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Liebeserklärung an: Bruce Springsteen

Du, Bruce Springsteen, hast mir das Tor zu der Rockmusik geöffnet, die inhaltlich etwas besitzt, das man Anspruch nennt. Du hast Lieder erschaffen, die in die Tiefe gehen und mich dazu anregen, mein eigenes Dasein zu hinterfragen.

Hier brennt nirgendwo Licht: Darkness on the Edge of Town

 

Genauso wie du habe ich die Existenz eines Arbeiters nie selbst, sondern ebenso lediglich aus zweiter Hand, durch meinen Vater, erfahren. Dennoch kann ich mich mit vielen Botschaften deiner Songs identifizieren, vor allem mit jenen des Albums „Darkness on the Edge of Town“. Um dieses Machwerk von dir in Kurzform zu beschreiben: Ein junger Mann hat seine Jugend hinter sich, erlebt die ersten Jahre des Erwachsenseins. Und er realisiert: Das ist doch alles Mist.

 

Deinen ganzen Zorn, deine ganze Verzweiflung hast du hier in zehn Songs gepackt, die zum Ausdruck bringen, wie hart der Alltag ist. Nicht, dass es in suizidalen Gedanken ausartet, das wäre übertrieben. Und doch ist die Botschaft klar: Die Welt ist kalt und unbarmherzig. Jeder junge Mensch trägt Ballast mit sich herum, für den er gar nichts kann: „You’re born into this life paying for the sins of somebody else’s past“. Du, Bruce Springsteen, hast im Song „Racing in the Street“ die Dualität aus Verzweiflung und Liebe so herrlich beschrieben, wie es niemand sonst kann:

 

„She sits on the porch of her daddy’s house, but all her pretty dreams are torn. She stares off alone into the night with the eyes of one who hates for just being born“.

 

Du bist mir sympathisch, weil du Pech hattest

 

Apropos Verzweiflung: Auch deshalb bist du sympathisch. Du warst naiv und hast unglückliche Entscheidungen hinsichtlich deiner Songs getroffen. Drei deiner selbst geschriebenen Songs hast du an andere Künstler „weitergegeben“, die damit in den USA Hits landeten. Und auch „Hungry Heart“ wolltest du erst den Ramones geben. Dein erster Hit. 1980, sieben Jahre nach Veröffentlichung deines Debüt-Albums. Da hatte jemand Geduld.

 

Labbrig wie eine Scheibe Weißbrot

 

Durch manche Songs nuschelst du dich von Silbe zu Silbe. Dabei schließt du deine Augen, schiebst deinen Unterkiefer nach vorn und spannst ihn an, sodass deine Stimme auf einmal anders klingt. Das mag manchen nicht gefallen. Mich beeindruckt es. Ich habe deine Songs so lange und intensiv gehört, sie dann so lange und intensiv nachgespielt, dass ich das mehr oder weniger unbewusst übernommen habe, wenn ich selbst Musik mache.

Meine Schwester hat diese Singweise, auch wenn sie sie überhaupt nicht mag, sehr interessant beschrieben: Labbrig. Ja, vielleicht ist deine Musik  labbrig wie eine Scheibe Weißbrot, Bruce Springsteen. Auf den ersten Blick, auf den ersten Hör, nichts Besonderes. Aber wenn man sie erst mal richtig auskostet, lang genug kaut, kommt man auf den Geschmack. Ich habe mich durchgebissen. Danke, Bruce Springsteen.

 

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Bildquelle: Niklas Nowak

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