Die Sache mit dem Post-Lockdown-Body

Frau dehnt sich auf einer Wiese und macht dabei einen angestrengten Gesichtsausdruck

Die Pandemie neigt sich (hoffentlich) dem Ende zu, der Sommer ist im vollen Gange und ganz Deutschland hat zugenommen. Ein gefundenes Fressen für Influencer*innen, Werbeagenturen und Fitnessstudios. Aber eben auch Katalysator für Essstörungen und Depressionen. Warum sowas wie ein Post-Lockdown-Body nicht existiert und was wir tun können, um nicht in potentiell gefährliche Muster zu verfallen.

„Ich hab seit bestimmt anderthalb Jahren keinen Sport mehr gemacht!“ schimpft meine Freundin Katha, während sie genervt ihr Smartphone so dreht, dass ich ihre gebräunten Oberschenkel sehen kann. „Guck dir das an! Total wabbelig!“ Sie schnauft frustriert und nimmt noch einen Schluck von ihrem Aperol. Es ist ein Sonntagabend Anfang Juli und wir treffen uns mal wieder über Skype. Sie sitzt auf ihrem Balkon in Heidelberg, ich im Wohnzimmer meiner Eltern in Köln. Und wie so häufig in den letzten Wochen sind auch heute wieder unsere Körper das dominante Thema. Mich nervt das. Nicht nur, dass so viel Gehirnkapazität für dieses leidige Thema draufgeht, sondern auch, dass wir uns davon so stressen lassen.

5,5 Kilo hat der durchschnittliche Deutsche während der Pandemie zugenommen (Quelle: rbb24.de). Das klingt erstmal viel, doch wenn man sich den eigenen Tagesablauf in Quarantäne, Lockdown, Homeoffice und Co. anschaut, dann relativiert sich der Eindruck schnell. Der Wegfall des Arbeitsweges mit dem Fahrrad, die Schließung der Fitnessstudios, die Zoom-Dates mit Freund*innen und dem ein oder anderen Gläschen Wein.

Die Deutschen sind schwerer geworden und das macht uns Stress. Denn natürlich sehen wir nicht, wie sich die Körper unserer Mitmenschen verändert haben, sondern nur unseren eigenen. Soziale Kontakte sind entfallen und stattdessen verfolgen wir den scheinbar so produktiven Alltag etlicher Influencer*innen. Personen des öffentlichen Lebens, die uns vormachen, wie man die letzten 1,5 Jahre „besser“ hätte nutzen können.

Nicht umsonst trenden aktuell Hashtags wie #hotgirlsummer auf allen erdenklichen Kanälen.

Ihr könnt es sicher bereits erahnen, aber ich finde das problematisch.

Denn, wen schon die alljährliche „Summer-Body-Challenge“ nervt, der geht beim „Post Lockdown Body“ erst recht an die Decke. Dabei geht es mir gar nicht um die Idee, den Körper mal wieder zu mobilisieren oder öfter zum Vollkornbrot als zur Lasagne zu greifen. Es geht um die Ideologie, die dahintersteht. Darum, dass mit der Unsicherheit von Menschen und ihrer Angst vor sozialem Ausschluss Geld gemacht wird.

Essen als Coping-Mechanismus

Die  Pandemie war für uns alle auf die eine oder andere Art eine beängstigende Zeit. Wir haben mehr gegessen, um uns zu trösten. Was willst du auch machen, wenn alles, was Spaß macht, verboten ist? Essen verbindet. Weil Kochen uns die Chance auf Kontrolle gibt, in einer Zeit, in der alles so chaotisch scheint. Den meisten Erwachsenen ist dieser Mechanismus natürlich bewusst und doch kommt selbst die aufgeklärteste Feministin nicht daran vorbei, bei dem Versuch, sich in die Lieblingsjeans des letzten Jahres zu quetschen, kurz aufzuseufzen.

Dorfkind und Wunschgroßstädterin. Veganerin mit Vollmilchschokoladen-Problem. Indie-Fan mit Schlager-Playlist. Frühaufsteherin mit Nachtschwärmersyndrom. Pragmatikerin mit dem Kopf in den Wolken. Unterm Strich: Genauso verloren in meinem Lebensentwurf, wie es meiner Generation immer nachgesagt wird.