Wie uns die Schule nicht auf das Leben vorbereitet

Von wegen: Die Schule bereitet einen aufs Leben vor. Bild. Pexels

Egal ob Hausaufgaben, Kleiderordnungen oder Schulverweise – unsere Zeit in diversen Bildungseinrichtungen soll uns perfekt auf das Leben als erwachsene Menschen mit Regeln und Pflichten vorbereiten. Aber tut sie das auch?

Ich bin in meinen 20ern. Warum sollte ich mich also großartig mit meiner Schulzeit beschäftigen? Manches war gut, anderes schlecht. Wir haben es doch alle irgendwie überlebt, nicht wahr?

Nun ist es aber so, dass die Dinge, die wir in der Schule lernen, uns bis ins Erwachsenenleben hinein beeinflussen. Und ich rede hier nicht von Algebra oder Gedichtanalysen. Nein, mir geht es eher um die Social Skills. Darum, was wir in der Schule über den Umgang mit Menschen lernen und darüber, wie man sich in einem sozialen Konstrukt verhält.

Leider haben diese Erfahrungen jedoch keinen rein positiven Einfluss auf uns. Aber muss das sein?

Hausaufgaben

Zur Zeit der Einführung der Schulpflicht ist man davon ausgegangen, dass Kinder nach der Schule vor allem der Fabrikarbeit zugeführt werden sollen. Einstempeln, Mittagspause und Lohntüte inklusive. Man unterlag dem Eindruck, dass Zeit der entscheidende Faktor wäre und nicht die Qualität der Arbeit. Also arbeitete man bis Feierabend war, danach ließ man den Hammer fallen und ging. Alle wurden gleich bezahlt. Und so geht es in Schulen bis heute noch nicht darum, wie viel Kinder tatsächlich lernen, sondern in welcher Zeit sie dies tun.

Hausaufgaben sind dementsprechend auf Grund von gleich zwei Annahmen problematisch. Erstens bringen Hausaufgaben Kindern bei, dass es okay ist, wenn sie die Arbeit mit nach Hause nehmen. Was in der Schule nicht geschafft wird, muss zuhause nachgeholt werden. Das verlernt man nicht so schnell. Dementsprechend wundert sich niemand, wenn der Chef auch am Samstag mal anruft oder man Arbeit mit in die Freizeit nimmt. Ohne entsprechende Vergütung, versteht sich. Mittlerweile ist weitreichend bekannt, dass Überarbeitung und eine schlechte Work-Life-Balance zu Depressionen, Burnout und Angstzuständen führen können und diese beginnen immer früher. Bereits in der Unterstufe müssen Kinder hierzulande zum Psychologen, weil sie mit dem Druck nicht klarkommen. Ein gesundes Arbeitsumfeld sieht für mich anders aus.

Zweitens sollte es in unserem Schulsystem ja eigentlich darum gehen, dass man Kinder aus ihrem Umfeld herausholt, um ihnen allen eine gleichwertige Bildung zukommen zu lassen. Gibt man Kindern jedoch ihre Aufgaben mit nach Hause, ohne das eine Lehrkraft in Reichweite ist oder sie Zugriff auf erklärende Materialien haben, sind sie wieder auf die finanziellen und kognitiven Gegebenheiten ihrer Eltern angewiesen. Gleiche Chancen für alle? Fragwürdig!

Dorfkind und Wunschgroßstädterin. Veganerin mit Vollmilchschokoladen-Problem. Indie-Fan mit Schlager-Playlist. Frühaufsteherin mit Nachtschwärmersyndrom. Pragmatikerin mit dem Kopf in den Wolken. Unterm Strich: Genauso verloren in meinem Lebensentwurf, wie es meiner Generation immer nachgesagt wird.