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6 Fragen, 6 Antworten: Wie räume ich zuhause am besten auf?

Ein Gespräch über das Aufräumen.

Die Bilder, die man auf Pinterest speichert, unterschieden sich meist extrem von der Realität: weiße Wände, gemachtes Bett, viele grüne Pflanzen. Alles wunderbar ordentlich. Aufräumen ist im Trend, nicht erst aber vor allem seit Marie Kondo. Zuhause zeigt sich häufig ein anderes Bild: Es stapeln sich Zeitungen, Bücher, leere Kaffeetassen und getragene Pullover neben dem Bett, alles nicht besonders fotogen. Zeit, dass zu ändern. Wir haben mit der Aufräumen-Expertin Veronica Zapp über ihre Tipps gesprochen, um zuhause Ordnung zu halten.

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Was genau macht ein Aufräumen-Coach?

Die Situationen, in denen Menschen sich an mich wenden, sind unterschiedlich. Meistens ist es ihr Wunsch, die eigene Wohnung zu entrümpeln, was fast immer auch mit einer Veränderung im Leben verbunden ist: die Geburt eines Kindes, eine Trennung, ein Umzug. Auch der Tod von Angehörigen ist für viele ein Grund, um ihre Besitztümer mal auszusortieren. Manche wollen auch einfach nur wissen, wie sie den in ihrer Wohnung vorhandenen Stauraum besser nutzen können, auch hierbei helfe ich. Ich unterstütze die Leute dabei, ihren Alltag zu meistern, dazu gehört es eben in erster Linie, mal Ordnung zu schaffen.

Bildquelle: Unsplash unter CC0 Lizenz

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Warum häufen wir im Laufe unseres Lebens so viel Krempel an?

Weil wir unser Herz an Dinge hängen. Gegenstände erinnern uns an Menschen oder Zeiten. Aus diesem Grund behalten wir Abikleider oder Geschenke von Menschen, mit denen wir nichts mehr zu tun haben. Dabei haben wir die Erinnerung in uns, in unserem Herzen. Ich höre häufig: „Das kann ich nicht wegwerfen, das hat mir XY geschenkt, was denkt der denn dann.“ Die Angst vor dem, was andere Menschen denken, gepaart mit dem Gedanken an Eventualitäten, das sind meines Erachtens nach die Hauptgründe für das Aufbewahren von nutzlosen Gegenständen. Die Menschen denken immer, etwas zu einer bestimmten Gelegenheit noch brauchen zu können. Nur dieses Event, das kommt eben nie.

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Was fällt den Leuten besonders schwer auszusortieren?

Kleidung, Bücher, solche Dinge sind noch okay. Schwierig wird es bei wirklich persönlichen Gegenständen wie Bildern oder Erinnerungsstücken. Hier tut es vielen gut, wenn sie beim Aussortieren jemand unterstützt, der mit ihrem Leben und ihrer Situation absolut nichts zu tun hat und ganz objektiv darauf blicken kann. Außerdem helfen in solchen Situationen praktische Tipps. Beispielsweise Kleider, an denen man hängt, die man aber nicht komplett entsorgen möchte, zu einer Decke umzuarbeiten. Oder Fotos von den Gegenständen zu machen, die besonders schwer abzugeben sind. Natürlich ist es auch bei jedem anders, wie viel er besitzen möchte und wie viel er abgeben will.

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Wie mistet man Herzensgegenstände aus?

Ich stelle Fragen und animiere die Leute, ihre Entscheidungen zu hinterfragen. Beispielsweise, wann Klamotten zum letzen Mal getragen wurden und ob man sie heute nochmal zum vollen Preis kaufen würde. Meistens kaufen wir so vieles, das wir nicht brauchen, weil das Wirtschaftssystem uns dazu motiviert. Ein Pulli, der davor 100 Euro gekostet hat, kommt uns für 50 Euro wie eine sehr sinnvolle Investition vor, auch wenn wir bereits 5 schwarze Rollkragenpullover im Schrank hängen haben. Häufig hilft es dann, einerseits die Anschaffungsbedingungen zu hinterfragen und andererseits, sich darauf zu konzentrieren, dass man nicht weiterhin genauso agiert.

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Wie behält man die Ordnung bei?

Wenn man einmal ausgemistet hat, muss man dafür sorgen, dass es nicht wieder so weit kommt. Man sollte nur noch Dinge kaufen und behalten, die man wirklich mag und benutzt. Deswegen ist es so wichtig, seine Gewohnheiten anzupassen. Kleine Rituale können einem dabei helfen. Abends noch einmal für 10 Minuten durch die Wohnung gehen und Kleinigkeiten aufräumen. 10 Minuten jeden Tag helfen einem mehr Ordnung beizubehalten, dann kommt es nicht wieder zu dem totalen Chaos. Einfach noch kurz checken, ob die Spülmaschine eingeräumt ist, solche Dinge. Jeder kennt es, wenn man morgens in die Küche geht, und es sieht bereits aus. Die Stimmung ist dann gleich angespannt, man weiß nicht, wo man anfangen soll. Mit kleinen Schritten erreicht man sein Ziel leichter, als mit großen Hau-Ruck-Aktionen. Kontinuierlicher Prozess ist der Schlüssel, an einem Tag den kompletten Keller aufräumen zu wollen, ist hingegen meist zum Scheitern verurteilt.

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Woher kommt der Trend hin zum Minimalismus?

Ich glaube, das liegt an unserem Leben. An unserem Alltag, der so sehr von der Digitalisierung geprägt ist, von der ständigen Verfügbarkeit. Dauernd will jemand was von uns, wir müssen ständig reagieren. Unsere Wohnung ist unser Rückzugsort, an dem wir uns entspannen können und zur Ruhe kommen. Wenn alles vollgestellt ist, funktioniert das nicht. Kram, der herumsteht ist immer auch eine subtile Erinnerung an das, was wir noch machen müssen. Die Reduktion sorgt für mehr Klarheit im Kopf. Es besteht ein großer Zusammenhang zwischen innerer und äußerer Ordnung. Aus diesem Grund gebe ich auch Kurse im Zeitmanagement, untersuche, wohin die Zeit geht, die Leute so vermissen. Bei den Meisten ist der Grund für das Gefühl, zu wenig Zeit zu haben, dass sie einfach viel zu viele Dinge machen. Zuhause ist es das Gleiche. Wir brauchen einen ganzheitlichen Ansatz, um wirklich dauerhaft Ordnung in unserem Leben zu behalten.

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Beitragsbild: Unsplash unter CC0 Lizenz

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