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Liebeserklärung an: Heimweh

Eigentlich fühlt sich Heimweh nicht besonders gut an – und doch hat es so viel Potenzial, wenn man ihm nur mal bisschen Platz gibt.

Es sind die kleinen Dinge, die uns unseren tristen Alltag versüßen und das Leben ein bisschen besser machen. Ob es hübsche Gänseblümchen sind, die am Straßenrand wachsen oder eine Kugel deiner liebsten Eissorte – wir alle haben kleine Muntermacher in unserem Alltag, über die wir nur selten ein Wort verlieren. Das soll sich jetzt ändern! Wir bieten euch eine Liebeserklärung an die kleinen Dinge, die uns in stressigen Situationen retten, an schleppenden Tagen motivieren oder uns die guten Tage versüßen!

Liebes Heimweh,

du bist so viel. Menschen, Düfte, Stimmungen, der kleine Laden ums Eck, der Schein der grünen Ampel, der abends ins Zimmer leuchtet und viel zu schnell auf rot wechselt.
Liebes Heimweh, wir haben uns lange nicht gesehen. Fast fünf Monate, in denen ich nur einmal zuhause war, hast du dich nicht blicken lassen. Ich dachte schon, du hättest mich vergessen. Denn früher als Kind, aber auch als junge Erwachsene noch, hast du mich häufig begleitet. Egal ob ich nur eine Nacht bei den Großeltern schlief, eine Woche mit Freunden in Manchester feierte oder drei Monate in einem Hostel in Puerto Rico festsaß, du warst immer dabei.
Natürlich hat mich das genervt und natürlich hat es auch meine Eltern genervt, wenn sie doch nur einmal ein freies Wochenende gewollt hätten. Und natürlich habe ich versucht, mit dir umzugehen, deine guten Seiten zu sehen, wenn ich dich schon nicht ganz aus meinem Herzen vertreiben konnte. Doch hier in München, wo ich nun seit fast fünf Monaten wohne, bist du – so sehr ich auch mit dir rechnete – nicht aufgekreuzt.

 

Bis jetzt

Denn als ich vor ein paar Tagen aus einem wirren Traum aufwachte und noch versuchte, mich zu orientieren, hast du mir mit eiserner Faust in die Magengegend gehauen. Ich war geschockt – aber immerhin dann wach. Und naja, dann bin ich eben zur Seite gerutscht und hab dich in mein Bett gelassen. Denn gegen dich zu kämpfen wäre sinnlos gewesen und schließlich hatte ich dich ja lange nicht gesehen.

Also habe ich dir Raum gegeben. Du zeigtest mir Bilder aus meinem Traum und aus meinen Erinnerungen, wie ich mit meinen besten Freundinnen in unserer alten WG am Tisch saß und wir zusammen Weihnachtsgeschenke bastelten. Wie dazu Michael Bublé aus den Boxen trällerte und in der Küche der Pflaumen-Marzipan-Tee duftete. Oder wie ich bei meiner Familie zuhause abwechselnd mit unserem Hund kuschelte, meinem Papa half, das Gartenhaus anzumalen oder im Armdrücken kläglich gegen meine 9 Jahre jüngere Schwester verlor. Und ich weinte ein bisschen. Weil’s so schön war, weil’s so weit weg ist und weil ich weiß, dass ich zumindest für meine kleine Ewigkeit hier, nicht wieder zurück möchte.

 

Du sagst nicht „Daheim ist alles besser“

Liebes Heimweh, ich wusste du würdest verfliegen, sobald ich nur das Fenster aufmache und Münchner Stadtluft schnuppere. Deshalb habe ich dich noch etwas länger bei mir im Bett gelassen. Aber vor allem weil ich weiß, dass du enorm viel Potenzial freisetzen kannst: Du lehrst uns unser Zuhause zu schätzen. Du rufst uns in Erinnerung, dass wir irgendwo geliebt werden und wenn hier alles zusammenbricht, ein Zuhause auf uns wartet. Dass wir frei sind zu gehen, aber unsere Wurzeln nicht vergessen. Und du sagst nicht „Daheim ist alles besser“, sondern du zeigst uns, was wir brauchen, um überall auf der Welt ein Zuhause schaffen zu können.

Was ich brauche, mag sehr banal klingen: Tee, Kerzen, eine gemütliche Einrichtung und mein Bastelzeug – vor allem jetzt vor der Weihnachtszeit. Das ist mir dank dir klar geworden. Ich dachte, ich könnte über diese Sachen hinwegblicken. Aber ich merke, egal wie viel Zeit ich hier verbringe, ich brauche das, um mich zuhause zu fühlen. Und ich will mir jetzt Mühe geben, diese Gemütlichkeit und diese Weihnachtsstimmung in das Zimmer zu holen, das jedenfalls für den Moment, mein Zuhause ist. Und der Moment ist doch das was zählt, oder?

 

Hier zuhause

So trinke ich zwar keinen Pflaumen-Marzipan-Tee in Bern, dafür Pflaumen-Zimt in München – und fühle mich zuhause. So besitze ich hier zwar keine eigenen Möbel, aber ich mache sie mit schöner Deko eine Weile zu meinen – und fühle mich zuhause. So vermisse ich zwar meine Freunde und Familie, aber genieße die Zeit hier mit neuen, genauso lieben Menschen – und fühle mich zuhause. Und so freue ich mich über das, was ich habe und das was ich vermisse, und du liebes Heimweh, besuchst mich erst dann wieder, wenn ich das was ich habe und vermisse vergesse, oder es tatsächlich Zeit ist nach Hause zu gehen.

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Bildquelle: Unsplash unter CC0 Lizenz

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