Fütterer is(s)t anders: Mandel-, Hafer und Co: Besser für die Kuh, gut für die Umwelt?

Barista im Café

In dieser Kolumne geht es um die wichtigste Hauptsache der Welt: Essen. Genuss ist ein Muss – ohne dabei Gesundheit, Nachhaltigkeit und Ethik außer Acht zu lassen. Elinas Urlaubsvertretung Rahel nimmt euch mit auf eine kulinarische Reise durch die Welt der Kuhmilchalternativen.

Ich stehe vor dem Milchregal im Supermarkt und bin überfordert. So viel Auswahl, so wenige Informationen. Auf der einen Seite ist es natürlich super: Selbst im Rewe in meinem kleinen Dorf gibt es mittlerweile mindestens zehn verschiedene Milchalternativen. Von Erbse über Hafer, Mandel und Soja ist eigentlich alles zu haben. Sogar Lupinenmilch gibt es seit ein paar Wochen. Der Händler liefert, was die Konsument*innen kaufen. Schon schön, diese Entwicklung. Und vor zwei Jahren hätte ich auch noch ungeachtet der sonstigen Faktoren Freudensprünge gemacht, mir den Korb vollgepackt und wäre freudestrahlend nach Hause gelaufen, um mir den Bauch mit Müsli, Pudding und Milchreis vollzuschlagen. 

Heute ist das anders. 

Denn mir geht es nicht mehr nur um Geschmack, sondern auch um die Ökobilanz. Wenn ich keine Milch mehr trinke, weil ich der Umwelt nicht schaden will, dann sollte meine Milchalternative nicht noch schlechter sein. 

Nach einigem Hin und Her greife ich schließlich zu der altbekannten Hafermilch. Nicht so ganz zufrieden zahle ich und laufe heim. Mich lässt die Idee nicht los. Kann ja nicht sein, dass ich hier ständig Leuten erzähle, sie sollen keine Milch mehr kaufen, aber eigentlich gar keine konkreten Argumente habe. Na gut, außer dass Tierleid verhindert wird, aber das interessiert meinen Mitte 50-jährigen Nachbarn leider herzlich wenig. Der Umweltschutz zu Gunsten seiner Enkelkinder hingegen schon. Kenne deine Feinde!

Also mache ich mir einen Milchkaffee und klemme mich hinter den Laptop. 

Website für Website lese ich mich durch Bewertungen, Analysen und Studien. Ich wäge das Für und Wider der verschiedenen Sorten ab, mache mir Notizen und wundere mich über die schiere Menge an Möglichkeiten. Mein Kopf raucht und wenn ich vor meiner Recherche schon verunsichert war, so bin ich jetzt komplett irritiert. Vielleicht belasse ich es in Zukunft doch lieber bei Wasser? Aber dann freut sich möglicherweise Nestlé, also auch keine Alternative. Es hilft alles nichts. Und da ich hier niemandem die Entscheidung abnehmen will, habe ich mich dazu entschlossen, euch einfach die stärksten Argumente zusammenzuschreiben. 

Fangen wir also mit der Sojamilch an: 

Ach Soja, du Klassiker unter den Milchalternativen. Ich erinnere mich noch gut, wie die erste Packung Sojadrink Einzug in das Dorfkaffee meines Vertrauens hielt. Gut, vielleicht waren sie auch einfach genervt, dass meine Freundinnen und ich bei jedem unserer Besuche lautstark verkündeten, wie schade es doch sei, dass es keinen Sojalatte gäbe! 

Spaß beiseite, Sojamilch ist umstritten. Nicht nur aufgrund der vieldiskutierten Isoflavone, die angeblich dem Sexualhormon Östrogen so ähnlich wären. In Asien glaubt man, dass diese vor Krebs schützen, in Deutschland ist man da skeptisch. Nicht, dass Kevin noch Brüste bekommt. 

Doch auch die Anbaugebiete der Sojabohne machen vielen Menschen Sorgen. Denn etwa die Hälfte des weltweit produzierten Sojas stammt aus Südamerika. Bei billiger Sojamilch sollte man also besser genauer hinsehen, um nicht die Abholzung des Regenwaldes zu unterstützen. Viele Hersteller nutzen mittlerweile jedoch Soja aus Europa und schreiben dies auch groß auf die Packungen. Wer noch besser auf sich achtgeben will, sollte zu Bio-Sojamilch greifen. Die verzichtet nämlich auch auf Gentechnik. 

Dorfkind und Wunschgroßstädterin. Veganerin mit Vollmilchschokoladen-Problem. Indie-Fan mit Schlager-Playlist. Frühaufsteherin mit Nachtschwärmersyndrom. Pragmatikerin mit dem Kopf in den Wolken. Unterm Strich: Genauso verloren in meinem Lebensentwurf, wie es meiner Generation immer nachgesagt wird.