Selbstversuch: Eisbaden

Frau mit Mütze im Wasser umgeben von Schnee

Ob wirklich all das eintritt, kann ich nicht sagen, denn ich habe seine Methode nicht benutzt. Mit Sicherheit macht das Eisbaden wach, kurbelt den Kreislauf an und ich kann mir gut vorstellen, dass es auch das Immunsystem stärkt. Krank war ich diesen Winter noch nicht.

Die erste Überraschung, als ich mich ausziehe und barfuß neben dem See stehe, ist, dass es erstmal gar nicht so kalt ist, wie man sich es vorstellt. Es breitet sich eine Nervosität und Aufregung aus. „Mache ich das jetzt wirklich?“ ist der einzige Gedanke in meinem Kopf. Und dann mache ich es wirklich. Ich gehe ins Wasser, zügig, aber nicht schnell, ohne dabei innezuhalten. Bis ich bis zum Hals drinnen stehe. Die Hände auf den Oberschenkeln fokussiere ich mich ganz auf meine Atmung. Mir kommt meine ehemalige Sportlehrerin in den Sinn, die nach 50 Sit-Ups immer meinte, man solle den Schmerz einfach wegatmen. Sie hatte Recht, es funktioniert. Der Atem ist als Dampf über dem Wasser zu sehen. Ich bestaune das orangene Licht am Himmel über den beschneiten Bäumen. Die Sonne geht unter und ich vergesse für einen Moment, dass ich bis übers Schlüsselbein in eiskaltem Wasser stehe. Irgendwann – es kommt mir vor wie eine Ewigkeit – fühle ich mich ein wenig unsicher, als könnte ich nicht mehr darauf vertrauen, dass meine Muskeln mir noch zu 100% gehorchen. Ich beschließe, das reicht und bewege mich langsam aus dem Wasser. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die Steinchen unter meinen Füßen einfach nicht wehtun oder ich kein Gefühl mehr in meinen Füßen habe. Ich trockne mich ab, sicher überall drei Mal, denn ich spüre nicht, wo ich nass bin und wo trocken. Mir wird warm, von innen heraus, obwohl ich noch gar nichts angezogen habe. Dann steige ich etwas unbeholfen in meine weichen und gemütlichen Klamotten, wir packen unsere Sachen und gehen schnell zum Auto zurück. Dort wird die Heizung angemacht, Tee aus der Thermoskanne und Schokolade herumgereicht. Ich fühle mich pudelwohl, mein Körper ist schwer, mein Kopf frei und ich bin mir sicher, dass ich heute Nacht hervorragend schlafen werde.

Wer nun selbst Lust auf das Eisbaden bekommen hat, für den habe ich hier ein paar Tipps:

  • Geh nicht allein. Deine Freunde müssen nicht mit ins Wasser kommen, aber es sollte dir jemand helfen können, falls doch etwas passiert.
  • Wenn du Vorerkrankungen hast, sprich am besten zuerst mit deinem Arzt oder deiner Ärztin.
  • Übertreib es nicht. Niemand von uns ist Wim Hof, deshalb geh nicht zu lange. Probier es doch die ersten Male mit 30 Sekunden, danach kannst du dich immer ein wenig steigern.
  • Auf keinen Fall einfach reinspringen!
  • Bringe warmen Tee und etwas Süßes für danach mit.
  • Wähle deine Klamotten weise. Sie sollten warm sein, aber auch leicht und schnell anzuziehen.

Jetzt seid ihr hoffentlich gut gerüstet, also sucht euch das nächste Gewässer und genießt es!

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Bildquelle: Mika on Unsplash

Immer unterwegs. Momentan wahrscheinlich in den französischen Alpen. Leicht zu begeistern. Ganz besonders für Sport, vegane Leckereien, gute Romane, Yoga und Fremdsprachen.