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Internet-Trend: „Shipping“ – Wenn Fans fiktive Charaktere verkuppeln

To ship or not to ship, that is the question. Warum es so viel Spaß macht, Charaktere zu „shippen“.

Ob Ron und Harry, Kirk und Spock oder Holmes und Watson: es wird geshippt, was das Zeug hält. Hierbei handelt es sich übrigens nicht um eine neue Art des Onlineversands, sondern um ein kulturelles Phänomen, das bereits seit Jahrzehnten mehr oder weniger unterm Tisch betrieben wurde, und mittlerweile für die meisten schon fast ein Hobby ist. Vor allem auf Tumblr und Reddit sind Fans von bestimmten OTPs (One True Pairings) unterwegs, um Geschichten von ihren eigenen Traumpärchen zu verbreiten.

Für alle, die mit dem Begriff noch nicht so vertraut sind, ein kurzer Infoflash: Shipping bezeichnet das Unterstützen von (fiktiven) Pärchen, die man persönlich als besonders passend erachtet. Dabei heißt das noch lange nicht, dass man dabei einer Meinung mit den Autoren sein muss, die sie erschaffen haben: In „Harry Potter“ schienen Leser und Zuschauer gleichermaßen, Harry sowohl mit Hermine zu shippen, als auch mit Ron. Oder Draco. Oder Dumbledore.

 

Let the ship sail!

 

Und damit betreten wir das etwas dunklere Gelände des Shippings. Für manche Fans scheint es, da das ganze sich ja auf fiktivem Boden bewegt, keine moralischen Grenzen zu geben. In Game of Thrones werden beispielsweise Geschwister geshippt, Kinder mit Erwachsenen, und so weiter und so fort. Dazu kommen Fanfictions (selbst weiter gedachte Geschichten) und Fanart (selbst gemalte Bilder), die teilweise alles andere als jugendfrei sind, weshalb „Shipping“ bei so vielen Menschen den Stempel „seltsam und geeky“ hat. Aber abgesehen davon ist Shipping eigentlich eine recht unschuldige Sache, bei der Menschen einfach ihre Fantasie ausleben können.

Und oft auch progressiver als der Inhalt selbst: Fans lieben es, Jungs mit Jungs und Mädchen mit Mädchen zu paaren, und es bringt uns dazu, darüber nachzudenken, wie cool die Story dann eigentlich geworden wäre. Vor allem Anfang der 00er Jahre war Homosexualität immer noch ein ziemliches Tabuthema, und Menschen wünschten sich durch die Shippings einfach etwas mehr Repräsentation. Dadurch sind Shippings auch gewissermaßen zu einer sicheren Anlaufstelle geworden, um über sensible Themen zu reden. Ein Ort, an dem man sich sicher fühlen kann. Dafür stand dann auch der in letzter Zeit nicht mehr allzu häufig benutzte Begriff „slash“, um gleichgeschlechtliche Paare zu identifizieren. Shipping ist also kein Werkzeug für verzweifelte Nerds, sondern greift gesellschaftlich tiefere Themen auf, was die Realität manchmal nicht schafft. Daneben macht es auch einfach verdammt viel Spaß.

 

Mein Shipping ist besser als deins!

 

Oft sind Charaktere auch so ausgefleischt und gut gemacht, dass man sich eben wundert, was sie so in ihrer Freizeit außerhalb der Grenzen des Romans oder des Fernsehers machen. Und manchmal ist die Macht der Shipper dermaßen stark, dass sie sogar Autoren dazu bringen, gewisse Pärchen „umzuschiffen„. Was dann zu den „Shipping Wars“ führt. Ein „Shipping War“ bezeichnet den „Krieg“ zwischen verschiedenen Fandoms, wenn sich ein paar Leute einfach nicht einig werden können, wer jetzt wen mehr liebt. Harry Potter ist ein Paradebeispiel für dieses Phänomen, und J.K. Rowling hat auch schon ordentlich viel Hass dafür einstecken müssen, mit wem sie Harry letzten Endes gepaart hat. Im Internet kursieren noch tausende Fanfictions in der Länge von Doktorarbeiten, warum Hermine und Draco DAS Traumpaar schlechthin seien. Aber: nicht nur Romane und Filme eignen sich zum shippen. Oft bietet das Leben von Promis genauso viel Stoff, um Shippings hervorzuholen. Hierbei muss jedoch höllisch aufgepasst werden, weil diese Promis sich für uns zwar fiktiv anfühlen, aber eben doch Menschen im echten Leben sind, genauso wie du und ich. Und keiner von uns hätte es gern, wenn fremde Menschen sich Geschichten über uns ausdenken, oder?

 

 

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Bildquelle: Unsplash unter CC0 Lizenz

Fqacebook-Titel: Meme TN via Flickr unter CC by 2.0 Lizenz

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