Frag Oma Karin: Woher weiß ich, dass es Liebe ist?

Woher wissen wir, dass es Liebe ist? Was ist wichtig für eine lange Freundschaft? Und wie finden wir heraus, was wir wirklich wollen? Das Leben ist voller Fragen. Fragen, die wir unseren Großeltern nur selten stellen. Unsere Autorin spricht mit Senior*innen über das Leben und findet: Wir können viel von ihnen lernen.

Oma Karin (79), woher weiß ich, dass es Liebe ist?

„Bei meinem Mann und mir war das ziemlich schnell klar, dass es so was wie Liebe ist. Bei unserem ersten Date sind wir tanzen gegangen. Ich habe immer ein kleines Funkeln gesehen, wenn ich in seine Augen geschaut habe. Er hat mit den Augen gelächelt. Dann habe ich mich wieder ganz schnell an ihn geschmiegt. An diesem Abend haben wir einfach die Zeit vergessen. Alles ging viel zu schnell vorbei. Danach wusste ich, dass ich mit diesem Mann an meiner Seite ein tolles Leben haben werde. Ich habe mich einfach richtig gut bei ihm gefühlt. Es war eine Liebe, die einen umhüllt und in der man sich einfach fallen lassen kann. Dieses Gefühl hat sich auch in den 58 Jahren unserer Ehe nicht verändert. Wir konnten nachts in der Wüste liegen, schweigen und die Sterne anschauen. So waren viele Momente in unserer Beziehung. Wir lagen im Sand am Strand oder im Boot auf dem Meer, mit den Kindern im Arm und haben den Sonnenuntergang angeschaut. Diese Momente möchte ich niemals missen. Die vertrauensvolle Basis und die Momente, die wir teilen konnten, haben unsere Beziehung geprägt. Trotzdem hatte auch jeder eigene Hobbys und Freiheiten. „Der Mensch, den Du liebst, ist nicht Dein Eigentum“ – das hat mir meine Mutter schon früh mit auf den Weg gegeben. Man kann einen Menschen nicht besitzen oder ihn für immer an sich binden. Meinem Mann und mir war das immer bewusst. Natürlich ist Liebe nicht immer leicht! Bei uns war sie das auch nicht. Trotzdem haben wir es bis zum Ende geschafft und uns immer wieder auf unser Vertrauen gestützt. Am Ende des Tages sind wir dann wieder Händchen haltend eingeschlafen jeden Abend. Das ist einfach Glück und das findet man nicht so oft. Deswegen vermisse ich Opa heute sehr.“

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Bildquelle: Illustration von Rupert Gruber

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