Selbstversuch: Eisbaden

Frau mit Mütze im Wasser umgeben von Schnee

Wir sind im Spätsommer zu Semesterbeginn immer zu diesem einen See nahe dem Campus gefahren, saßen dort in der Sonne und haben Musik gehört oder sind ins Wasser gesprungen und ans andere Ufer geschwommen. Es wurde Oktober und der Herbst war warm, also haben wir an sonnigen Tagen die Ausflüge zum See beibehalten.

Ende Oktober waren wir im Urlaub an der Küste bei Montpellier und obwohl es langsam frischer wurde, hatten ich und einige andere das große Bedürfnis, im Meer zu baden und taten das auch. Nach einem Mondschein-Skinny-Dip meinte ein Freund zu mir, er würde auch gern im Winter regelmäßig baden gehen. Ich fand schon unsere nächtliche Oktoberaktion reichlich abenteuerlich und erklärte ihn für verrückt. Im November lagen wir nochmal bei sehr warmem Wetter in Unterwäsche am See und tankten Sonne auf. Und natürlich ließen wir uns das Baden nicht nehmen. Im Dezember kam der Winter doch und am Nikolaustag lag Schnee. Statt gemütlich in der geheizten Wohnung Tee zu trinken, gingen wir eine kurze Runde im See schwimmen. Und immer noch gehen wir zum See, um herauszufinden, wie lang wir es im kalten Wasser aushalten. Am liebsten nach Wanderungen in den Bergen.

Manchmal hatten wir in diesem Winter den See nicht so nah. In diesen Fällen haben wir unser (mir immer noch unerklärliches) Kältebedürfnis im Schnee befriedigt. Barfuß durch den Schnee spazieren, Schnee-Engel in Unterwäsche oder der Jahresstart mit einer Schneeballschlacht ohne viele Klamotten (keine, um genau zu sein). Das hat mich diesen Winter wach gemacht, zum Schreien und Lachen gebracht, ein wenig Schmerz verursacht, aber meistens sehr viel Spaß gemacht.

Eisbaden und andere Kälteerlebnisse sind diesen Winter zum Trend geworden. Auch die Influencerin Adrienne Koleszár folgt ihm. „Weil ich das Extreme mag.“ So begründet sie ihr neues Hobby, das Eisbaden. Außerdem verspricht sie sich davon einen Boost für ihr Immunsystem, eine schnellere Regeneration und eine erhöhte Stoffwechselaktivität.

Der unangefochtene König der Kälte ist wohl „Iceman“ Wim Hof. Er setzt seinen Körper seit vielen Jahren der Kälte aus und hat eine Atem-Methode entwickelt, mit der sich die Kältetoleranz des Körpers trainieren lässt. Er verkauft Bücher, Online-Trainings und Kälteerlebnisse. Er selbst ist niederländischer Extremsportler, er hat den Kilimandscharo in Shorts bestiegen, ist nördlich des Polarkreises barfuß einen Halbmarathon gerannt und einen Marathon in der Namib-Wüste, ohne dabei zu trinken. Viele sind von seinen Leistungen begeistert und eifern ihm nach. Wissenschaftler*innen untersuchen, wie er es schafft, mithilfe seiner Methode seinen Herzschlag und seine Blutzirkulation zu kontrollieren.

Warum er das alles macht?

Das Kältetraining sorgt seiner Ansicht nach für mehr Energie und Leistung beim Sport, besseren Schlaf, Konzentration und Willenskraft. Außerdem verspricht er mehr Kreativität, ein stärkeres Immunsystem, schnellere Regeneration und Reduzierung von Stress.

Immer unterwegs. Momentan wahrscheinlich in den französischen Alpen. Leicht zu begeistern. Ganz besonders für Sport, vegane Leckereien, gute Romane, Yoga und Fremdsprachen.