ArbeitstagJobMotivationPlädoyerWork-Life-Balance

Ein Plädoyer an die 4-Tage-Woche

Wir sind zufrieden und unser Arbeitgeber hat motivierte Mitarbeiter. Win-Win also.

Nächste Woche steht ein Feiertag an. Feiertage – also freie Tage – sind Tage an die man sich durchaus gewöhnen könnte. Kurz und knapp: Wir sind Fans des 4-Tage-Arbeitswochen-Rhythmus! Plötzlich haben wir da einen neuen Tag Zeit für uns! Wie oft bekommen wir schon mal Zeit geschenkt? Und wer hätte es gedacht: Trotzdem haben wir Deadlines und Ziele einhalten können. Ist das nicht der ultimative Beweis für all die zweifelnden Stimmen, dass wir es tatsächlich wagen könnten, nur an vier Tagen ins Büro zu kommen?

Vielleicht sitzen wir dafür ein paar Minuten länger am Schreibtisch, aber ein ganzer freier Tag extra ist unserer Meinung nach eine ausreichende Entschädigung dafür. Ein ganzer freier Tag ist so viel mehr Erholung als eine Stunde mehr Zeit am Abend. Und darum geht es schließlich in Zeiten, in denen wir die perfekte Work-Life-Balance anstreben. Könnte das Experiment der 4-Tage-Woche, zu dem uns einige Feiertage freundlicherweise zwingen, der fehlende Schritt in die richtige Richtung sein?

Vier Tage für mehr Balance

Die Personalvermittlung Avantgarde hat in einer Studie herausgefunden, dass sich jeder vierte Deutsche eine kürzere Arbeitswoche wünscht und dafür auch weniger Gehalt in Kauf nimmt. Es geht uns um Flexibilität, damit wir selbst entscheiden und damit zumindest in die Nähe einer Balance kommen können. Im Life-Part tun wir alles dafür, ausgeglichen zu sein. Wir meditieren, setzen uns auf Social-Media-Entzug und gehen früh schlafen. Doch wenn sich nichts im Work-Part ändert, hilft auch das nicht viel.

Also ist die Idee: Vier Tage Arbeiten und drei Tage frei. Neben den internationalen Riesen Google oder Amazon gibt es inzwischen auch ein paar deutsche Unternehmen, die die verkürzte Arbeitswoche anbieten. Darunter sind Start-Ups, aber auch große Firmen wie die Onlinebank Comdirect. Die Modelle sind im Moment 1/5 weniger Lohn oder vier Tage à 10 Stunden. Doch alle Unternehmen lassen die Wahl – jeder kann, keiner muss.

Was sind die Vorteile für den Arbeitgeber? „Eine geringere Arbeitszeit verbessert nicht nur die Qualität unserer Arbeit, sondern sorgt auch dafür, dass wir unser Leben mehr genießen“, sagt der Wirtschaftsprofessor David Spencer in einem Artikel von DailyMail. Die Rechnung ist ganz einfach. Wenn ich erholt bin, bin ich zufrieden. Wenn ich zufrieden bin, bin ich motivierter und kreativer. Eine logische Schlussfolgerung, die alle Gegenstimmen, die sich Sorgen um weniger Produktivität oder zu hohe Kosten machen, in die Knie zwingt. Zufriedene Mitarbeiter sind motivierte Mitarbeiter sind produktive Mitarbeiter.

Noch dazu wächst laut Wissenschaftlern der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin das Risiko für gesundheitliche Beschwerden, je länger die Arbeitswoche dauert. Eine kürzere Woche und mehr Erholung bedeuten also auch weniger gesundheitliche Probleme und somit weniger Krankheitstage. Weniger Arbeitstage könnten dann also trotzdem insgesamt mehr produktive Arbeit zur Folge haben.

Uns wird ein neuer Tag geschenkt

Wer sich an „hitzefrei“ aus der Schule erinnert, weiß, wie es sich anfühlt, Zeit geschenkt zu bekommen. Wenn wir uns jetzt vorstellen, einen ganzen neuen Tag zu haben, fangen wir sofort an zu lächeln. Denn alleine die Vorstellung beruhigt und entspannt uns unheimlich. Alleine das Wissen um mehr Zeit motiviert uns.

Aber auch das, was wir dann wirklich tun, sorgt für eine innere Zufriedenheit. Wir können alles tun: wandern, Wellness machen, streichen, in den Zoo gehen, Kaffee trinken, Spanisch lernen, Nachhilfe geben, ausmisten oder schlafen. Aber es ist nicht nur ein freier Tag, sondern auch ein langes Wochenende. Der Kurztrip zur Freundin oder in die Heimat fühlt sich am Montag endlich nicht mehr nur nach einer einzigen Zugfahrt an.

Vielleicht erledigen wir auch den Zahnarzttermin, den wir schon ewig vor uns herschieben, oder putzen die ganze Wohnung. Das sind nicht die spaßigsten Angelegenheiten, aber das spielt keine Rolle. Worauf es ankommt, ist, dass wir einen Tag mehr haben, an dem wir nichts müssen. Denn dieses Muss im Arbeitsalltag ist das, was uns stresst, was uns krank macht, was uns weit weg von Entspannung und Balance bringt. Ein paar Tage in der Woche, an denen wir alles können und nichts müssen, wirken Wunder. Da halten sich Work und Life plötzlich die Waage. Da fühlen wir uns plötzlich so viel aufgeräumter innerlich.

Und nach den freien Tagen tragen wir dieses wohlige Gefühl mit in die Arbeit. Sprich: Davor, mittendrin und danach fühlen wir uns gut. Was sollte ein Arbeitgeber mehr wollen als einen Mitarbeiter, dem es gut geht?

Eine Win-Win-Situation

Warum es trotzdem noch die Ausnahme ist, könnte daran liegen, dass das Ganze hohe Flexibilität vom Arbeitgeber verlangt. Aber das ist auch nur fair. In Stellenanzeigen wird von uns immer Flexibilität erwartet, vom Arbeitgeber selbst aber selten gewährt. Wenn wir immer und überall arbeiten können sollen, wollen wir auch selbst mehr entscheiden. Mehr Freiheit wiederum schafft Raum für persönliche Weiterentwicklung und Kreativität. Ein starrer Arbeitsalltag ist der Tod für Innovationen und Ideen. Damit der Laden bei all der Freiheit läuft, muss der Arbeitgeber für eine vernünftige Kommunikation, Vertrauen und gute Teamarbeit sorgen. Im Grunde aber nichts, was es nicht sowieso in jedem Unternehmen geben sollte.

Wir bekommen Freiheit, unser Arbeitgeber mehr Kreativität. Wir bekommen einen neuen Tag und unser Arbeitgeber motivierte Mitarbeiter. Wir nutzen die freie Zeit, um uns zu erholen – auf welche Weise auch immer -, dafür stellt unser Arbeitgeber eine funktionierende Kommunikation her. Wenn das mal nicht Win-Win bedeutet, dann wissen wir auch nicht.

Auch spannend: Generation Burn-out oder: „Die anderen schaffen es doch auch“

Das könnte Dich auch interessieren