Liebeserklärung an: Die Dorfkneipe

Home is where your Kneipe is. Bild: Unsplash

Es sind die kleinen Dinge, die uns unseren tristen Alltag versüßen und das Leben ein bisschen besser machen. Ob es hübsche Gänseblümchen sind, die am Straßenrand wachsen oder eine Kugel deiner liebsten Eissorte – wir alle haben kleine Muntermacher in unserem Alltag, über die wir nur selten ein Wort verlieren. Das soll sich jetzt ändern! Wir bieten euch eine Liebeserklärung an die kleinen Dinge, die uns in stressigen Situationen retten, an schleppenden Tagen motivieren oder uns die guten Tage versüßen! 

Ein intaktes Ökosystem ist angewiesen auf die funktionierenden Wechselwirkungen und Beziehungen seiner Bestandteile. Bricht ein Element aus dem Kreislauf aus, stellt dies eine Gefahr für das ganze System dar. Ebenso verhält es sich mit dem Dorf, seinen Bewohner*innen und der Dorfkneipe. Zeit also, dem entgegenzuwirken und sich bewusst zu machen, was die Kneipe so wichtig für die Dorfbewohner*innen macht. 

Das Modell Kneipe scheint weitestgehend ausgestorben. Der Kaffee wird an irgendeinem Automaten gezogen, das Feierabendbier wird zu Hause getrunken und gefeiert wird abends in Bars und Diskotheken. Für die klassische Kneipe scheint da keine Notwendigkeit mehr zu sein – vor allem auf dem Land. Die jungen Bewohner*innen dieses Lebensraumes zieht es vermehrt in die städtischen Gebiete, das Vereinsleben stirbt aus und das Populationsalter erhöht sich von Jahr zu Jahr. Auf die Landflucht der Menschen, der Konsumenten, folgt eine Bedrohung für die nächste Stufe der Nahrungskette, die Dorfkneipe. Sie ist angewiesen auf den Austausch mit den Bewohnern*innen des Dorfes. Fehlen diese aber, kommt es zu einem massiven Kneipensterben.  

In meinem Heimatdorf, am Stadtrand einer Großstadt gelegen, gab es früher mal drei Kneipen und zwei Restaurants. Das weiß ich allerdings nur aus Erzählungen. Mittlerweile gibt es nur noch eine einzige Kneipe. Öffnungszeiten nur von Donnerstag bis Samstag, und selbst dann wird oftmals um 10 Uhr wieder geschlossen – Grund ist mangelnde Kundschaft. Die meisten Mitglieder der ansonsten noch sehr intakten Dorfgemeinschaft verbringen ihre Abende lieber in schicken Restaurants, coolen Bars, im Kino oder im Bowlingcenter und fahren dafür 20 Minuten mit dem Auto. 

Alles was man braucht 

Ich hingegen freue mich die ganze Woche auf die drei Öffnungstage und ärgere mich, dass ich dienstags nicht auch auf ein Feierabendbier vorbeikommen kann. So muss ich bis Donnerstag warten und bin dann einer der ersten Kunden, Freitag oder Samstag oftmals erneut. Denn hier habe ich alles was ich brauche.  

Fußballnerd mit Faible für ein gepflegtes Pils, zwischen Dorfkneipe und Strandbar, zwischen Heimatliebe und Reiselust, zwischen Familie und WG, zwischen Döner und Frutti di Mare, zwischen Instagram und Süddeutsche und zwischen Schlager und Deutschrap.