LiebesLeben: Wo beginnt Liebe?

Mann und Frau sitzen auf einem Bett

Katja Stenzel malt mit Sprache Bilder auf ihre Wortleinwand. In ihrer Kolumne nimmt sie euch mit in ihr Atelier: Als absoluter Gefühlsmensch schreibt sie über die Liebe und das Leben – ein bisschen philosophisch und ein bisschen psychologisch, mit einem Hauch von Melancholie.

Passend zum Auftakt meiner Kolumne möchte ich zuerst darüber schreiben, wo Liebe eigentlich beginnt. Intuitiv würde man dabei wahrscheinlich an Fragen denken wie:

Und genau das ist der Punkt: In unserer Welt wird Liebe als etwas betrachtet, das zwischen zwei Menschen stattfindet; in liberaleren Kulturen eventuell auch zwischen mehr als zwei Personen.

Auch nach der Duden-Definition ist Liebe stets an einen anderen Menschen geknüpft: Liebe ist demnach ein „starkes Gefühl des Hingezogenseins; starke, im Gefühl begründete Zuneigung zu einem [nahestehenden] Menschen“.

Klar: Ich liebe meine Freund*innen, ich liebe meine Familie und ich habe schon Männer geliebt. Aber das, was ich für einen anderen Menschen empfinde, ist doch letztlich nur ein Ausdruck der Liebe, die ich ohnehin in mir trage. Liebe ist wie ein Feuer, das in mir brennt. Der Unterschied zwischen diesen zwei Erscheinungsformen von Liebe liegt nur in einem kleinen Detail:

Wenn ich jemanden kennenlerne, in den ich mich verliebe, dann lodern Flammen auf. Wenn es in meinem Leben gerade niemanden gibt, den ich auf romantische Weise liebe, dann ist da eher eine Glut in mir.

Andere Menschen entfachen definitiv das Feuer, das ansonsten schlummert. Aber trotzdem ist es immer da. Denn Liebe ist nicht nur, wenn ich einem Mann sage, dass ich ihn liebe.

Liebe ist auch, wenn ich am Meer bin und mich vollkommen wie ich selbst fühle.

Liebe ist, wenn ich mit einem Kissen auf meiner Fensterbank sitze, auf die Straße schaue und dankbar dafür bin, dass ich dieses Leben führen darf.

Liebe ist, wenn ich schreibe.

Ein Freigeist in Freiheit. Ich bin verliebt in den Sommer und schöne Worte. Wenn ich nicht gerade schreibe, sitze ich wahrscheinlich mit einem Roman irgendwo am Wasser. Oder auf alten Zeitungen, um jede Menge Farbe auf unbeschriebene Blätter zu klatschen. Aber am allerliebsten lebe ich: la vida loca!