Liebeserklärung an: die Band Weezer

Liebeserklärung an: Weezer

Alles schwarz und dunkel: Als Weezer fast verschwand

Apropos Beine: Cuomo musste sich 1995 einer Operation an seinen Beinen unterziehen und litt unter höllischen Schmerzen. So schlimm, dass er buchstäblich in ein Loch fiel. Er schottete sich komplett von der Außenwelt ab, malte, kein Scherz, die Wände seines Schlafzimmers schwarz an und verkleidete alle Fenster mit Glaswolle. Genau das war dann auch euer zweites Album – dunkel. Als „Pinkerton“ 1996 erschien, strotzte es vor Selbstmitleid, Weltschmerz und Hass auf alles, was lebt. Inklusive der eigenen Person. Passenderweise heißt es darauf im Song „The Good Life“: „When I look in the mirror, I can’t believe what I see. Tell me, who’s that funky dude staring back at me?“

Es sollte vier Jahre dauern, bis ihr als Band wieder zusammenkamt und neue Musik aufnahmt. Dass ihr kurz darauf die Muppets als Gaststars für eines eurer Musikvideos engagiertet und das Album in einem hellen Grün glitzerte, sprach Bände. Cuomo hatte sein Tal der Tränen durchschritten. Und wir endlich wieder neue Weezer-Songs. Glücklicherweise wechselt sich in diesen immer noch ab, was sie auszeichnet: Mal himmelhochjauchzend, dann wieder melancholisch und schmerzverzerrt.

 

Von vertanen Chancen und verfluchten Sommerlieben

Denn das zeichnet eure Songs aus: Die Gedanken, die mich durchrauschen, wenn ich sie höre und mit Ereignissen aus meinem eigenen Leben verknüpfe. All die vertanen Chancen, die mir bei „Say It Ain’t So“ durch den Kopf gehen. Diese eine Sommerliebe, die mir den Kopf verdrehte und an die ich zurückdenke, wenn „Dreamin’“ aus den Boxen tönt. Oder auch, wie ich mich selbst nach einer schlechten Phase irgendwie wieder ins schöne Leben zurückboxte, wenn ich die ersten Takte von „I Want You To“ höre.

 

Ein bisschen College, ein bisschen Emo, ein bisschen Wut – Weezer eben

Ihr mögt vielleicht in Deutschland gar nicht mal so bekannt und erfolgreich sein. Aber das macht nichts. Denn erstens ist zumindest mir die Qualität eurer Musik bewusst. Und dank dieses Artikel vielleicht jetzt auch ein paar Leuten mehr. Und zweitens habt ihr mit eurer Musik Bands beeinflusst, die heute weltweit erfolgreich und bekannt sind. „Panic! at the Disco“, „ My Chemical Romance“ und „The All-American Rejects“, um mal nur drei zu nennen. Jede dieser Bands ist ein bisschen College-Rock, ein bisschen beißende Ironie, ein bisschen Emo, ein bisschen Wut und Verzweiflung – Weezer eben.

Wer eure Musik hört, bekommt, salopp formuliert, „einen in die Fresse“ und muss trotzdem schmunzeln. Denn, wie heißt es doch in „I Want You To“: „The rest of the summer was the best we’ve ever had. We watched Titanic and it didn’t make us sad.“

Vier Weezer-Songs, die ihr nicht verpassen solltet

 

Say It Ain’t So

Ein Klassiker vom Debütalbum. Alkohol, Wut, Hass auf den eigenen Vater – alles dabei.

 

 

(If You’re Wondering If I Want You To) I Want You To

Bin ich der einzige, der dabei die Füße nicht still halten kann? Vermutlich nicht. ‚Boy Meets Girl‘ at its best.

 

 

 

 

El Scorcho

Ein kleines Juwel von „Pinkerton“. Cuomos Stimme überschlägt sich derart, dass es eine Freude ist.

 

 

 

Lonely Girl

Ein richtig schöner „Schrammler“. Das, was viele Fans als „Classic Weezer“ bezeichnen.

 

 

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Bildquelle: Unsplash unter CC0 Lizenz

Als seine Mutter während der Schwangerschaft versehentlich Goethes "Die Leiden des jungen Werther" verschluckte, war klar: Dieser Junge wird später schreiben. Hat geklappt! Angetan hat es ihm dabei der Spagat zwischen high culture und low culture - nichts ist zu nieder, nichts ist zu himmelhoch! Will heißen: In seinem Regal steht der Nietzsche neben dem Bruce-Springsteen-Songbook, an seiner Wand hängt Hokusais "The Great Wave" neben dem Adventure-Time-Artwork. Wenn er mal nicht in die Tasten haut, um sich (populär-)kulturellen Welten zu widmen, dann findet ihr ihn mit seinen Joggingschuhen im Grünen oder aber mit seiner Gitarre im stillen Kämmerlein.