZ zu sein?

Valerie: Mir persönlich ist es sehr wichtig, dass man nicht nur eine Serie macht, die unterhaltsam ist, sondern die auch einen sozialkritischen Aspekt hat. Die Diskrepanz zwischen reich und normal in Kitzbühel, das ist ja die Realität. Ich finde es echt gut, dass KITZ das anspricht. Und natürlich habe ich mich voll gefreut, als die Anfrage für diese Serie kam, weil es Netflix ist und ich schon immer etwas für so einen großen Streamer machen wollte.

Ben: Ich glaube, dass bei KITZ für jede*n etwas dabei ist. Das finde ich, ist das Tolle an der Serie, dass sich jede*r mit irgendeiner Figur identifizieren kann, egal wen man liebt, was man liebt, was man macht, was man tut, wo man herkommt, welchen Background man hat. Und dass reiche Menschen nicht nur Party machen, sondern auch Probleme haben, die sie umtreiben – das zu zeigen, fand ich an der Serie so aufregend.

Ben Felipe als Hans und Zoran Pingel als Kosh. © Walter Wehner

ZEITjUNG: Was findet ihr an euren Figuren am spannendsten? Mit was könnt ihr euch am meisten identifizieren?

Ben: Hans ist eine sehr loyale Person, die für andere Menschen einsteht und diese auch verteidigt – nur sich selbst nicht so wirklich. Zu seinen Gefühlen und seiner Sexualität stehen und wissen, wer man eigentlich ist, das fehlt Hans total. Das fand ich unglaublich spannend und schön an der Rolle.

Valerie: Ich finde Vanessa als Figur total spannend, weil man als Schauspieler*in immer einen Bogen sucht, den man spielen kann. Die Figur fängt an einem Punkt an, verändert sich aber während des Verlaufs der Serie. Dieses ganz Oberflächliche, Bitchige, rauszulassen, macht natürlich immer irgendwie Spaß. Und dann kommt der Zerfall der Rolle, das Bröseln dieser oberflächlichen Figur, die in Wahrheit überhaupt nicht so ist, wie sie dargestellt wird. Es war auch gar nicht schwer, Vanessa zu spielen. Ich habe einfach all das verkörpert, was ich persönlich nicht ausstrahlen will.

Valerie Huber als Vanessa und Krista Tcherneva als Pippa. © Walter Wehner

ZEITjUNG: Von wem habt ihr euch inspirieren lassen?

Valerie: Vor dem Dreh habe ich mir z. B. Gossip Girl reingezogen.

Ben: Vor ein paar Jahren war ich selbst für ein Praktikum auf einem Bauernhof. Damals habe ich Tagebuch geschrieben und mir daraus ganz viele Informationen geholt und mich zurückerinnert, wie so ein Alltag auf einem Bauernhof ist. Ich versuche auch immer, Leute zu beobachten, wenn ich unterwegs bin. Für die Figur Hans war mir wichtig, eine gewisse Körperlichkeit mit reinzubringen.

ZEITjUNG: Was habt ihr beim Dreh gelernt?

Ben: Für mich war das ja die erste wirklich große Rolle. Ich habe gelernt, mit einem hohen Pensum umzugehen. Klar macht man auch Fehler, aber auch diese bringen einen weiter.

Valerie: Dadurch, dass wir fast jeden Tag am Set waren, bin ich wirklich das erste Mal richtig in eine Figur reingekippt. Ich halte nichts von Method Acting, aber bei KITZ habe ich doch Sachen von meiner Figur übernommen, obwohl ich das normalerweise gut trennen kann. Ich habe dann mit Freunden telefoniert und mich gefragt: Wo kommt das denn jetzt auf einmal her? Es war sehr interessant zu beobachten, was das mit einem macht, wenn man sich so lange und intensiv mit einer Figur beschäftigt.

ZEITjUNG: Erwachsenwerden ist geprägt von Unsicherheiten, Ängsten und Selbstzweifeln. Was findet ihr, ist das Schönste daran?  

Ben: Ich bin selbst noch nicht so wirklich erwachsen, sondern wahrscheinlich immer noch auf dem Weg dahin. Für mich ist das Schöne, wenn man jung ist, tatsächlich, dass man noch nicht so viele Vorurteile dem Leben gegenüber hat. Man ist natürlich geprägt durch Dinge, die in der Kindheit passiert sind, aber man macht noch neue Erfahrungen und hat dann ab einem gewissen Alter auch die Segel selbst in der Hand.

Valerie: Ja, ich sage immer: Don’t grow up, it’s a trap (lacht) – besonders in unserer Branche. Wir werden ja nie wirklich erwachsen. Aber ich glaube, das Schöne daran ist, dass man mit der Zeit immer zufriedener mit sich selbst wird.