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Liebeserklärung an: den Montag

Montag ist eindeutig der Muffi-Schlumpf und Spielverderber unter den Wochentagen. Aber er hat auch seine guten Seiten.

Es sind die kleinen Dinge, die uns unseren tristen Alltag versüßen und das Leben ein bisschen besser machen. Ob es hübsche Gänseblümchen sind, die am Straßenrand wachsen oder eine Kugel deiner liebsten Eissorte – wir alle haben kleine Muntermacher in unserem Alltag, über die wir nur selten ein Wort verlieren. Das soll sich jetzt ändern! Wir bieten euch eine Liebeserklärung an die kleinen Dinge, die uns in stressigen Situationen retten, an schleppenden Tagen motivieren oder uns die guten Tage versüßen!

 

Every other day of the week is fine, but whenever Monday comes, you can find me cryin’ all the time. Da sprechen The Mamas & The Papas wohl so einigen aus der Seele, zumindest denjenigen unter uns, für die Samstag und Sonntag das langersehnte Wochenende ist. Und damit sind sie schließlich nicht die Einzigen. Die Bandbreite an Songs, die den Montag verfluchen und am liebsten ausradieren würden, ist groß.

Das ist irgendwie auch einleuchtend. Denn wenn Montagmorgen der Wecker klingelt, dann zerplatzen auf einmal die schönsten Träume, dann ist es vorbei mit dem Freiheitsgefühl, dann verwandeln wir uns in fluchende Grumpy Cats. Wir greifen reflexartig nach der Snooze-Taste (vielleicht kann man die ja so lange drücken, bis wieder Freitag ist?) und pellen uns stöhnend aus dem Bett. Und da schauen wir dann griesgrämig in den Spiegel und in unser Gesicht, und das spricht Bände. Tell me why I don’t like Mondays; I want to shoot the whole day down.

 

Nennen Sie uns den unbeliebtesten Wochentag

 

Würde Werner Schulze-Erdel 100 Leute nach dem unbeliebtesten Tag der Woche befragen, die Antwort wäre wohl eindeutig. Montag ist nämlich nicht nur der Muffi-Schlumpf unter den Wochentagen, er macht auch uns zu echten Muffi-Schlumpfen mit Ekel-Potenzial. Weil er so verdammt unfair ist. Nach diesem hart erarbeiteten und viel zu kurzen Wochenende, an dem wir doch nur die Hälfte geschafft und wieder viel zu wenig einfach nichts gemacht haben, werden wir plötzlich wieder zurück in den Alltag gestoßen: Arbeit, Verpflichtungen, To-do’s und Too-lange-wait’s.

Und trotzdem, liebe Menschen, die ihr gerade mit heruntergezogenen Mundwinkeln denkt Ich hasse Montag! Er hat auch seine guten Seiten, selbst wenn diese eher versteckt unter dem meterhohen Frust-Berg liegen. Man muss ihn nur mal drehen und wenden, dann sieht er gar nicht mehr so grauenvoll aus. Alles ist schließlich auch immer eine Frage der Perspektive, oder?

 

Ode an den Montag

 

Denn Montag ist nicht immer gleich der Miesepeter, der uns den Traum vom ewigen Wochenende zerstört. Er ist auch der Anfang aller Dinge, der Startschuss, mit dem eine Zeitspanne von sieben neuen Tagen beginnt. Und sieben neue Tagen bedeuten ein ganzes Spektrum an Möglichkeiten und Chancen. Wir haben die nächsten 168 Stunden Zeit, schon längst Überfälliges anzupacken, Veränderungen einzuläuten, Pläne in die Tat umzusetzen, Neues auszuprobieren, endlich über den eigenen Schatten zu springen. Anstatt zu jammern müsste man sich jetzt vielmehr auf all das freuen, was noch vor einem liegt.

Montag schubst uns zwar erst mal ins kalte Wasser, aktiviert dafür aber auch unsere Geister und sagt (okay, brüllt): Auf ein Neues! Warum mit allem bis zum Wochenende warten? Wieso den Tag verschenken und ihn stattdessen verfluchen? Es gibt so viele kleine und große Dinge, die unser Leben bereichern, und da wären wir doch schön blöd, wenn wir alles auf die letzten beiden Tage der Woche schieben würden. Die sind dann nämlich wieder so gerammelt voll, dass wir eigentlich eine Auszeit von der Auszeit bräuchten. Kontraproduktiv, oder?

 

Back to reality

 

Aber nicht nur das. Der erste Tag nach dem Wochenende bringt uns auch geregelte Abläufe und eine gesunde Routine zurück, und das ist manchmal dringend nötig. Denn so schön durchtanzte Nächte, Ausschlafen bis in die Puppen, aufgewärmte Pizza zum Frühstück und Faulenzen auch sind, wer könnte ständig im Wochenend-Modus mit Schlaraffenland-Attitüde leben? Im Schlafanzug vor sich hinvegetieren? Mit dem schlechten Sport-Gewissen Zwiegespräche führen?

Montag befreit uns von Trägheit und Völlerei, vom Sonntag-Nachmittag-Blues, von auch mal lästigen Familiengeschichten und Verabredungen, durch die man selbst in der Freizeit eben durch muss. Er mag uns im ersten Moment zwingen und der Spielverderber sein, insgeheim wissen wir aber, dass er Recht hat. Ein bisschen Gemüse, Bewegung, klarer Menschenverstand, Struktur – irgendwas Nützliches hat er immer in petto.

 

Was Goethe dazu sagt

 

Und wer immer noch auf ihn verzichten könnte, weil seine Wochenenden doch so wunderbar relaxed und healthy sind: Irgendwann muss auch das Beste eben ein Ende haben. Das ist einfach so und das wusste auch schon der gute Johann Wolfgang, der sagte nämlich: „Alles in der Welt lässt sich ertragen, nur nicht eine Reihe von schönen Tagen.“ Nach der besten Auszeit muss es also auch einfach wieder ein bisschen unspektakulär und alltäglich werden. Das ist das Yin und Yang des Lebens.

Auch wenn The Cure wohl nie Monday, I’m in love singen werden und der erste Tag der neuen Woche weiterhin der schwerfälligste bleibt – wo der Montag schon mal da ist, kann er doch auch einfach bleiben. Denn ohne dich, lieber Montag, gäbe es schließlich auch kein Wochenende, auf das man sich freuen könnte. Das weiß man doch dank dir erst so richtig zu schätzen.

 

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Bildquelle: Nathan Dumlao via Unsplash

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