„Nona“: Zwischen Wrestling und Kinderbetreuung

Enkelin und Großmutter. © 2021 Disney/Pixar.

ZEITjUNG: Eines der ersten Dinge, die mir an dem Film aufgefallen sind, ist, dass die Charaktere stumm sind. War es eine bewusste Entscheidung, sie nicht sprechen zu lassen?

Gonzales : Ja, weißt du, ich wollte von dem Mittel des Dialogs weg, einfach um das Ganze ein bisschen bunter und anschaulicher zu gestalten. So kann die Enttäuschung der Großmutter beispielsweise unterstrichen werden. Aber ich habe mich schon ganz früh bewusst dafür entschieden, keinen Dialog in die Geschichte miteinzubinden. Der Grund dafür ist, (und das ist auch der Grund, weshalb ich Animation so sehr liebe), dass man dabei eine wohl überlegte, emotionale Geschichte mit allen Charaktermerkmalen der Figuren ohne Dialog erzählen kann und beobachten kann, wie sie handeln und reagieren. Deshalb dachte ich mir, dass meine Figuren nicht sprechen sollten. Ich wollte den Kurzfilm einfach in seiner reinsten Form halten. Das war auch ein Risiko, aber es hat sich einfach richtig angefühlt und deswegen habe ich diese Entscheidung getroffen. Der Zuschauer sollte sich nur auf das, was die Charaktere machen und ihre Reaktionen konzentrieren. 

ZEITjUNG: Und das hat doch wirklich wunderbar funktioniert. Gab es Zeichentrickfilme, die du als Kind gerne geschaut hast und von denen du dich für Nona hast inspirieren lassen?

Gonzales : Das ist ziemlich schwierig zu sagen, weil ich glaube, dass es ziemlich schwierig ist, keine Inspiration aus gewissen Cartoons zu beziehen, die dich persönlich beeinflussen. In meinem Fall kann man kaum sagen, dass mich die Looney Tunes und Tex Avery gar nicht inspiriert haben. Schwierig, sich nicht von Miyazakis Filme (Anmerkung: Der Schöpfer von Studio Ghibli Filmen wie „Mein Nachbar Totoro und „Chihiros Reise ins Zauberland“) oder „Ernest und Celestine“ inspirieren zu lassen. Weißt du, in der Animation gibt es so viele verschiedene Stile und unterschiedliche Arten von Geschichten. Was ich in diesen Film einbinden wollte ist, dass wir ja drei verschiedene Filmabschnitte, also damit auch drei verschiedene stilistische Perspektiven haben, wobei jeder davon eine andere Welt repräsentiert. Als es um die Arbeit mit dem CGI-Anzug (Anm. d. Red.: Dabei handelt es sich um die Technik, mit der Körperbewegungen auf die Zeichentrickcharaktere übertragen werden) ging, haben wir darüber diskutiert, wie wir die Animation verwenden können, um diese verschiedenen Erzählperspektiven voneinander zu trennen. Ich wusste nämlich auch genau, was ich dabei nicht wollte. Etwas, das ich unbedingt verhindern wollte, war zum Beispiel, dass die Großmutter Wrestling schaut, das realistisch ist, also mit den gebrochenen Knochen und allem, was sonst noch dazugehört (lacht). Ich wollte, dass sich der Film anfühlt wie ein Cartoon. Also musste sich der Animationsstil von Welt zu Welt verändern, weil es mal realistisch wirken sollte und mal super-stilisiert und dann am Schluss auch die beiden Stile vereint wurden. Animation war also eine Art visuelle Sprache, um die Geschichte zu vermitteln. 

Sprachbegeistertes Bauernkind mit Fernweh und Leidenschaft für Straßenkunst und Videospiele. Zudem Leserin von Büchern aller Art und stets auf der Suche nach der perfekten Formulierung.